Was, wenn Trump verliert, aber nicht gehen will? Frank Plasberg stellt die Fragen.
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Was, wenn Trump verliert, aber nicht gehen will? Frank Plasberg stellt die Fragen.

Thema: US-Wahlen 2020

„Hart aber fair“ in der ARD: Trump-Fan lockt Frank Plasberg aus der Reserve

  • vonRüdiger Suchsland
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Endspurt im US-Wahlkampf zwischen Donald Trump und Joe Biden. Es droht schmutzig zu werden - mit allen Tricks und Fouls. Bei Frank Plasberg ist die Atmosphäre angespannt.

  • Bei „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg geht es um die US-Wahlen 2020
  • Thema der Sendung: „Wahlkampf mit allen Mitteln: zerbricht Amerika an Donald Trump?“
  • Gäste unter anderem Norbert Röttgen von der CDU

Moderator Frank Plasberg aus seiner sarkastischen Bräsigkeit zu locken, muss man erst einmal schaffen. Dem Amerikaner George Weinberg, Sprecher der Deutschlandorganisation der US-Republikaner, gelang es scheinbar mühelos schon ziemlich früh an diesem Abend.

„Sie haben meine Frage verstanden. Wie anstrengend ist es seine eigene Intelligenz zu beleidigen und diese Frage nicht zu beantworten?“ unterbrach Frankf Plasberg seinen amerikanischen Gast.

„hart aber fair“ (ARD): Die Atmosphäre bei Frank Plasberg ist angespannt

Angespannt war die Atmosphäre von Anfang an. Dabei schien das Thema zunächst etwas weniger kontrovers zu sein, als in vielen „Hart aber Fair“-Sendungen. Plasberg nahm den Auftakt des republikanischen Wahlkampf-Parteitags zum Anlass zu fragen: „Wahlkampf mit allen Mitteln: zerbricht Amerika Donald Trump?“

Vier überzeugte Trump-Gegner, oder -Skeptiker hatte Plasberg geladen - das er allein auf weiter Flur stand, kompensierte Weinberg als Wolf im Maßanzug mit charmanter Unverfrorenheit und sturem Beharren auf „Alternative Fakten“ - und hatte damit zumindest insofern Erfolg, als dass es ihm gelang Themen zu setzen, und die Diskussion-Agenda über weite Strecken des Abends zu bestimmen.

Und so ging es erstaunlich wenig um die eigentliche Fragestellung, was dieser Präsident mit seinem eigenen Land macht.

„hart aber fair“: Frank Plasberg setzt in der ARD auf Streit und Zuspitzung

An Donald Trump und seinem Politikstil zerbröseln nicht nur die Gewissheiten unseres deutschen USA-Bildes, sondern auch das „Hart aber Fair“-Format, das auf Streit und Zuspitzung setzt, aber gerade deshalb darauf angewiesen sind, dass sich alle Teilnehmer wenigstens noch auf dem gleichen Planeten befinden.

Bei Weinberg musste man daran zweifeln: „Ein sehr erfolgreicher Präsident, der sehr viel für sein Land getan hat“, sei Donald Trump, aber „95 Prozent der Medien, auch in Deutschland“ seien „absolut gegen Trump“. „Die Berichterstattung ist nicht objektiv“, so Weinberg.

Und Frank Plasberg hatte erkennbar Mühe, Contenance und die Neutralität des Moderators zu wahren: „Ich weiß nicht wie sie auf die 95 Prozent kommen, aber wenn Kollegen Fakten checken, die nicht mit den alternativen Fakten von Trump übereinstimmen - Trump hat die Meinung, Journalisten recherchieren.“

Frank Plasberg verweist in der ARD auf den Faktencheck

Irgendwann war George Weinberg dann offensichtlich auch genervt: „Sie machen aus einer Mücke einen Elefanten.“ erklärte er und zückte einen vorgedruckten Zettel aus seinem Jackett, und las aus dem Rundfunkstaatsvertrag der ARD die Passage über „Meinungsvielfalt und Ausgewogenheit“. „Danke, dass Sie daran erinnern“ schnitt ihm Frank Plasberg knapp das Wort ab und verwies auf den Faktencheck.

Vor allem eine Teilnehmerin machte es Weinberg leicht: Die schwarze US-Comedian Tamika Campbell, die mehr als einmal ihre Emotionen nicht unter Kontrolle hatte. Über den Kandidaten der US-Demokraten, Joe Biden sagte sie: „Sehr lange wird er nicht mehr machen. So sieht er aus.“ Über Hillary Clinton: „Hilary ist eine Schlange.“ Konnte man keine andere Amerikanerin finden, die berechtigte Trump-Kritik in abgewogenere Argumente packen konnte? So illustrierten die beiden amerikanischen Gäste die zwei Extreme eines gespaltenen, zur Kommunikation unfähigen Landes.

„hart aber fair“: Norbert Röttgen gibt bei Frank Plasberg in der ARD den Berufspolitiker

Die drei Deutschen dazwischen blieben im Rahmen des Erwartbaren: Norbert Röttgen, der einzige Berufspolitiker der Teilnehmer, konnte nie vergessen machen, dass er für den CDU Vorsitz kandidiert, und versuchte kein Türchen komplett zuzuschlagen: „Demokratie hat schon Voraussetzungen.“ Aber auch seine Position war klar, was „die Diffamierung des politischen Wettbewerbers“, die Vergiftung der demokratischen Kultur duch Donald Trump, und eine mögliche zweite Amtszeit Trumps angeht: Wenn er wieder gewählt werde, werde Trump „keinerlei Hemmungen mehr“ haben.

Christiane Meier, Leiterin des ARD-Studios in New York, bemerkte „in welcher Brachialität die freie Presse von Republikanern angegriffen wird“. Am blassesten blieb Ansgar Graw, Herausgeber von „The European“: Donald Trump sei ein Lügner. „Der lügt so normal wie wir atmen“, sagte er und warnte vor Trumps stark bewaffneten Anhänger. Es drohten größere Unruhen im Land.

Diskussion bei „hart aber fair" in der ARD: Machen es sich die Deutschen zu einfach?

Vielleicht machen wir Deutschen uns mit Donald Trump auch alles etwas zu einfach. „Alles ist besser, als Trump“ - auch wenn Tamika Campbell damit recht haben mag, bleibt die Frage: Warum haben so viele Leute Trump gewählt? Am Rande immerhin kam in der Sendung die Rede darauf, dass Trumps Wahlkampf eine Angstkampagne fährt, besonders gegen die von Joe Biden ernannte Vizepräsidentschafts-Kandidatin Kamala Harris. Harris könnte zur Gefahr für den Wechsel werden, denn sie macht Biden angreifbar, gerade weil der demokratische Präsidentschaftskandidat bereits so alt ist, dass manche fürchten, er könnte seine Amtszeit nicht überleben. Ob das uns Europäern nun gefällt, oder nicht - aber nicht alle Amerikaner, auch nicht alle Boden-Sympathisanten wollen eine schwarze Frau als Präsidentin im Weißen Haus.

Nur 9% Punkte Vorsprung hat Biden, und der Abstand wird enger – ist spricht sehr viel dafür, dass Donald Trump eine Menge des Abstands aufholen kann. Es ist noch nichts entschieden. Es gibt drei Präsidentschaftsdebatten, und außerdem gibt es noch die Debatten der Vize Präsidentschaftskandidaten.

Die letzte Karte die Trump im Ärmel hat, falls er tatsächlich am 3. November verliert: Schon jetzt bereitet der Präsident den Boden dafür, das Wahlergebnis anzufechten.  (von Rüdiger Suchsland)

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