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Heiliges Wäldle

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Im Berlinale Dining Club hält Festival-Chef  Dieter Kosslick persönlich Hof.
Im Berlinale Dining Club hält Festival-Chef Dieter Kosslick persönlich Hof. © dapd

Beim „Tree Raising Dinner“ spendeten handverlesene Gäste für die Bäume Berlins.

Von Andreas Kurtz

In-Lokale sind ja so was von out! Wer während der Berlinale echte Wichtigkeit beweisen will, der verabschiedet sich nicht in Richtung Borchardt, Vox, Pauly Saal oder Grill Royal. Nur die Einladung in den „Berlinale Dining Club“ ist der ultimative Status-Turbo.

Tische im Kaisersaal, der auch dieses Jahr wieder den Dining Club der Filmfestspiele beherbergt, können nicht einfach so gebucht werden. Hier hält König Dieter Hof und nur mit der Einladung von Berlinale-Boss Kosslick öffnet sich die Tür. In diesen Genuss kommen die Stars der Wettbewerbsfilme und die Sponsoren.

Spenden für Holy Wood - den "heiligen Wald"

Am Mittwochabend lud Kosslick zusammen mit den Geschäftsführern der gemeinnützigen GmbH Holy Wood (kein Schreibfehler, sondern ein launiges Wortspiel) zum „Tree Raising Dinner“, bei dem möglichst viel Geld für Straßenbäume in Berlin gesammelt werden sollte. Die Idee des Abends ist simpel: An immer mehr Stellen in Berlin gilt der alte Alexandra-Schlager „Mein Freund, der Baum, ist tot“ – und den zuständigen Grünflächenämtern fehlt das Geld, um für Ersatz zu sorgen. Aktuell sind fast 4300 Stellen in der Stadt dokumentiert, an denen ein Straßenbaum ersetzt werden muss. Der Bund für Umwelt und Naturschutz spricht sogar davon, dass in der Bundeshauptstadt rund 10?000 Straßenbäume fehlen.

Für 93 war – Stand Mittwoch – durch Holy Wood Ersatz finanziert. Spendenquittungen können ausgestellt werden. Und die Spender dürfen sogar bestimmen, welche der Pflanzstellen in ihrer Umgebung einen neuen Baum bekommen soll. Bei Bedarf auch gern mit einer Plakette, die auf den Spender hinweist.

Als Tischredner für ihr Dinner hatten die Gastgeber den Aktionskünstler Ben Wagin gewonnen, den Gründer des Parlaments der Bäume. Unter den Gästen sollten die Schauspieler Meret Becker, Christian Berkel, Andrea Sawatzki und Nadine Warmuth, Filmproduzent Artur Brauner und CDU-Politikerin Monika Griefahn sein.

Hannes Jaenicke auf Krücken

Auch Schauspieler Hannes Jaenicke wollte sich an seinen beiden Krücken in den Kaisersaal schleppen. Wer ihn dieser Tage auf die Gehhilfen und seine Knieverletzung ansprach und dabei die Vermutung äußerte, dass es sich wohl um einen Sportunfall handele, der erfuhr von ihm: „Nein, Zweirad!“

Schauspieler treten traditionell bei solchen Veranstaltungen nicht als große Spender in Erscheinung, sondern dienen eher dekorativen Zwecken. Deshalb war es von den Gastgebern sehr geschickt, auch solvente Gäste einzuladen, die sich den ein oder anderen Baum leisten können, wenn sie denn wollen.

Der mit Abstand reichste Mann im Kaisersaal sollte der Industrielle Arend Oetker (Schwartau-Marmelade, Reederei TT-Linie) sein: einer der besonders aktiven Kunstsammler unserer Zeit.

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