+
Die Moderatoren Thomas Gottschalk (l-r), Barbara Schöneberger, Frank Elstner, Michelle Hunziker und Günther Jauch.

"Top, die Wette gilt!"

Hauptsache lustig

  • schließen

Moderator Frank Elstner wird demnächst 75. Die ARD hat ihm vorab ein Familientreffen der deutschen Fernsehunterhaltung geschenkt.

Wenn Eltern in den Fotoalben ihrer Jugend blättern, sind die Kinder meist nur mäßig interessiert. So ähnlich müssen sich junge Zuschauer gefühlt haben, wenn sie zufällig auf diese Gala zu Ehren von Frank Elstner gestoßen sind: Ein Dutzend Damen und Herren, größtenteils betagt, feierte das Fernsehen von gestern, und vor den Bildschirmen haben Paare, die keinen Deut jünger sind, Sätze gesagt wie „Ist der alt geworden“ oder „Ich wusste gar nicht, dass der noch lebt“.

Auch diese Zeitgenossen aber werden den einen oder anderen nostalgischen Moment erlebt haben, schließlich lässt sich kaum ein Medium so gut mit der eigenen Biografie verknüpfen wie das Fernsehen. Weil Elstners TV-Karriere 1969 mit den späteren „Montagsmalern“ begonnen hat, war „Top, die Wette gilt!“ im Grunde nur für ein Publikum um die sechzig (und älter) von vorn bis hinten ein Genuss; da trifft es sich gut, dass dies exakt der Altersdurchschnitt des ersten Programms ist.

Elstner wird demnächst 75, und die ARD hat ihn aus diesem Anlass mit einer Gala geehrt. Das ZDF hat dem Formaterfinder mit „Wetten, dass..?“ zwar die erfolgreichste Show Europas zu verdanken, aber für die ARD hat er viel mehr Sendungen moderiert. Also hat der NDR kurzerhand ein Familientreffen der deutschen Fernsehunterhaltung veranstaltet, bei dem es anders als im wahren Leben ausgesprochen gesittet und höflich zuging.

Dieter Hallervorden machte einen Kniefall und pries den Jubilar als „Seele von Mensch“, Thomas Gottschalk versicherte, es gebe „keinen feineren und netteren Kollegen im deutschen Fernsehen“, und Günther Jauch, der die Gala mit seiner Firma I & U TV auch produziert hat, lobte, Elstner rufe nicht an, wenn man ganz oben sei, sondern melde sich, wenn man Trost brauche. Alain Delon war auch da, fühlte sich jedoch sichtlich wie auf einer Party, bei der er niemanden kannte; er durfte dann auch früher gehen.

Thomas Gottschalk gab zwar das Motto „Hauptsache lustig“ aus, wirkte mit seinen dauerhaft verschränkten Armen aber ebenfalls seltsam desinteressiert. Er musste trotzdem bis zum Schluss bleiben, schließlich hat zumindest Gastgeber Kai Pflaume, der Elstner anfangs wie den Opa aus dem Seniorenheim betüttelte, den Abba-Auftritt des Quartetts Gottschalk, Jauch, Michelle Hunziker und Barbara Schöneberger als Höhepunkt des Abends empfunden.

Die gegenseitige Beweihräucherung war jedoch nur ein Nebeneffekt der Show, denn in erster Linie war „Top, die Wette gilt“ ein verklärter Rückblick auf jene Jahre, als ARD und ZDF mühelos zweistellige Zahlen erzielten, und zwar nicht in Prozent, sondern in Millionen, weil es noch keine kommerzielle Konkurrenz gab; vom Internet ganz zu schweigen.

Der Reihe nach rief Pflaume Elstners größte Erfolge auf. Die Gäste durften die ihrer Ansicht nach schönsten Ausschnitte aus „Wetten, dass..?“, „Verstehen Sie Spaß?“, „Das unglaubliche Quiz der Tiere“ oder den diversen Gesprächssendungen präsentieren. Aus der Reihe fielen allein Joachim Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, allerdings nur altersmäßig. Elstner attestierte dem Duo:

Wenn es jemandem gelingen sollte, noch mal einen Knüller wie „Wetten, dass..?“ zu kreieren, dann ihnen. Die beiden bedankten sich artig; auch dafür, ausnahmsweise länger aufbleiben zu dürfen. Gespielt wurde ebenfalls: Als Reminiszenz an die Baggerklassiker aus „Wetten, dass..?“ gab es eine Baggerwette, und unter großem Hallo traf sich die Runde zu einer Runde „Montagsmaler“. Später mussten sich Joko & Klaas und Bernhard Hoëcker in Wettbewerben mit einstigen Wettkandidaten antreten, aber das war bei weitem nicht so lustig wie das Fiebermessen mit Hunziker und Schöneberger.

Aus einer Ausgabe der „Montagsmaler“ stammte auch ein Fauxpas, den Elstner als Tiefpunkt seiner Laufbahn bezeichnete: Als Roberto Blanco im Eifer des Gefechts ein wenig aus dem Ruder lief, drohte der Moderator, er müsse zurück in den Busch. So etwas wäre heute, war sich die Runde einig, gleichbedeutend mit dem Karriereende.

Zu den großen Momenten neben Elstners sichtbarer Rührung gleich zu Beginn gehörte ein nostalgisches Erlebnis ganz anderer Art: Wolfgang Lippert, Nachfolger und Vorgänger von Gottschalk bei „Wetten, dass..?“, erinnerte sich, wie Elstner ihn Monate vor dem Mauerfall im Frühjahr 1989 in seine ZDF-Show „Nase vorn“ eingeladen hatte. Warum die SED damals gerade auf das ZDF nicht gut zu sprechen war und dem Star des Fernsehens der DDR den Auftritt offiziell nie erlaubt hätte, erzählte er leider nicht.

Das letzte Wort hatte Elstner, der seinem Freund Pflaume wünschte, dass er „Top, die Wette gilt!“ nun regelmäßig moderieren darf. Das kann er gern machen, der Abend war kurzweilig und unterhaltsam; es muss ja nicht immer vier Stunden dauern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion