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Der Cowboy & das Undercover-Girl: Christoph Letkowski, Nora Tschirner.

Tatort, Der höllische Heinz, ARD

Hippies in Tipis und ein Cowgirl

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Der stets zu Scherzen aufgelegter Weimar-Tatort führt diesmal zu Wildwest-Enthusiasten. Mit dabei: Christian Ulmen.

Der achte Weimar- und erste Tatort des neuen Jahres trägt den alliterierenden Titel „Der höllische Heinz“ (zuvor gab es im August: „Die robuste Roswita“) und bringt mit durchaus erfreulicher Verlässlichkeit wieder eine Mischung aus saublöden Witzen – diesmal um das Loch einer Tiefbauunternehmerin und die (Angel-)Rute des Chefs, aber wenigstens walzt man das nicht aus – und aus doch echt Lustigem. Polizist Lupo alias Ludwig Maria Pohl alias Arndt Schwering-Sohnrey darf sich einem Taubeneintopf-Koch mit Waschbärenmütze rhetorisch gewachsen zeigen. Der bibbernde Schlaks, der in der Ilm einen Toten findet, trainiert für den „Thüringer Ultraman“. Und an der Fischtreppe hat jemand gedichtet: „Weimar springt in die Bresche, für Karpfen, Forelle und Äsche“. Nicht Goethe, aber immerhin.

Als Cowgirl und Sheriff müssen die beiden Weimarer Ermittler diesmal nach einem Buch von Murmel Clausen und Andreas Pflüger, in der Regie Dustin Looses in ein Westernstädtchen namens El Doroda einschlendern/-fahren. Der Sheriff zieht bald schneller als der Schall, was sonst. Und das Cowgirl kann natürlich reiten, passabel singen und es singt im Saloon das Lied von den „Boys in the Backroom“, mit denen sie beim Saufen gleichziehen will. 

Nun ist Nora Tschirner keine Marlene Dietrich, aber das spielt nicht den Hauch einer Rolle. Denn der neue Tatort mit einer lässigen Tschirner als Cowgirl/Kira Dorn, einem Christian Ulmen als Sheriff/Lessing (ja, immer nur Lessing) und „Hippies in Tipis“ ist ein Spaß irgendwo zwischen „Der Schuh des Manitu“, den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg und „Easy Rider“. In diesem Wilden Osten haben die Cowboys und Indianer Zoff mit einer Motorrad-Gang. 

Herzhafte Karikaturen von Westerntypen

Peter Kurth ist der gefährlich wirkende Heinz – ob er höllisch ist, wird sich herausstellen müssen. Jedenfalls schreitet Heinz zu Beginn des Films (schalten Sie jetzt nicht um, weil Sie denken, Sie sind beim falschen Sender) schlangenledergestiefelt, mit Stetson auf dem Kopf und Colt an der Hüfte und sichtlich nervös durchs nächtliche Wildwest-Städtchen. Er ist der Geschäftsführer von El Doroda, gleich muss er im wahrsten Sinn des Worts den Kopf hinhalten, denn die „fundamentalistischen Westernfanatiker“ (Kira Dorn) sind in Lynchstimmung: El Doroda soll zumachen und wo bitteschön sollen sie da hin? 

Heinz kann den Zorn der Truppe gerade noch auf Häuptling Einsamer Wolf lenken; dann ist auch schon Morgen und Häuptling Einsamer Wolf ermordet. „Welcher Indianer heißt Herr Weber?“, wendet Lupo vernünftig ein, als der Tote identifiziert ist. Aber schon ist klar, Weber/Wolf sind ein und dieselbe Person. Schon erinnert sich Kommissarin Dorn an ihr Faschingskostüm, schon kommt sie zünftig die sandige Straße heruntergeschritten und bewirbt sich für die Doroda-Reitshow. 

Die Weimarer Tatorte nehmen die Dinge leicht und spielerisch, mit einem Augenzwinkern. Und sie machen das überwiegend ziemlich gut. Diesmal gibt es, logisch, herzhafte Karikaturen von Westerntypen – die resolute Saloon-Chefin, der undurchsichtige Cowboy, der schlaue Doc (hier aus erst später ersichtlichem Grund ein Geologe) –, aber auch die tiefgekühlte Kapitalistin und ihr geistig arg herausgeforderter Biker-Sohn. Und beim Ehepaar Dorn/Lessing droht die sprichwörtliche böse Schwiegermutter just anzureisen – sogar das Abflussrohr ist bereits tipptopp (dank Lessings Zahnbürste!), aber im Dinkelkissen-Spezialladen ist für sie noch ein Dinkelkissen zu besorgen. 

In Weimar wird jedes Klischee bei den Hörnern gepackt und diesmal auch der arme Longhorn-Stier Eddie. Im Abspann versichern die Verantwortlichen dann (Sie werden sehen, warum), kein Tier sei für die Produktion dieses Tatorts zu Schaden gekommen. 

Vorher aber reiten Cowgirl Kira und Klugscheißer Lessing zwar nicht in den Sonnenuntergang, aber nach Dienst- und Fallschluss wieder nach El Doroda, wo für eine Handvoll Euro die Clint-Eastwood-Suite gebucht werden kann. Was sie da treiben wollen, da ist der Weimar-Tatort ungewohnt diskret. 

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