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Dietl, aufgenommen am 04.02.1999 in München, starb im Alter von 70 Jahren.

Helmut Dietl gestorben

Zum Tod von Helmut Dietl

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Durch die Fernsehserien "Kir Royal" und "Monaco Franze" ist Helmut Dietl einst bekannt geworden. Wie jetzt bekannt wurde ist der Starregisseur am Montag im Alter von 70 Jahren verstorben.

Das Enorme an der Schickeria von München und gewiss auch anderswo ist nicht, dass sie schick, lässig, reich, eitel, ungebildet, oberflächlich und sogar kleinbürgerlich ist, sondern dass sie sich so redlich Mühe gibt, es zu sein. In seinen Filmen hat Helmut Dietl dem nicht schicken Publikum vor Augen geführt, dass es in der Schickeria von emsigen und höchst engagierten Dummköpfen nur so wimmelt. Was haben wir gelacht. Die Schickeria hat ebenfalls gelacht. Daran zeigt sich fürwahr ein Künstler.

Der Regisseur, Drehbuchautor, Filmemacher Dietl war offenbar ein stilbewusstes Genie in seinem Fach. 1944 in Oberbayern geboren, in München aufgewachsen, studierte er Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte, aber nicht zu Ende. Bereits mit seinen „Münchner Geschichten“, fürs BR-Vorabendprogramm 1974/75, gewann er einen ersten Grimme-Preis. Erfolgreich auch die Serie „Der ganz normale Wahnsinn“, womit der Alltag eines Leserbrief-Beantworters gemeint war.

Seinen Ruhm begründete Dietl in den achtziger Jahren mit den Serien „Monaco Franze“ und „Kir Royal“, die zwar heute die Mode ihrer Jahre bewundern lassen (und wie jung sie alle noch sind!), aber völlig ihrer Zeit enthoben und wirksam wie am ersten Tag sind. Natürlich ist es fabelhaft, einer Boulevardmedienwelt zuzuschauen, die keine digitale Beschleunigung braucht, um hysterisch und skandalös zu sein. Erst als die „Münchner Allgemeine Tageszeitung“ ausgeliefert ist, können die Herausgeberin und die bestürzte Festgesellschaft hineinblättern und lesen, was Baby Schimmerlos eigenmächtig ins Blatt gehoben hat: „Königin Kathi plant Völkermord“.

In Hollywood gefiel es ihm nicht. Aber auch in Deutschland dreht Dietl seit den neunziger Jahren lieber Kinofilme, im Grunde genau so wie die Serien. Was für die Serien spricht (obwohl heute oft davon ausgegangen wird, das US-Fernsehen habe die anständige Serie überhaupt erst erfunden). „Schtonk!“ (1992, oscar-nominiert) persiflierte die Affäre um die gefälschten Hitler-Tagebücher. „Rossini“ (1997) machte sich erneut über die (Münchner) Halbpromiszene lustig. Es ist vermutlich leichter, die bekannten deutschen Film- und Fernsehschauspieler aufzuzählen, die dabei nicht mitspielten (Meret Becker, Edgar Selge, Jan Josef Liefers jedenfalls auch, denn keine Nebenrolle wurde beiseite gelassen). „Late Show“ (1999) mit Thomas Gottschalk und Harald Schmidt zeigte, wie neugierig die Protagonisten der Szene selbst mittaten, wenn Dietl mit dieser ins Gericht ging. Auch hier herrschte eine merkwürdige Einigkeit, an der das Publikum massenweise teilnehmen konnte.

Auch, wenn etwas floppte, passte es gut

Dass anderes übel floppte, namentlich „Zettl“ (2012), eine Geschichte aus der Berliner Polit- und Onlinemedienszene, passt gut zu den Dietl-Figuren, denen Pleiten niemals fremd sind. Dass anderes weniger Interesse fand, etwa „Vom Suchen und Finden der Liebe“ (2005), eine Orpheus-und-Eurydike-Tragikomödie (in Zusammenarbeit mit seinem guten Freund Patrick Süskind), hat womöglich mehr mit den Erwartungen des auf flottes Vergnügen eingestellten Zuschauers zu tun.

Dietl selbst, viermal verheiratet, dreimaliger Vater, ein auffällig gut aussehender, selbstverständlich gut gekleideter Mann, fasste seinen Umgang mit der Arbeit so zusammen: „Die einen kriegen Kinder, die anderen machen Filme. Jeder wehrt sich auf seine Weise gegen den Tod, so gut es geht.“ Als er Ende 2014 den Bambi für sein Lebenswerk bekam, an Lungenkrebs erkrankt, und alle wussten es, zitierte er Schnitzler: „Wir alle spielen, wer es weiß, ist klug.“ Seine Filme zeigen, dass ihm das immer klar war. Wir lachen über Baby Schimmerlos, aber einiges spricht dafür, dass wir keine Ahnung haben.

Im Alter von nur 70 Jahren ist Helmut Dietl am Montag zuhause in München gestorben. (ith)

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