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„Hart aber fair“ (ARD): Verzweifelte Bäckerin mit Hilferuf - „Brot wird zum Luxusprodukt“

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Von: Teresa Vena

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„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg vom 12. September 2022.
„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg vom 12. September 2022. © Screenshot ARD

Bei Frank Plasberg (ARD) geht es um die Frage: Zu teures Gas, zu wenig Strom – Muss die Atomkraft doch länger laufen?

Berlin – In Frank Plasbergs „Hart aber fair“-Sendung vom 12. September 2022 ging es hektisch hin und her. Am Ende verabschiedete sich der Moderator von seinen Gästen in der ARD mit „Danke für diese energiereiche Diskussion“ und traf den Nagel auf den Kopf. Die Anwesenden waren Tarek Al-Wazir, hessischer Wirtschaftsminister und B‘90/Grüne-Politiker, Ökonom Prof. Dr. Stefan Kooths, Wirtschaftsjournalist Hermann-Josef Tenhagen, Gitta Connemann, CDU-Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, MIT, sowie Caterina Künne, Inhaberin einer Bäckerei-Kette in Hannover. Das Thema, das die Gemüter anheizte, war die Steigerung der Energiekosten.

Recht viel Raum erhielt dabei Künne für ihre wenig optimistischen Schilderungen über die Zukunft ihres Unternehmens. Die ausgebildete Lehrerin konnte nämlich berichten, dass sich die Energiekosten für ihre familiengeführte Bäckerei-Kette ab dem nächsten Januar um ein Zehnfaches erhöhen würden. „Mir wird extrem schwer ums Herz“, sagte Künne, das bedrohe ihre Existenz, denn die Mehrkosten könne sie nicht an die Kunden weiterreichen. Die Preise für die Backwaren hätten sich schon erhöht, doch „wir haben viele Stammkunden, die sagen, dass sie es sich nicht mehr leisten können“, erklärte sie. Das Brot werde auf diese Weise zum Luxusprodukt, „wir wollen aber Grundversorger bleiben“, ergänzte sie und fügte bei „Hart aber fair“ in der ARD zudem ziemlich verzweifelt hinzu: „Ich habe keine Antwort und von der Politik bekomme ich auch keine.“

„Hart aber fair“ (ARD): Regierung der CDU führte Deutschland in Energiekrise

Während der Sendung bei Frank Plasberg sollte sie dann auch keine bekommen. Die Runde verlor sich immer wieder in gegenseitigen Vorwürfen, wobei die heftigste Auseinandersetzung insbesondere zwischen den beiden Politikern Al-Wazir und Connemann stattfand. Al-Wazir kam immer wieder darauf zurück, dass die ehemalige Regierung unter der CDU, zu der Connemann gehörte, Deutschland überhaupt erst in diese verheerende Energiekrise geführt habe, da sie das Ausbremsen der Klimawende verschulde. „Ich finde es unfair“, sagte er, dass die aktuelle Regierung derart angegangen werde, während sie „in den letzten 6 Monaten mehr repariert hat, als die anderen in den zehn Jahren davor“. Da sei es ein Leichtes, meinte Al-Wazir recht pampig weiter, jetzt so tun, als habe man „die Weisheit mit Löffeln gefressen“.

Abgesehen von den wenig zielführenden Zankereien zwischen Al-Wazir und Connemann unterhielt man sich über die möglichen konkreten Maßnahmen, die als Entlastung für die Bevölkerung und die Industrie von der Regierung aus unternommen werden könnten. Bevor es um die geplante Strompreisbremse in Deutschland ging, machte Wirtschaftsjournalist Hermann-Josef Tenhagen deutlich, wie sich die Lage zwischen Wirtschaftsunternehmen und Privathaushalten unterscheidet. Die Erhöhungen betreffen die Betriebe massiver, da sie bisher Strom und Gas preiswerter bekommen hätten, „jetzt müssen sie Marktpreise zahlen“, sagte er. Und er machte bei „Hart aber fair“ in der ARD auf die Dringlichkeit der Situation aufmerksam: „Es gibt Branchen, da müssen Lösungen her, sonst geht die Hälfte ein.“

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: Gasumlage müsse gestoppt werden

Bäckereiinhaberin Künne konnte dem nur zustimmen. Zudem wies sie darauf hin, dass eine Strompreisbremse ihr nicht viel bringe, da die Kosten für Gas höher seien. Der Unterschied zwischen Strom und Gas sei, erklärte Al-Wazir, dass bei Strom der Übergewinn der Händler vom Staat abgeschöpft und dieser an die Konsumenten weitergereicht werden könne. Bei Gas verhalte es sich anders. Die Händler verbuchten da eher Verluste, hier gewännen die Produzenten, aber das sei nicht gleich einfach abzufangen. Trotzdem sei die Regierung aber in der Bringschuld, meinte Connemann, „die Gasumlage muss gestoppt werden, das kann bei den Betrieben entscheidend sein.“ Darüber hinaus müsse man an das Problem „strukturell herangehen“, sagte sie bei Frank Plasberg in der ARD und verteidigte die Gaspreisdeckel-Idee der CDU.

Sie konnte das kaum aussprechen und wurde dann nicht nur von Al-Wazir, sondern auch von Tenhagen in ihren Ausführungen mehrfach unterbrochen, mit der ungläubigen, schon fast hämischen Frage „Wer soll das denn bezahlen?“ Connemanns Antwort war einfach: der Staat, durch die Haushaltsmittel. „Der Staat gewinnt durch die Inflation“, sagte sie. Das müsse er an die Verbraucher weitergeben. Für den Ökonomen Prof. Dr. Stefan Kooths ist dies zu kurz gedacht. Man dürfe nicht den Fehler machen und glauben, dass es so komme wie während der Corona-Pandemie. Es sei nicht sicher, ob man mit den gleichen Wirtschaftsstrukturen weitermachen könne. Die Preise würden sich zwar irgendwann normalisieren, doch auf einem neuen, höheren Niveau bleiben, gab er zu bedenken. Da sei es die Aufgabe des Staats, eine Überbrückungsstrategie für die nächsten fünf Jahre zu entwickeln, forderte er bei „Hart aber fair“ in der ARD.

Zur Sendung

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg. Die Sendung vom 12. September 2022, 21.15 Uhr in der ARD-Meditahek

„Hart aber fair“ (ARD): Versorgung mit erneuerbaren Energien notwendig

Angesichts dieses Gedankens erschien der ganze Streit, der zuvor zwischen den Anwesenden in Bezug auf die Möglichkeit geführt worden war, drei der noch aktiven Atomkraftwerke, die auf Ende Jahr abgeschaltet werden sollen, vorerst für drei, vielleicht vier Monate weiterzubetreiben, müßig. Kooths sagte, das sei nur ein „Symbolthema“ und spielte Connemann in die Karten, die Al-Wazir stellvertretend für die Grünen vorwarf, dass er nur aus „ideologischen“ Gründen gegen den Weiterbetrieb sei und nicht imstande sei, den Ernst der Lage zu sehen. Für Connemann ist der befristete Weiterbetrieb notwendig. Immerhin versorgten sie 10 Mio. Haushalte mit Strom und verhinderten einen weiteren Preisanstieg für Strom, „weil sonst ein weiteres Angebot fehlen würde“.

Ob nun die Atomkraftwerke tatsächlich zu wenig Einfluss auf die Weiterversorgung mit Strom hätten, wie es Al-Wazir behauptete, ob sie ein Sicherheitsrisiko darstellten, weil sie nicht genügend gewartet seien, wie es Tenhagen befürchtete, spielt keine so groß Rolle. Wichtig scheint hier die Frage, was mittelfristig, nicht nur in den nächsten drei bis vier Monaten hilft. Doch nur auf die langfristige Perspektive wurde man sich an diesem Abend bei „Hart aber fair“ in der ARD einig: die Notwendigkeit, die Versorgung mit erneuerbaren Energien weiter auszubauen. (Teresa Vena)

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