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Hollywood relativiert die eigene Courage

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Von: Daniel Kothenschulte

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George Clooney als smarter Wirtschaftmoderator der Anleger-Show „Money Monster“.
George Clooney als smarter Wirtschaftmoderator der Anleger-Show „Money Monster“. © Sony Pictures

Regisseurin Jodie Foster warnt in „Money Monster“ vor dem Turbokapitalismus und lässt George Clooney vom feigen Gockel zum mutigen Aufklärer mutieren.

Kapitalismuskritik und Hollywood, eigentlich ist es ein Widerspruch in sich selbst. Noch heute gilt in dieser Filmkultur Verkäuflichkeit als höchster Qualitätsbeweis. Dennoch haben amerikanische Filmemacher immer wieder eindringlich vor den Auswüchsen der Gier gewarnt, von Erich von Stroheims Stimmfilmklassiker „Greed“ über den Lieblingsweihnachtsfilm der Amerikaner, Frank Capras „Ist das Leben nicht schön“, bis zum aufklärerischen Finanzkrimi „The Big Short“, der in diesem Jahr einen Oscar für sein messerscharfes Drehbuch erhielt.

„Money Monster“ ist ein herrlicher Titel für einen Film, der vor diesem Ungeheuer warnt. Tatsächlich ist es für den von George Clooney gespielten Wirtschaftsmoderator der gleichnamigen Anleger-Show ein nettes Ungeheuer, das er da aus der Flasche lässt. Gut gelaunt, aber mit dem kühlen Adler-Blick des smarten Brokers schmückt er sich mit Hip-Hop-Tänzern, während er Börsenkurven mit weiblichen Oberweiten vergleicht. Wer außer Clooney könnte diese schmierige und dennoch mächtige Figur verkörpern, ohne ins Grotesk-Komische abzugleiten? Als ein Terrorist plötzlich aus der Kulisse springt und ihn mit vorgehaltener Pistole eine Sprengstoffweste anziehen lässt, verschieben sich die Fronten. Der Mann hat sein gesamtes Geld durch ein in der Sendung beworbenes Finanzprodukt verloren, hinter dem ein skrupelloser Unternehmer steht.

Regisseurin Jodie Foster hält das rasante Tempo dieser Show durch (obwohl diese  zum Halten kommt), offenbar interessiert sie am Turbokapitalismus erst einmal der Turbo. Wie eine Zauberkünstlerin lenkt sie uns dabei sehr geschickt davon ab, über die Logik des Ganzen nachzudenken. Wäre es nicht ein Leichtes, einen einzelnen Mann vor einer Fernsehkulisse zum Beispiel mit einem Scheinwerfer zu blenden und dann schnell außer Gefecht zu setzen?

Doch schon der leicht ironische Ton der Inszenierung lässt Fragen der Plausibilität als sekundär erscheinen. Foster interessiert sich mindestens so sehr dafür, den leeren Aktionismus des amerikanischen Aktualitätsfernsehens bloßzustellen, dieses ständige, sensationsheischende Überkommentieren. So ist es kein Wunder, dass die von Julia Roberts gespielte Redakteurin gar nicht daran denkt, die Sendung abzubrechen – und dass sie mit dem Terroristen lieber vor laufender Kamera verhandelt.

Wohl nie hat man im amerikanischen Kino mehr mit einem Terroristen sympathisiert als mit dem von Jack O’Connell gespielten Verzweiflungstäter. Während Polizei-Scharfschützen durch Lüftungsrohre schleichen, arbeitet die Julia-Roberts-Figur mit ihrer Redaktion an der Aufklärung des Skandals. Moderator Gates lässt sich vor der Kamera mit einer Sprengstoffweste durch die Wall Street führen, wo man den Erfinder des korrupten Finanzprodukts überführen will. Schon wieder eine abstrus unglaubwürdige Situation, doch es ist so unterhaltsam, dass man dem Ganzen lieber zusieht, als es auf die Goldwaage zu legen.

Julia Roberts gelingt dabei ein durchaus spektakuläres Comeback. Obwohl sie ihre Rolle weitgehend im Sitzen spielt, trägt sie großen Anteil an der Rasanz dieses zumindest in seiner Genreform meisterhaft gebauten Medien- und Wirtschaftsthrillers. Die interessanteste Performance aber gelingt George Clooney, der nach den Regeln des klassischen Hollywood von einem feigen Gockel zu einem mutigen Aufklärer mutiert. Erst gegen Ende, wenn die Rasanz zum Halten kommt, findet auch Hollywood wieder im unangenehmen Sinne zu sich selbst und relativiert die eigene Courage. Natürlich kann ein Terrorist nicht ungeschoren davonkommen. Und natürlich glauben wir kaum, dass sich der Hüter und Bezwinger eines „Money Monsters“ lange von seinen Verlockungen wird fernhalten können.

Money Monster. USA 2016. Regie: Jodie Foster. 90 Min.

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