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Leslie Rodgers (Jennifer Lopez) flüchtet sich in die Arme von Parker (Jason Statham).

„Parker“

Heilige Gewalt

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Jason Statham paart sich in Taylor Hackfords Actionthriller „Parker“ mit Jennifer Lopez - und beweist mal wieder, dass er zu den brutalsten Prügelknaben im gegenwärtigen Mainstream-Kino gehört.

Es gibt keinen besseren Ort für die Auferstehung eines Helden als das Krankenhaus. Am besten in der Intensivstation. Denn wer hier landet, ist beinahe schon am Ende und muss, um hier wieder fort zu kommen, entweder Glück haben oder über einen starken Willen verfügen. Oder beides. So wie Parker, der eines Tages in einem weißen Raum voller intensivmedizinischer Geräte aufwacht: Vollkommen derangiert, voller Wunden und Blut. Aber der Mann ist zäh; humpelnd und keuchend flieht er das Spital und arbeitet sich in die erste Gauner- und Prügelliga hoch.

Was für ein Aufstieg! Taylor Hackfords Action-Film „Parker“ erzählt uns die Genese eines Helden. Alles beginnt mit einer moralischen Grundordnung, in der Gut und Böse klar verteilt sind. Ganz einfach: Zum einen ist der von Jason Statham gespielte Parker von Berufs wegen zwar ein Dieb, aber er beklaut nur die Reichen und beschenkt dafür die Armen; zum anderen ist dieser Mann mit dem löblichen Berufsethos von seinen Kumpels, einer Bande von skrupellosen Schwerverbrechern, krankenhausreif geschlagen worden. Ja, die Bösewichte wollten ihn sogar umbringen.

Mann will Rache

In moralischer Hinsicht ist Parker also zweifach gerechtfertigt für das, was nun kommt: ein fürchterlicher Rachefeldzug. Taylor Hackford dürften allerdings Zweifel gekommen sein, ob diese Rechtfertigung wirklich ausreicht, denn Jason Statham gehört zu den brutalsten Prügelknaben im gegenwärtigen Mainstream-Kino. Niemand beherrscht die Kunst des ansatzlosen, blitzschnellen und effektiven Zuschlagens so wie er: Rede nicht lange herum, triff den anderen, bevor er dich trifft – am besten dort, wo es wirklich weh tut oder gleich tödlich ist. Und sehe dabei noch unverschämt gut aus.

Der ästhetische Ertrag ist enorm, denn Stathams wie immer sehr gut choreografierte Schlägereien sorgen für unterhaltsame Dauerspannung. Aber lässt sich, um die Frage wieder aufzunehmen, dergleichen Brutalität noch rechtfertigen, moralisch oder ästhetisch? Genau hier bringt der Regisseur Hackford ein starkes Argument ins Spiel: Jennifer Lopez. Sie mimt die frustrierte Maklerin Leslie Rogers, die im sonnigen Palm Beach Edelimmobilien an superreiche Schnösel verkauft und – rein zufällig – Parker kennenlernt, der hier seinen ehemaligen Verbrecherkollegen auf der Spur ist.

Alles kommt auf Parker an

Die nämlich planen in der Metropole der Milliardäre einen großen Juwelenraub. Parker will ihnen die Beute abspenstig machen und findet in Leslie eine nur zu hilfsbereite, in ihn schon halb verliebte Gefährtin, die sich überdies ein aufregenderes und anständigeres Leben erhofft. Taylor Hackford will uns allerdings gar nicht erzählen, dass eine Lebenskrise wie die von Leslie mit einem moralisch gerechtfertigten Diebstahl gelöst werden kann. Vielmehr konstruiert der Regisseur einen doppelten Widerspruch und löst alle seine Probleme auf einmal.

Dabei kommt alles auf Parker an, das heißt auf den blutenden, den verletzbaren und schlagenden, also den expressiv körperlichen Mann. Denn Parker stellt seine Körperlichkeit ganz in den Dienst seines Rachefeldzuges und entsagt dabei allen sexuellen Begehrlichkeiten, insbesondere Leslie gegenüber. Diese Askese promoviert ihn zum Heiligen, da es ihm offenbar nur um die gerechte Sache und nicht ums persönliche Vergnügen geht. Ein Heiliger aber ist immer gerechtfertigt, er darf alles, vor allem darf er exzessiv Gewalt üben.

Zu dem einen Widerspruch, der körperliche, aber asexuelle Mann, gesellt sich ein zweiter, die sexuelle, aber unkörperliche Frau: Leslie nämlich, die sich inständig einen neuen Lebenspartner ersehnt, bleibt trotz der expressiven Weiblichkeit von Jennifer Lopez ein vollkommen unwirkliches und unberührbares Abstraktum. Etwas weniger freundlich ließe sich auch sagen, schauspielerisch überzeugt Lopez mal wieder nicht. Ironischerweise macht sie aber genau dieses Unvermögen zu einer perfekten Erfüllungsgehilfin für die von Jason Statham mit viel jungenhafter Freude ausgespielte Gewalt.

Parker USA 2012. Regie: Taylor Hackford, Darsteller: Jason Statham, Jennifer Lopez, Nick Nolte u. a.; 118 Minuten, Farbe. FSK ab 16. Ab morgen im Kino.

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