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Paul Mazursky vor zwei Jahren.

Filmregisseur Paul Mazursky

Hollywoods unabhängiger Geist

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Er setzte sich als einer der Ersten satirisch mit der Wellness-Gesellschaft auseinander: Zum Tode des Filmregisseurs Paul Mazursky.

Muss man zum Lebenskünstler geboren sein? Oder wecken erst unglückliche Umstände das wahre Talent zum Glücklichsein? Der amerikanische Filmemacher Paul Mazursky sympathisierte gerne mit den Zukurzgekommenen bei den Glücksversprechen des amerikanischen Traums. Aber auch die im Übermaß Gesättigten konnten zumindest mit seinem Nachsehen rechnen: Reichtum machte nicht glücklich in seinen Gesellschaftskomödien.

In seinen späten Jahren erinnerte er mit seinem Stoppelbart selbst ein wenig an jenen von Nick Nolte gespielten Tramp namens Jerry Baskin aus seiner Komödie „Zoff in Beverly Hills“. Der stolpert ins Luxusleben eines von Bette Midler und Richard Dreyfuss gespielten Ehepaars, als er dem eigenen eigentlich ein Ende setzen möchte. Doch aus dem Selbstmord im Swimming Pool wird ebenso wenig etwas werden wie aus dem Fortgang der gehobenen Langeweile seiner unfreiwilligen Gastgeber.

Wie ein „New Deal“-Movie der frühen dreißiger Jahre hielt dieser Film dem Wohlstandsglauben der achtziger Jahre einen Spiegel vor – und gehörte zugleich zu den frühesten satirischen Auseinandersetzungen mit der Wellness-Gesellschaft, als deren Pionierin er Bette Midlers Filmfigur gehörig auf die Schippe nimmt.

Er war ein Grenzgänger

In der Welt des Kinos dagegen war Mazursky selbst ein Grenzgänger zwischen Armut und Reichtum, zwischen dem unabhängigen Autorenfilm und dem aufwendigen Studiokino Hollywoods. Fünfmal wurde er in seiner Karriere für den Oscar nominiert, gewonnen hat er ihn nie. Vom europäischen Autorenfilm trennte Mazursky dagegen wohl der unbedingte Wille zu Unterhaltung, der einige seiner späteren Filme ironischerweise geradezu zu beschweren schien („Stage Fright – Eine Gurke erobert Hollywood“ oder „Der Hochzeitstag“ mit Cher).

Einmal fragte er Sven Nykvist, den Kameramann Ingmar Bergmans, ob denn der Schwede auch einen Sinn für Humor besitze. Die Antwort konnte er als Kompliment für den seinen ansehen: „Ingmar Bergman hat allenfalls einen komischen Alptraum.“

Mazursky kam als Schauspieler zum Film, seine erste Rolle spielte er in Stanley Kubricks frühem Kriegsfilm „Fear and Desire“, das erst jüngst durch seine restaurierte DVD-Veröffentlichung wiederentdeckt wurde. Sein eigentliches Talent aber fand der gebürtige New Yorker bald im Drehbuchschreiben. 1966 gehörte er zu den Erfindern der TV-Serie „The Monkees“, einer ungemein erfolgreichen Antwort auf den absurden Humor der englischen Beatlesfilme.

Das Ende der neuen Freiheit

1969 trug ihm sein Regiedebüt „Bob & Carol & Ted & Alice“ seine erste Oscarnominierung als Autor ein. Zwei Paare ertasten sich in einer Therapie-Session die Verlockungen der sexuellen Freiheit – und stoßen gleichwohl an die Grenzen dessen, was es fast zwanghaft zu „erfühlen“ gilt.

In einer Zeit, als sich ganz Hollywood, aufgeschreckt vom Welterfolg des Road Movies „Easy Rider“, umkrempelte, um das junge Publikum zurückzugewinnen, sprach der 1930 geborene Mazursky für eine Generation, die nicht mehr ganz dazugehörte. Und sah vielleicht wohl deshalb als einer der ersten das Ende der neuen Freiheit nahen. Nicht von ungefähr ist sein vielleicht schönster Film ein Road Movie über einen Rentner und seine Katze: „Harry und Tonto“ (1974) ist bis heute einer der ungewöhnlichsten und visionärsten Filme des New Hollywood geblieben. Am 30. Juni ist Mazursky, 84-jährig, in Los Angeles gestorben.

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