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Nationalkonservatives Ungarn

„Heute-Show“-Beitrag über Ungarn: Orban-Regierung spricht von Nazi-Methoden beim ZDF

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Ein Beitrag der „Heute-Show“ erregt die Gemüter in Budapest. Ungarns Regierung unter Viktor Orban zeigt sich entsetzt über „Propaganda“ aus Deutschland.

  • Ein Beitrag der „Heute-Show“ im ZDF sorgt in Ungarn für Entsetzen.
  • Die Regierung von Viktor Orban reagiert mit Nazi-Vergleichen darauf.
  • Ungarn blockiert gemeinsam mit Polen den EU-Haushalt.

Mainz/Budapest - Eine Satire der „Heute-Show“, die zu später Stunde im ZDF zu sehen war, sorgt aktuell für Diskussionen. Thematisch behandelte der Beitrag das Veto von Ungarn und Polen gegen den geplanten Haushalt der Europäischen Union. Komödiantin Carolin Kebekus echauffierte sich in einer Schalte lauthals über das Verhalten der beiden osteuropäischen Staaten. Ungarns Regierungschef Viktor Orban nannte sie beispielsweise einen „Gulasch mit Ohren“. Zusätzlich schlug sie vor, dass alle Staaten, bis auf Polen und Ungarn, aus der EU austreten sollten, um anschließend eine neue Union namens „EUODBUUP“ zu gründen - die „Europäische Union ohne die bekloppten Ungarn und Polen“.

Da Orban nicht zum ersten Mal Thema eines „Heute-Show“-Beitrages im ZDF war, ließ die Reaktion aus Budapest nicht lange auf sich warten. Regierungssprecher Zoltan Kovacs veröffentlichte am Montag (23.11.2020) eine Stellungnahme auf „About Hungary“, einer Website, die Statements der Orban-Regierung regelmäßig unkritisch übernimmt.

Oliver Welke moderiert die „Heute-Show“ im ZDF. (Symbolfoto)

Heute-Show (ZDF): Orban ein „Idiot“ - Polen und Ungarn „Parasiten“

Satire und Humor hätten ihren Platz verdient, auch in der Politik, so Kovacs: Jedoch gebe es Grenzen. Die „Heute-Show“ habe zum wiederholte Male eine „rote Linie“ überschritten. Als Beispiele nannte der Regierungssprecher, dass Orban im ZDF ein „Idiot“ genannt worden sei oder dass Polen und Ungarn als „Parasiten“ bezeichnet worden seien.

Fakt ist jedoch, dass weder Moderator Oliver Welke noch Reporterin Carolin Kebekus diese beiden Wörter in der TV-Show verwendet haben.

Kovacs führte weiter aus, dass das deutsche Fernsehen rund um die ARD und das ZDF „völlig indoktriniert“ sei und zudem „arrogant und böswillig eine herablassende Karikatur des ungarischen Premierministers“ verbreite. Seine Tirade wurde durch einen Nazi-Vergleich abgerundet: „Ich erinnere mich an eine andere Zeit, in der sich Deutsche als überlegen betrachteten und auf den Rest von uns herabschauten. Es hat nicht so gut funktioniert.“ Für diese Behauptungen und Vergleiche legte Kovacs jedoch keinerlei Beweise vor. Entsprechende Nachfragen der „Deutschen Welle“, was genau die ungarische Regierung am Beitrag der „Heute-Show“ störe, ließen die Verantwortlichen unbeantwortet.

Nach „Heute-Show“-Beitrag im ZDF - Ungarischer Staatssekretär: „Die Deutschen waren in der Propaganda schon immer stark“

Kovacs Vorwürfe unterstrich der ungarische Staatssekretär Tamas Menczer am Montag in einer Schalte des TV-Senders „M1“. Zwar respektiere er die Deutschen, jedoch würden sie „alles dafür tun“, das ungarische Ansehen im Ausland „zu zerstören“. Der „Heute-Show“-Beitrag sei ein reines „Propandavideo“, so Menczer im Interview. „Die Deutschen waren in der Propaganda schon immer stark“, ergänzte er.

Tatsächlich haben Nazi-Vergleich in Ungarn bereits eine längere Tradition. Regierungschef Orban warf Bundeskanzlerin Merkel im Jahr 2013 Methoden der Nationalsozialisten vor. Merkel hatte sich beim Europaforum des „WDR“ zu Demokratiedefiziten Ungarns geäußert: „Wir werden alles tun, um Ungarn auf den richtigen Weg zu bringen, aber nicht gleich die Kavallerie schicken.“ Daraufhin sagte Orban: „Die Deutschen haben schon einmal eine Kavallerie geschickt, und zwar in Form von Panzern. Unsere Bitte wäre, sie nicht noch mal zu schicken. Es war schon damals keine gute Idee, und es hat nicht funktioniert“ - und missachtete komplett, dass Merkels Aussage eigentlich deeskalierend gemeint war. Stattdessen spielte Orban auf die Besetzung von Ungarn durch die deutsche Wehrmacht im Jahr 1944 an. Die Angelegenheit sorgte im Nachgang für diplomatische Spannungen zwischen Berlin und Budapest.

Viktor Orban ist seit dem Jahr 2010 der Ministerpräsident von Ungarn. Zuvor regierte er das Land bereits zwischen den Jahren 1998 und 2002. (Archivfoto)

Auch Regierungssprecher Kovacs fiel in der Vergangenheit schon durch einen Vorwurf auf. Er beschuldigte im Oktober 2020 Ex-Justizministerin Katharina Barley (SPD), die aktuelle Vize-Präsidentin des Europäischen Parlaments, Nazi-Methoden auf Ungarn anzuwenden. Barley hatte zuvor in einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ gesagt, dass man Orban „finanziell aushungern“ lassen müsse. Die Aussage bezog sich auf die Tatsache, dass dessen Familie und einige enge Vertraute stark von EU-Fördergeldern profitieren. Sie stehen unter Korruptionsverdacht. Kovacs twitterte anschließend: „Welchen Teil Ihres deutschen Know-hows möchten Sie benutzen, wenn es ums Aushungern geht, Frau Barley? Den von Stalingrad, Leningrad oder Warschau?“

Die Reaktionen aus Budapest dürften im Falle des „Heute-Show“-Beitrages im ZDF wohl zu keinen politischen Spannungen führen. Allerdings wird der Ton Ungarns gegenüber Deutschland und der EU rauer. Die polnische Regierung hat sich derweil noch nicht zur Sendung der „Heute-Show“ geäußert. Dass auch in Polen die Regierung eine nationalkonservative Politik verfolgt, zeigt beispielsweise, dass sie sich weigert den Sieg von Joe Biden bei der US-Wahl 2020 anzuerkennen. (Tobias Utz)

Rubriklistenbild: © Sascha Baumann/ZDF

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