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Chris (Svenja Jung) wird bei ihrer Einreise in den Osten kontrolliert.
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Chris (Svenja Jung) wird bei ihrer Einreise in den Osten kontrolliert.

„Der Palast“ im ZDF

Heute im ZDF: „Der Palast“ - Mehrteiler mit selbstgerechten Wessis und desilussionierten Ossis

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Das ZDF zeigt „Der Palast“, eine Geschichte um getrennte Zwillinge vor einem feschen Revue-Hintergrund.

Gregor Gysi erinnert sich, wie seine Mutter, im Kulturministerium der DDR zuständig für den Austausch mit dem Ausland, stets Karten bekam für den Friedrichstadtpalast. 1965 zum Beispiel für Louis Armstrong, der so lange bejubelt wurde, bis er im Morgenmantel auf die Bühne kam und darum bat, nun schlafen gehen zu dürfen.

„Der Palast“, wie sich das Berliner Haus heute bevorzugt nennt, war Markthalle, dann Zirkus, wurde 1919 zu Max Reinhardts „Großem Schauspielhaus“ (umgebaut von Hans Poelzig), unter den Nationalsozialisten zum „Theater des Volkes“. Und obwohl der Bühnenraum im Krieg zerstört wurde, spielte man schon im August 1945 wieder als „Varieté der 3000“. Schon zwei Jahre später nannte man sich Friedrichstadtpalast, wurde nach dem Mauerbau das „Zentrum der sozialistischen Unterhaltungskunst“ und der Stolz der Genossen. Einen Neubau ließ sich die DDR Anfang der 80er Jahre 213 Millionen Mark kosten. Das Fernsehen übertrug die Neueröffnung.

Heute im ZDF: Serie „Der Palast“ - Ossis sind desillusioniert, Wessis sind selbsetgerecht

Eine halbstündige Dokumentation im ZDF von Andreas Gräfenstein informiert aus aktuellem Anlass über die Geschichte des größten Revue-Theaters Europas. Der aktuelle Anlass: „Der Palast“, ein TV-Sechsteiler, bei dem Uli Edel Regie führte und der die kommenden drei Abende im ZDF ausgestrahlt wird, nutzt den opulenten Show-Hintergrund, unter anderem die berühmte „Kickline“ aus mehr als 30 präzise die Beine schmeißenden Tänzerinnen. Das „Black Swan“-Motiv der Konkurrentinnen spielt eine Rolle in „Der Palast“, aber eine bescheidene.

Die Geschichte von Rodica Doehnert, Buch, enthält allerdings nicht so ausführliche Tanzszenen, wie man erwarten könnte. Denn im Jahr 1988 bemerkt eine junge Frau aus Bamberg beim Besuch des Friedrichstadtpalastes eine Tänzerin, die ihr mehr als nur ähnlich sieht. Folgt ihr, stellt fest, dass es eine – bisher unbekannte – Zwillingsschwester sein muss. Beide konfrontieren ihre Familien damit, die Wessi Marlene forsch, Ossi Christine zögerlicher. Es entsteht der Plan, auch mal die Identität zu tauschen – denn hey, was kann schon passieren, wenn man sich so ähnlich sieht und über einen BRD-Pass verfügt? Marlene marschiert ins Krankenhaus, wo ihre leibliche Mutter gerade liegt. Chris reist nach Bamberg, um ihren leiblichen Vater kennenzulernen.

So richtig lange geht das im ZDF nicht gut, Angehörige und schließlich wegen der vielen Grenzübertritte auch die Stasi kommen den beiden (gespielt von einer: der auch tänzerisch prima bewanderten Svenja Jung) auf die Schliche. Glücklicherweise ist der Mauerfall nicht mehr fern.

ZDF: „Der Palast“ - die Besetzung

RolleDarsteller:in
Christine Steffen / Marlene WenningerSvenja Jung
Rosa SteffenAnja Kling
Roland WenningerHeino Ferch
Bettina WilkeLuise Befort
Alexander BachmannHannes Wegener
Richard SteffenHermann Beyer
Elisabeth SteffenUrsula Werner
Ulrich KrugMatthias Brenner
Wilhelm WenningerFriedrich von Thun

„Der Palast“ (ZDF): Geschichte spielt vor dem Hintergrund der bröckelnden DDR

Die etwas überdramatisierte Geschichte von den getrennten Zwillingen spielt vor dem Hintergrund der immer schneller bröckelnden DDR und der Desillusionierung der Idealisten. Anja Kling, vor dem Mauerfall selbst aus der DDR geflüchtet, spielt Chris’ Mutter Rosa, die für „nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ glühte – und nun in einer Glühlampen-Fabrik arbeitet. Sogar ihre kommunistischen Eltern – als altes Paar, zuletzt vergnügt „Die Internationale“ summend: Hermann Beyer und Ursula Werner – sehen ihre „demokratische Republik“ mittlerweile kritischer. Und der Intendant des Palasts (gespielt von Matthias Brenner, Ex-Intendant des Neuen Theaters in Halle) möchte seinem Haus nur Luft und Geld verschaffen angesichts von Politgenossen, die die Ideale des Sozialismus in einer neuen Revue getanzt sehen wollen. Wie, das soll nicht gehen?

„Der Palast“

Sechs Folgen: Montag bis Mittwoch, 3., 4. und 5. Januar 2022, 20.15 Uhr, ZDF, und in der ZDF-Mediathek

„Der Palast – Die Dokumentation“: Montag, 3. Januar 2022, 19.25 Uhr, ZDF

Der Friedrichstadtpalast in Berlin spielt zur Zeit zu 2Gplus-Regeln

Auf der anderen Seite stehen reichlich selbstgerechte Westler: Heino Ferch als Firmenchef, der keinen Augenblick daran dachte, mit der Frau, die er liebte, im Osten zu leben. Und der den Vertrag mit dem Außenhandelsministerium der DDR sofort kündigen will, sobald es seinem Betrieb besser geht. Dazu Friedrich von Thun als Marlenes Großvater, der mit denen in der „Zone“ schon gar keine Geschäfte machen würde. Und eigentlich gehört auch Marlene dazu, ein kleiner Besser-Wessi.

Aber wie ein gut erfundener Deus ex machina kommt der Mauerfall. Am schönsten vielleicht die Szene, in der der Maskenbildner während der Vorstellung aus den Kulissen ein Schild hochhält: „DIE MAUER IST OFFEN“. (Sylvia Staude)

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