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Aus einer Übung wird der Ernstfall: Karla Lorenz (Natalia Wörner) und ihr Kollege Nikolaus Tanz sind ebenso wie das Botschaftspersonal in der Hand von Extremisten.
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Aus einer Übung wird der Ernstfall: Karla Lorenz (Natalia Wörner) und ihr Kollege Nikolaus Tanz sind ebenso wie das Botschaftspersonal in der Hand von Extremisten.

„Die Diplomatin“, ARD

Auf der Höhe der Zeit

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Das Erste startet eine ungewöhnliche Reihe – für Spannung sorgt kein Kriminalist, sondern eine von Natalia Wörner gespielte Diplomatin. Ungewöhnlich und teils auch verwirrend: Der fesselnde Premierenfilm war ursprünglich an zweiter Stelle vorgesehen.

Die wohlfeile Behauptung, deutsche Fernsehproduzenten seien nicht in der Lage, funktionierende Fortsetzungsserien zu erstellen, ist zwar eine Fama. Allerdings geben sich manche Hersteller und Redaktionen scheinbar redlich Mühe, diese verbreitete Mär nach Kräften zu füttern. Mit „Die Diplomatin“ haben die Degeto als Einkaufsunternehmen der ARD und die Produktionsfirma Ufa Fiction eine Reihe entwickelt, die das Zeug zu einer funktionierenden Fortsetzungserzählung gehabt hätte. Sogar einer mit zeitgenössischer Thematik, was bemerkenswert ist, weil Ufa Fiction mit Mehrteilern wie Deutschland ?83 und Kudamm ?56 sonst eher einen unverfänglichen Retro-Look pflegt.

Ursprünglich sollte „Die Diplomatin“ im November letzten Jahres starten, doch der Auftaktfilm „Entführung in Manila“ wurde aus aktuellen Gründen kurzfristig abgesetzt. Tags zuvor hatten sich die Anschläge in Paris ereignet. Nun erfolgt der zweite Anlauf, kurioserweise jedoch nicht mit „Entführung in Paris“, sondern mit dem Film „Das Botschaftsattentat“, der in der Erzählchronologie an zweiter Stelle steht. Offenbar erst nach Fertigstellung beider Filme erkannten die Beteiligten, dass „Das Botschaftsattentat“, so die Auskunft von Seiten der Degeto, „der geeignete Auftakt der Reihe ist“. Eine seltsam späte Einsicht.

Auf jeden Fall ist „Das Botschaftsattentat“ der bessere Film. Und er ist inhaltlich auf der Höhe der Zeit. Karla Lorenz (Natalia Wörner), Diplomatin für besondere Aufgaben, ist zwei Jahre nach einem konfliktreichen Einsatz auf den Philippinen – Thema des nunmehr zweiten Films – in Tunis im Einsatz. Sie leitet dort eine Sicherheitsübung, bei der in Zusammenarbeit mit örtlichen Einsatzkräften ein Überfall auf die deutsche Botschaft nebst Geiselnahme simuliert werden soll. Im fernen Berlin bilden Vertreter der Politik, der Bundeswehr und des Bundesnachrichtendienstes einen von Markus Fischer (David C. Bunners) geleiteten Krisenstab und verfolgen das Unternehmen via Live-Übertragung.

Fatales Manöver

Doch was als Planspiel zur Verbesserung der Sicherheitslage ausgeheckt wurde, bewirkt genau das Gegenteil. Die Botschaftsangestellte Esra (Hamila Ilter) greift ins Geschehen ein, Karla Lorenz wird betäubt, als sie aufwacht, befindet sich das Gebäude unter der Kontrolle islamistischer Terroristen. Sie fordern die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen und drohen mit der Ermordung ihrer Geiseln.

Drehbuchautor Holger Joos fächert das Geschehen auf und zeigt die auf die Attacke folgenden Taten auf mehrerlei Ebenen. In der Botschaft sind der deutsche Gesandte (Hans-Jochen Wagner) und Karla Lorenz darum bemüht, eine Eskalation zu verhindern. Sie versuchen, das Personal zu beruhigen, und verhandeln mit allen Mitteln und Finessen der Diplomatie mit den Besatzern. Das Regierungsmilieu in Berlin sucht hektisch nach einer politischen Lösung. Behufs dessen wird der fürs Auswärtige Amt tätige Thomas Eick (Thomas Sarbacher), der Karla Lorenz persönlich verbunden ist, als Emissär nach Tunis geschickt. Die dortige Regierung lehnt die Freilassung der Gefangenen zunächst ab, scheint aber unter gewissen Bedingungen zu Konzessionen bereit. Andrea Buch (Silvina Buchbauer) vom Bundesnachrichtendienst, eben noch im Krisenstab präsent, taucht gleichfalls in Tunis auf. Wo sie augenscheinlich nicht zum ersten Mal aktiv wird.

Fremde Freunde

Zwar ist verwunderlich, dass alle Terroristen und auch eine Mitarbeiterin des tunesischen Ministerpräsidenten fließend deutsch sprechen, aber darüber darf man hinwegsehen – in US-amerikanischen Serien geht es nicht anders zu, nur dass dort in aller Welt Englisch gesprochen wird. Insgesamt überzeugt „Das Botschaftsattentat“ durch das erzählerische Geschick des Autors, der enorme Spannung aus der Dramatik der Situation, aus psychologischen Befindlichkeiten und aus den politischen Winkelzügen gewinnt und dabei auf vordergründige Action getrost verzichten kann. Regisseur Elmar Fischer inszeniert entsprechend subtil, aber ohne Kammerspielanmutung – die einfallsreiche Nutzung kameratechnischer Mittel macht den Film visuell attraktiv; ein bestens austarierter Schnitt trägt zur fesselnden Wirkung bei.

Unter dem Gesichtspunkt einer seriellen Erzählung allerdings hat der Beitrag auffällige Schwächen. So arbeitet beispielsweise Markus Fischer (David C. Bunners), der Leiter des Krisenstabs, nicht zum ersten Mal mit Lorenz und Eick zusammen, was für die Zuschauerschaft wenig spürbar wird. Betonung findet zwar die enge Beziehung der Titelheldin zum Außenamtsmitarbeiter Eick, aber Karla Lorenz müsste ebenso auch mit dem Botschaftsangestellten Nikolaus Tanz (Jannik Schümann) einen persönlicheren Umgang pflegen, da beide bereits zwei Jahre zuvor ein gemeinsames Abenteuer zu bestehen hatten. Wie der am 7. Mai folgende Film „Entführung in Manila“, der nach der Neuordnung der Ausstrahlungsreihenfolge also eine Rückblende darstellt, noch zeigen wird.

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