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War er?s? Kann er?s überhaupt gewesen sein? Die Ermittler lassen sich erst einmal erklären, wie der Workbot funktioniert.

"Tatort: Tiere der Großstadt", ARD

Heiliges Wesen, künstliche Intelligenz

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Der Berlin-Tatort beschäftigt sich mit der Frage, ob ein Roboter zum Mörder werden kann.

Was kann ich für dich tun, Robert?“, fragt das Assistenzcomputerchen. Oder es sagt: „Du brauchst Vitamine, Robert. Ich mach dir was Schönes.“ Und am unglaubwürdigsten an diesem neuen Berlin-Tatort, in dem es um verdächtige Maschinen – einen dienstbaren Roboter, der Kaffee herstellt – und durch die Stadt huschende Wildtiere geht, ist sicherlich: Robert Karow, Mark Waschke, wie immer fast durchgängig schlecht gelaunt, schmeißt das Dingelchen, das ihn so blöd von der Seite anredet, nicht an die Wand. Irgendwann dreht er es um, damit es ihn nicht mehr „sehen“ kann. Später dreht er es wieder zurück. Wer das glauben mag …

Doch wenn harte Ermittler jetzt schon klugscheißerische Sprachassistenten fürs Smart Home im Flur oder wo auch immer rumstehen haben, dann ist es im von Beate Langmaack geschriebenen, von Roland Suso Richter gedrehten Tatort fast ein zwingender Schritt, einen Roboter auch größerer, schrecklicherer Taten zu verdächtigen. Eines Mordes mittels einer Barista-Nadel zum Beispiel. 

Können Roboter morden?

In einem Büdchen am Ku’damm braut und verkauft eine Maschine, ein sogenannter Workerbot, 24 Stunden am Tag Kaffee; die Besitzer, ein Ehepaar, haben indessen Zeit, zum Beispiel Angorakatzen zu züchten. Doch dann ist der Mann tot. Mausetot im stillen nächtlichen Kaffeekiosk. Drei widerliche junge Leute – die Sonntagabendkrimis bieten in letzter Zeit eine Menge davon auf, in den Varianten rechtsradikal oder einfach hohl – machen zuerst ein Selfie mit dem Toten, der neben dem Roboter seltsam eingeklemmt ist, rufen dann offenbar doch die Polizei. Carolyn Genzkow als Kommissarsanwärterin Anna Feil muss ihre Aussagen aufnehmen und möchte sich wohl am liebsten übergeben. Karow legt sich indessen fest: „Roboter können kein Mörder sein.“ 

Nun heißt dieser Krimi aber nicht „KI in der Großstadt“ – „KI“ ist übrigens demnächst ein BR-Tatort –, sondern „Tiere der Großstadt“. Und in der Tat kommt bald die Natur ins Spiel, kreuzt noch im Vorspann eine Wildschwein-Rotte eine Berliner Straße, flattern Tauben, huscht ein Fuchs ums Eck. Und entzückt sich eine Bloggerin (herrlich exaltiert: Stephanie Stappenbeck) über das Erwachen der Natur (das „heilige Wesen“, juchzt sie) im Wald – bis eine Tote im Kameraausschnitt auftaucht. Ihr Mann präsentiert ein Alibi, das mit den in der Schließanlage seines Bäckerladens gespeicherten Daten zu tun hat; also auch irgendwie mit einem (unbestechlichen) Computer. Während man sich allemal denken kann, dass so ein Workbot nur gleichsam aus Versehen oder unter dem Einfluss eines programmierenden Menschen töten kann (noch jedenfalls), macht das – fast möchte man sagen: liebevolle – Drumherum dieser Geschichte Freude. 

Karows interessante Geduld mit einem alten Mann, der angibt, nachts etwas gesehen zu haben. Rubins plötzlicher Heulanfall, weil es ihr immer schwerer fällt, Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen. Anna Feils resolute Rebellion: Nein, sie geht nachts nicht nochmal auf Zeugensuche und lässt sich dumm anmachen. Dazu märchenhafte Bilder von Wildtieren in der Stadt. Und vom Ausflug in den Wald zu Bloggerin Charlie, die den beiden Ermittlern am Ende der Befragung je ein paar in eine Blechdose gepflanzte Schneeglöckchen überreicht. Dass Karow sie wenig später auf den Asphalt kippt, werden wir ihm freilich nicht verzeihen. 

„Tatort: Tiere der Großstadt“: ARD, So., 20.15 Uhr. 

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