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Familie Bürger sitzt endgültig fest

Tatort, ARD

Er hat’s seinem Sohn versprochen

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Der Dresden-Tatort erzählt von einem leidenschaftlichen Familienvater.

Der neue Dresden-Tatort steht und fällt damit, ob man Max Riemelt den Mann abnimmt, der alles für seinen Sohn tun würde und gerade darum in eine Geiselnahme schliddert. Der kein Schlechter zu sein scheint, aber einer, der sich durchwurstelt, auch mit Gaunereien, der außerdem schnell die Nerven verliert und also imstande ist, panisch mit einer Waffe in einem Heim für Jugendliche rumzufuchteln und die nette Heimleiterin als Geisel zu nehmen. Louis Bürger, Riemelt, war schon mal im Gefängnis, er hat seinem Sohn Tim (Claude Heinrich), zwölf, ganz fest versprochen, dass sein Papa nicht noch einmal was Dummes macht. Aber er macht halt gleich wieder was Dummes.

Man möchte diesen Mann also schütteln und sagen: Denk nach, ehe du ein Moped klaust, um deiner Frau zum Geburtstag eine Spritztour-Freude zu machen. Denk mindestens dreimal nach, ehe du als Verdächtiger an einem Mord fliehst (die Kommissarinnen Gorniak und Winkler arbeiten doch brav an der Aufklärung, und ihnen kann man trauen). Aber Louis ist halt der Typ, der alles immer schlimmer macht, und Riemelt spielt ihn gut. Katia Fellin ist als Anna Bürger zwischendurch ungeheuer vernünftig – eigentlich versteht man nicht, warum der Junge nicht bei ihr, sondern im Heim lebt –, aber dann befreit sie ihren in U-Haft sitzenden Louis und findet die Idee gut, ins sonnige Kroatien, ans Meer zu fliehen und dort neu anzufangen. Nicht ohne das Kind natürlich. Louis’ irgendwie vertraute Devise: „Wir schaffen das.“

Manches Detail nehmen Stefanie Veith und Michael Comtesse, Buch, lässig, zum Beispiel die Frage, woher Louis so schnell die mehrfach von ihm erwähnten falschen Pässe herhaben will. Auch müssen sie und Regisseur Stephan Lacant zuletzt die Auflösung arg übers Knie brechen, um sich so sehr auf die Geiselnahme konzentrieren zu können, wie sie das tun. Bisweilen wird der Zuschauerin die Zeit etwas lang.

Denn dem Krimi-Schema-F entkommt man nicht, oder jedenfalls nur teilweise. Das SEK rückt zum Beispiel an, aber die Sache retten müssen Gorniak und Winkler, Karin Hanczewski und Cornelia Gröschel. Plus Chef Schnabel, Martin Brambach, der in einer grausigen Sommerhitze haarige Entscheidungen zu treffen hat, aber offenbar auch Zeit, im Hintergrund weiterzuermitteln (deswegen geht’s am Ende so schnell).

„Die Zeit ist gekommen“ (vernünftig zu werden? nach Kroatien zu düsen?) erzählt auf der anderen Seite sympathisch und ab und zu auch originell von einem Familienmenschen, der die Dinge und vor allem sich selbst nicht auf die Reihe kriegt. Der anderen eine Freude machen will – und wenn er das Geld dafür nicht hat, dann klaut er halt und hält sich nur für einen Lausbuben.

„Tatort: Die Zeit ist gekommen“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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