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Herbert Achternbusch im Film „Heilt Hitler!“ (1985).
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Herbert Achternbusch im Film „Heilt Hitler!“ (1985).

Nachruf auf Herbert Achternbusch

Herbert Achternbusch ist tot: Das wahre Gespenst

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Maverick und Universalkünstler: Zum Tod von Herbert Achternbusch.

Wer sich Herbert Achternbuschs Spott sicher sein wollte, musste ihm nur einen Preis verleihen. Bekannt ist die Antwort des Filmemachers, Poeten und Malers auf den von Hubert Burda gestifteten Petrarca-Preis: Er hat ihn verbrannt. Aber auch in Bielefeld ist man bis heute nicht gut auf ihn zu sprechen. Auf Vorschlag der Kritikerin Frieda Grafe, die ihn gut kannte, hatte man ihm 1996 den renommierten Murnau-Preis zugesprochen. Am verabredeten Tag der Verleihung erschien freilich statt des Geehrten nur ein Artikel von ihm in der „Süddeutschen Zeitung“ – mit wenig Lob über die Stadt in Westfalen. Schon der Wortlaut der Antwortpostkarte hätte stutzig machen müssen: „... ich wollte nie nach Bielefeld kommen – nun scheint’s unvermeidlich zu werden.“

Da hatte Achternbusch allerdings schon einschlägige Erfahrungen mit den Evaluierungsinstanzen des deutschen Kulturbetriebs gemacht. 1983 verweigerte der damalige Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann die Auszahlung der letzten Förderrate für den skandalisierten Film „Das Gespenst“ – eine Entscheidung, die letztinstanzlich erst 1992 gekippt wurde. In der Zwischenzeit aber hatte der Zorn des Ministers über den vom Künstler persönlich verkörperten Jesus, der vom Kreuz herabsteigt, um mit der Oberin eines Klosters als Ober eine Kneipe zu führen, Früchte getragen. Achternbusch wurden Filmförderungen verwehrt, Fernsehanstalten verbannten oder kürzten seine Filme.

Anfang der Woche ist Herbert Achternbusch, wie am Donnerstag zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Freunde meldete, 83-jährig in München verstorben. Doch es wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis sein reiches und komplexes Schaffen endgültig aus dem Schatten dieser Skandale getreten sein wird. In den USA nennt man diesen Künstlertypus, der in keine Schublade passt, „Maverick“. In unserem Sprachraum greift man eher zum volkstümlichen Begriff des Eigenbrötlers.

Wer nur das schwarzweiße „Gespenst“ kennt und seine rohen, ungeschliffenen Bilder, der staunt nicht schlecht über den Maler Achternbusch: In der Kunstgattung, die er an der Nürnberger Akademie studiert hatte, konnte er sein Virtuosentum, auch wenn er gewollt hätte, nicht verleugnen. Er war ein glänzender Kolorist und hatte ein unbestechliches Gefühl für Komposition. Seine Zeichnungen erinnerten manchmal an alt-indische Miniaturen. Als der Hatje-Verlag sein kostbar illustriertes Kinderbuch „Das Buch Arschi“ herausgab, schrieb man auf die Banderole: „Der kleine Prinz der Neunziger?“ Als hätte ein Herbert Achternbusch je etwas Zeitlos-Konsensfähiges erschaffen wollen.

Als Universalbegabung gehört er in eine Reihe mit Jean Cocteau, der vielleicht ein besserer Regisseur war, dafür war Achternbusch der bessere Maler. Aber auch ohne den unkorrumpierbaren Individualismus seiner Filme hätte der Neue Deutsche Film bedeutend schlechter ausgesehen. Und beträchtlich mehr nach Fernsehen. Das krude Spiel und der antinaturalistische Sprechduktus in seinen schrulligen Komödien verbanden sich zu einer Art modernem bayrischen Bauerntheater mit den Mitteln des Kunstkinos von Jean-Marie Straub und Danielle Huillet. Auch wenn Achternbusch selbst vielleicht eher an John Ford dabei gedacht hatte.

Derartige Vergleiche hätte er ohnehin verabscheut, auch wenn er in seinen eigenen Filmartikeln kein Blatt vor den Mund nahm. Einer fällt mir gerade entgegen, als ich „Das Buch Arschi“ aufschlage. Er beginnt mit Sätzen, wie er sie vielleicht auch für den eigenen Nachruf gewählt hätte: „Um gleich das Schlimmste zu sagen: Stanley Kubrick ist tot, ein Filmidiot weniger. Irgendwann habe ich aufgehört, seinen Schmarren anzusehen und zu bewundern. Ebenso erging es mir mit Volker Schlöndorff ... .“

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