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Berlin im Zeichen des Bären: In den nächsten zehn Tagen gibt es Filme satt.
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Berlin im Zeichen des Bären: In den nächsten zehn Tagen gibt es Filme satt.

Filmfestival

Von Hoffnung und anderen Gefühlen

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Heute beginnt die Berlinale. Der Finne Aki Kaurismäki weckt mit einem Flüchtlingsdrama hohe Erwartungen an den traditionell politischen Wettbewerb.

Darf man vor Beginn der Berlinale schon von einem Favoriten sprechen? Und würde man damit nicht zugleich die Chancen dieses Kandidaten ruinieren, denn schließlich gewinnen Favoriten ja nur selten Festivals?

Ein absurdes Dilemma, doch da wir weder abergläubisch sind noch sonderlich viel auf die eigene Hellsichtigkeit geben, sprechen wir lieber vom dem einen Film, der unsere größte Vorfreude weckt. Zum ersten Mal ist der Finne Aki Kaurismäki Wettbewerbsgast der Berlinale. Seine Tragikomödie „Die andere Seite der Hoffnung“ erzählt von einem syrischen Flüchtling, der nach seiner Ablehnung durch die Behörden in Helsinki untertaucht. Umso besser meint es das Schicksal zur gleichen Zeit mit einem Vertreter für Krawatten und Herrenhemden, den seine berufsbedingte Seriosität allmählich traurig macht. Am Spieltisch findet er sein Glück und kann so im Vorort ein Restaurant erwerben, in dessen Hof er eines Tages den obdachlosen Syrer findet. Man tut sich zusammen, und findet wie im Märchen der Bremer Stadtmusikanten etwas Besseres als den Tod. Ein Koch und ein Hund komplettieren das Quartett.

Extra für Kaurismäki wirft die Berlinale noch einmal die alten 35mm-Projektoren an, während andernorts ein Klassiker des Zelluloidfilms sein digitales 3D-Comeback erlebt: James Cameron hat seinen „Terminator“ nachbearbeitet, der im Rahmen der Science-Fiction-Retrospektive sein Comeback erlebt.

Wieder einmal hat sich das besucherstärkste Filmfestival der Welt vorgenommen, das Kino in seiner ganzen Breite zu repräsentieren. Wobei man zugleich vom Wettbewerb erwartet, dass er seinem Ruf treu bleibt, besonders politisch zu sein. In Sally Potters Schwarzweißfilm „The Party“ zum Beispiel spielt Kristin Scott Thomas eine Labour-Politikerin auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn. Im Schattenkabinett wurde sie zur Ministerin ernannt, doch als sie dies mit Freunden feiern möchte, implodiert plötzlich ihr Privatleben.

Tatsächlich ist wohl das Private das Politische in diesem Wettbewerbsprogramm: Josef Hader zum Beispiel, der große österreichische Kabarettist, spielt in seinem Regiedebüt „Die wilde Maus“ einen entlassenen Musikkritiker. Mit einem ehemaligen Mitschüler bringt er am Prater eine marode Achterbahn in Schuss, doch nach Aufbruchstimmung ist ihm nicht zumute. Immer stärker wird sein Hass auf den Chef, der ihn gefeuert hat.

Eine ganze kulturelle Zeitenwende fasst die Tragikomödie in dieses Psychogramm, dem schon aus einem Grund besondere Aufmerksamkeit sicher ist: Nach dem Welterfolg von „Toni Erdmann“ dürfte das internationale Publikum den deutschsprachigen Film nach ähnlichem durchforsten. Vielleicht wird es ja in Thomas Arslans deutschem Beitrag fündig: „Helle Nächte“ spielt auf demselben Parkett wie Maren Ades Filme – es ist ein Kammerspiel in weiten Bildern um eine heilungsbedürftige Familienkonstellation. Ein Mann fährt zum Begräbnis seines Vaters nach Norwegen und nimmt seinen Sohn, den er kaum kennt, mit auf die Reise. Auch dieser Film von einem der besten deutschen Filmkünstler weckt hohe Erwartungen. Aber wird sich auch der Jury-Präsident für das langsame, nachdenkliche Kino des Berliners begeistern? Der Niederländer Paul Verhoeven erzielte seinen größten Erfolg mit „Basic Instinct“. Anderseits ist ihm mit dem Rachedrama „Elle“, das nächste Woche in den deutschen Kinos startet, ein grandioses Comeback gelungen.

Berlin hat sich in den vergangenen Jahren damit zufrieden gegeben, das größte Filmfestival der Welt zu sein und bei der dafür notwendigen Menge an Filmen manchmal Kompromisse bei der Qualität gemacht. 399 Filme stehen dieses Jahr auf dem Programm, natürlich können die nicht alle erstklassig sein. Doch an Beschränkung will niemand denken, kommen doch jedes Jahr mehr Zuschauer. Rund 336 000 Karten verkaufte man 2016, zusammen mit den Tickets der Fachbesucher dürfte man die halbe Million überschreiten. Doch wer sagt, dass das Festival nicht noch erfolgreicher wäre, wenn strenger ausgewählt würde? Wenn man etwas weniger Filme zeigen würde, aber dafür mehr Wiederholungen ansetzte?

Auch wenn „Toni Erdmann“ in Cannes nichts gewonnen hat, verdankt der Film doch seinen Weltruhm seiner dortigen Premiere. Es ist ein vergleichsweise kleines Festival, aber welche Aufmerksamkeit legt es auf jeden einzelnen der dort gezeigten Filme. Berlin ist beliebt – aber sein Programm wirkte zuletzt beliebig. Hoffen wir, dass sich diesmal alle Hoffnungen erfüllen.

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