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Biker Groll (Aurel Manthei, vorne) in Todesangst.
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Biker Groll (Aurel Manthei, vorne) in Todesangst.

TV-Kritik

„Harter Brocken: Der Waffendeal“ (ARD): Die Jungs sind wieder in der Stadt

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Der Dorfsheriff und die Söhne der Anarchie: Im sechsten Film der Reihe „Harter Brocken“ im Ersten geht es düster zu.

Es ist kein Hirsch, der da röhrt. Hier schnarcht der Dorfsheriff. Der Morgen bricht an in den Harzer Wäldern. Förster Heiko (Sebastian Weiss) erwacht als erster, umstellt von einer Batterie leerer Flaschen. Gemeinsam mit dem Dorfpolizisten Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) hatte er den Ausstand aus der Ehe gefeiert – ein Gegenstück zum Junggesellenabschied, wenn man so will –, beide haben die Nacht auf einem Hochsitz verbracht. Fast hätte Heiko den Termin beim Standesamt verschlafen. Eilig macht er sich davon und gerät unterwegs überraschend an eine Handvoll Rocker von der Gruppe der Blutadler, die gerade den vermeintlichen Spitzel Bert Groll (Aurel Manthei) hinrichten wollen. Der unerschrockene Heiko hat sein Gewehr dabei und greift ein. Die Scheidung wird nie vollzogen werden.

„Harter Brocken: Der Waffendeal“ (ARD): Verdächtige Heimkehr

Andy Blome (Nicki von Tempelhoff) ist der Präsident der Rocker und wie der örtliche Dienststellenleiter Koops in St. Andreasberg aufgewachsen. Damals haben sie Mofas frisiert. Noch immer motzt Blome Zweiräder auf, aber die haben ein paar mehr kW. Und sein Taschengeld verdient er inzwischen mit dunklen Geschäften.

Frank Koops ist nach dem ersten Wiedersehen in „Harter Brocken: Der Waffendeal“ (ARD) klar, dass der Kuttenträger nicht aus nostalgischen Gründen zurückgekehrt ist, zumal Heiko verschwunden bleibt und Blome in dem Waldstück angetroffen wurde, das der Forstwart auf dem Heimweg durchquert haben muss.

Fortan belauern sich die früheren Kumpel. Auch Heiner Kelzenberg (Moritz Führmann), Postbote und bei Bedarf eine Art Hilfssheriff, kommt ins Spiel, obwohl dessen Gedanken kaum einmal von seiner Freundin Mette Vogt (Anna Fischer) abzubringen sind. Mettes Schwangerschaft veranlasst Heiner zu exzessiver Überfürsorge, womit er Mettes Nervenkostüm erheblich strapaziert. Für die junge Polizistin aus dem benachbarten Braunlage mehr Be- als Entlastung.

Das Erste zeigt „Harter Brocken: Der Waffendeal“: jäher Einbruch von Gewalt

Die Ereignisse in „Harter Brocken: Der Waffendeal“ (ARD) überstürzen sich in einem Maße, dass Koops nicht einmal zum Specksteinschnitzen kommt, einem Hobby, dem er in gemütlicheren Zeiten frönt. Ansonsten treffen die Fans der Reihe auf manch Vertrautes. Der Stoiker Koops bekommt wie immer auf den Schädel, und er wird sträflich unterschätzt. Ein Beau ist er nicht gerade, und wenn er elegant über einen Zaun flanken möchte, bricht der prompt unter ihm zusammen. Zuschauer ohne Vorkenntnisse müssen denken, der immer etwas träge wirkende Uniformträger sei mit der jäh über die Harzidylle hereinbrechenden Gewaltkriminalität überfordert. Sollen sie ruhig …

„Der Waffendeal“ ist der sechste Film der Reihe „Harter Brocken“ (ARD), die von Holger Karsten Schmidt ersonnen wurde. Schmidt schrieb bislang alle Bücher der ARD-Reihe, jetzt übernahmen erstmals Anke Winschewski und Niels Holle diese Aufgabe. Niels Holle ist mit Schmidts Handschrift schon vertraut, beide schreiben im Wechsel die Reihe „Nord bei Nordwest“. Bemerkenswert und erfreulich, dass die beiden Autoren nicht jeden Handlungsfaden mit einem aufgesetzten Happyend versehen. Eine sinistre Note, die der Reihe „Harter Brocken“ gut bekommt.

„Harter Brocken: Der Waffendeal“ (ARD): Brüder in Lederkluft

Wie meist, gibt es ein munteres Spiel mit Identitäten und Maskeraden. So erweist sich der anfangs todgeweihte Bert Groll als unschuldig. Wer aber ist dann der Maulwurf bei den Blutadlern? Ein Hauch von „Sons of Anarchy“ weht durch St. Andreasberg. Die Rocker werden nicht, wie in simpel gestrickten Western, als aus der Fremde einreitende Plage hingestellt. Vielmehr gibt es innerhalb des Chapters spannende gruppendynamische Prozesse, Brüderschaft, Freundschaft und Misstrauen, Loyalitätskonflikte, ansatzweise sogar Skrupel. Nicki von Tempelhoff gibt einen vortrefflichen „Clay“ ab – im Original gespielt von Ron Perlman –, Kim Riedle macht sich gut als an Gewissensbissen nicht kränkelnde „Gemma“ (Katey Sagal).

Teils liegt dichter Nebel über den Harzer Wipfeln. Die Sonne hat sich verzogen. Passend dazu reduziert Regisseur Markus Sehr die Farbkraft in „Harter Brocken: Der Waffendeal“ (ARD) in Richtung blass und düster. Das Stammpersonal pflegt eine Kauzigkeit, die manchmal nur knapp vor der Albernheit Halt macht. Heiner, der Postbote, ist zuweilen nah dran an der Karikatur. Ihm ist eine gewisse Begriffsstutzigkeit eigen, die ihn aber auch ans Ziel bringt und für Mette liebenswert macht.

Zur Sendung

„Harter Brocken: Der Waffendeal“, Samstag, 15.05.2021, 20:15 Uhr, ARD - und bereits in der ARD-Mediathek.

Heftiges Stirnrunzeln wird ausgelöst, wenn die Rocker Frank Koops für tot halten und der deutlich sichtbar vor deren Hauptquartier hinter einer großen Windschutzscheibe observiert und wenig später kaum übersehbar den Kopf über eine Hecke hebt. Da wird den Blutadlern eine Dumpfbackigkeit unterstellt, die sich nicht zur Vorgeschichte fügt. Es hätte sich sicher eine elegantere Lösung finden lassen.

Zum Abschied erklingt in „Harter Brocken: Der Waffendeal“ (ARD) Lizzys „The Boys Are Back in Town“. Und Frank Koops kommt noch einmal richtig in Bewegung. (Harald Keller) Senta Berger wird 80: Von Schönheit zu Schönheit

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