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Helen Dorn im ZDF: „Das rote Tuch“ – Mörder mit Maske

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Von: Harald Keller

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Helen Dorn (Anna Loos) und Weyer (Tristan Seith) stehen hinter einer Absperrung am Tatort in einer aus „Helen Dorn - Das rote Tuch“
Anna Loos spielt die LKA-Kommissarin Helen Dorn im neuen ZDF-Krimi „Das rote Tuch“. © Georges Pauly/dpa

Gegensätze ziehen sich an: Im ZDF-Krimi „Das rote Tuch“ ermittelt die Hamburger LKA-Kommissarin Helen Dorn in der Autonomenszene und unter Immobilienmaklern.

Hamburg – Ein bisschen sonderbar ist sie schon. Noch nicht ganz verhaltensgestört, aber nahe dran. Gerade hat die LKA-Kommissarin Helen Dorn (Anna Loos) der Unternehmergattin Katrin Wagner (Annett Renneberg) die Nachricht vom gewaltsamen Ableben ihres Gatten überbracht und damit auch die unangenehme Mitteilung, dass Ralf Wagner eine Geliebte hatte und sich für seine nebenehelichen Tête-à-Têtes eigens eine kleine Yacht zugelegt hatte. Die Witwe mag es nicht glauben. Dorn wirft ihr wortlos den Mietvertrag für den Bootsanleger auf den Tisch. Taktgefühl geht anders. Ihren Nachnamen hat sie nicht zufällig abbekommen.

Auch dem Geschäftspartner des ermordeten Immobilienmaklers, Thomas Lehmann (Jan Messutat), begegnet sie kühl bis frostig. Kann man verstehen, wenn jemand in das selbstgebraute Herrenparfüm Schießpulver einrührt – „ein Hauch in der Kopfnote“, wie der ölige Bursche erklärt, erfreut darüber, dass mal jemand diese sonst nie erkannte besondere Zutat beim Namen nennen konnte. Fehlt nur noch der Spruch „Ich liebe den Geruch von Schießpulver am frühen Morgen…“ Unverschämt reckt er der Ermittlerin witternd die Nase entgegen. Über deren Eau de Toilette urteilt er: „Frisch. Etwas gewöhnlich.“

Helen Dorn im neuen ZDF-Krimi „Das rote Tuch“: Autonome unter Verdacht

Lehmann macht kein Hehl daraus, dass sein Flirtverhalten nur eine Masche ist. Der notorische Schürzenjäger steht auf deutlich jüngere Frauen, wie sich noch zeigen wird.

Lehmanns Geschäftspartner Wagner ist mitsamt seiner Yacht verbrannt. Zuvor hatte ihm jemand das Genick gebrochen. Die beiden Immobilienhaie gierten nach einem wertvollen Grundstück, auf dem in einem besetzten Haus ein autonomes Zentrum mit dem schönen Namen „Das rote Tuch“ betrieben wird. Die Autonomen, vorneweg Dirk Müller (Florian Lukas), geraten dann auch postwendend unter Verdacht. Wer Autos anzündet, das sagt man ihnen zumindest nach, macht wohl auch vor Booten nicht halt. Friede den Altbauten, Krieg den rollenden und schwimmenden Palästen.

Das Publikum ist dem Ermittlerteam um ein bis zwei Schritte voraus. Es weiß, dass sich Lehmann nicht alleine an Bord befand, und dass ein Maskierter hinter dem Brandanschlag steckt. Er trug die Art von Kluft, die auch die Autonomen bevorzugen. Alles klar also?

RolleDarsteller:in
Helen DornAnna Loos
Richard DornErnst Stötzner
WeyerTristan Seith
Dr. Isabelle AlighieriNagmeh Alaei
Dirk MüllerFlorian Lukas
Jasmin FriedrichsBarbara Prakopenka
Thomas LehmannJan Messutat
Katrin WagnerAnnett Renneberg
Emily MüllerLeonie Wesselow
Nele HenningsLilly Charlotte Dreesen

Helen Dorn prügelt sich im ZDF: Neuer Krimi „Das rote Tuch“

Natürlich nicht. Die Verbindungen und Beziehungen sind sehr viel komplizierter, und diese Erzählstränge entwickelt der Drehbuchautor Andreas Karlström durchgängig recht schlüssig und mit einem hohen Anteil an Binnenspannung. Als Zutat gibt es ein bisschen Action. Helen Dorn prügelt sich mit einer Truppe von Vermummten und schneidet dabei nicht schlecht ab. Auch das Überklettern hoher Gitterzäune bereitet ihr keine Mühe.

Die Wirkung des Ganzen verdankt sich einem ausgewogenen Verhältnis von Friedemann Fromms subtiler Schauspielerregie und einer überlegten Kameraarbeit. Dynamische Situationen begleitet Bildgestalter Ralf Noack mit einer bewegten Kamera, in Dialogszenen bringt er sie zur Ruhe.

Kinetisch umgesetzt: Neuer Helen Dorn-Krimi „Das rote Tuch“ im ZDF

Nicht in der Form einer schlichten Schuss-Gegenschuss-Routine. Kunstvoll spielt Noack mit dem Goldenen Schnitt, setzt relevante Details durch Diagonalen in Beziehung, nimmt Personen im angeschnittenen Profil auf. Die Einstellungen sind meist lang genug, um diese filmische Semantik wahrzunehmen und zu deuten. Die Bilder sprechen für sich, brauchen oft keine verbale Ergänzung. Kinetisch gedacht und umgesetzt. Und das passt ja gut zu der wortkargen Titelfigur. (Harald Keller)

„Helen Dorn: Das rote Tuch“

Samstag, 12.3.2022, 20:15 Uhr, ZDF

Zuvor konnten die Helen Dorn-Krimis im ZDF mit verblüffenden Wendungen punkten – und mit einigen Opfern.

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