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Charlotte Würdig ist zu Gast in Frank Plasbergs ARD-Show „Hart aber fair“.
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Charlotte Würdig ist zu Gast in Frank Plasbergs ARD-Show „Hart aber fair“.

Corona-Talk im TV

„Hart aber fair“ - Charlotte Würdig über Impfgegner: „Mir wird da kotzübel“

  • Peter Hoch
    VonPeter Hoch
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Bei „Hart aber fair“ (ARD) stellt sich nicht nur wegen der bevorstehenden Feiertage ein „Alle Jahre wieder“-Gefühl ein: Es geht um die aktuelle Pandemie-Lage.

Köln - „Macht zu die Tür, die Fenster auf: Sieht so das Fest der Vernunft aus?“ fragte Frank Plasberg in der ARD vor genau einem Jahr in seiner letzten Sendung vor den Feiertagen. Nun steht das zweite Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen bevor, den Fernseh-Talkshows sind abermals die Themen ausgegangen und bei „Hart aber fair“ diskutiert die Gästerunde über „2G unterm Christbaum: Wie wird aus dieser Weihnacht noch ein Fest?“.

Geladen sind Michael Müller, der regierende Noch-Bürgermeister von Berlin, der Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl, die Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Monika Sieverding, der Einzelhändler Hermann Hutter und die Moderatorin Charlotte Würdig. Zwischen ihnen geht es, wie fast immer bei Plasberg, ziemlich gesittet und sachlich zu. Bei geballter und gebetsmühlenartiger Impfaufklärung für alle Lebenslagen erfahren bereits gut informierte Zuschauer:innen jedoch kaum Neues, und es stellt sich schnell gepflegte Wegschalt-Langeweile ein – zumal der Moderator Plasberg mit manchem Bandwurmsatz, Unterbrecher oder Verhaspler ziemlich weihnachtsferienreif erscheint.

„Hart aber fair“ (ARD): 2G schützt die Ungeimpften vor sich selber

Immer wieder geht es um diejenigen, die sich aus den unterschiedlichsten Gründen – Angst, Unwissenheit, Trotz und vielem mehr – weiterhin nicht impfen lassen wollen und die durch die 2G-Regel nun von vielem ausgeschlossen sind. Berlins OB Müller gibt noch einmal bereitwillig zu: „Die Regeln, die wir jetzt haben, sind natürlich auch ein gewisser Druck, der erzeugt wird. Denn wir müssen für einen umfangreichen Schutz die Impfquote nach wie vor erhöhen.“

Und Immunologe Watzl betont bei „Hart aber fair“ (ARD) noch einmal in aller Deutlichkeit: „Nur weil der Ungeimpfte einen Test hat, macht es das ja nicht weniger wahrscheinlich, dass er sich ansteckt, schwer erkrankt und im Krankenhaus landet. Das ist wirklich die Begründung für 2G: dass man die Ungeimpften vor sich selber schützen muss.“ Exemplarische „Hart aber fair“-Gästebucheinträge von Impfgegnern lassen mit Begriffen wie „Corona-Impf-Giftcocktail“ erahnen, wie schwierig bis unmöglich es ist, diese Menschen noch zu erreichen.

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg in der ARDDie Gäste der Sendung
Michael MüllerRegierender Bürgermeister von Berlin, SPD
Prof. Dr. Carsten WatzlImmunologe
Prof. Dr. Monika Sieverding Gesundheitspsychologin
Charlotte Würdig Moderatorin
Hermann HutterUnternehmer

Dazu sagt Watzl bei Frank Plasberg in der ARD: „Einige Leute haben so eine irre Angst vor der Impfung, dass sie die eigentliche Infektion als Lappalie abtun. Und wenn ich jeden Tag auf Telegram nur die Horrorgeschichten lese, was diese Impfung alles angeblich auslöst, dann bekomme ich die Fakten irgendwann gar nicht mehr mit. Wir müssen daher viel konsequenter gegen Leute vorgehen, die Fehlinformationen und Lügen verbreiten.“ Regelrecht entrüstet zeigt sich angesichts eines entsprechenden Kommentars Moderatorin Würdig, die trotz doppelter Impfung zusammen mit ihren kleinen Kindern eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht hat: „Mir wird da kotzübel, wenn ich das höre. Das ist so eine wahnsinnige Unterschätzung, zu sagen, ich lasse mich freiwillig damit anstecken. Ich glaube, diese Menschen sehen nicht das breite Spektrum und das ist brandgefährlich.“

„Hart aber fair“ in der ARD: Warten ist beim Boostern keine Option

Ausführlich widmet sich „Hart aber fair“ den Boosterimpfungen. Auch hier hat der Immunologe die meisten Informationen parat und wirbt dafür, nicht mit einer Auffrischung zu warten. Man sei zwar auch ein halbes Jahr nach der Zweitimpfung noch sehr gut vor einer schweren Corona-Erkrankung geschützt, Omikron-Variante inklusive. Anders sehe es bei der allgemeinen Ansteckungsgefahr aus: „Der Schutz gegenüber einer Ansteckung ist bei Omikron deutlich abgeschwächt. Hier muss man den Leuten klar sagen: Es nutzt nichts, auf den März zu warten“ – erst dann sollen die auf Omikron angepassten Vakzine verabreicht werden.

Und auf Plasbergs Frage, ob zu häufiges Impfen nicht irgendwann zum Unsicherheitsfaktor werden könne, beruhigt Watzl mit der Erkenntnis: „In viermonatigen Abständen ist das kein Problem.“ Er warnt allerdings auch: „Wir dürfen vor lauter Boosterimpfungen die Erstimpfungen nicht aus dem Auge verlieren – weil wir noch zu viele Ungeimpfte haben. Wenn wir diese Impflücke jetzt nicht schließen, stehen wir im nächsten Winter vor dem gleichen Problem.“

Eine Antwort darauf, ob die Impfungen für Kinder und Jugendliche sinnvoll und sicher seien, gibt er ebenfalls. So käme es auch bei Kindern nur extrem selten zu Nebenwirkungen wie Herzmuskelentzündungen, während auch Covid-19-Infektionen diese verursachen könnten, und zwar deutlich häufiger als die Impfungen. Und wir erfahren: Watzls eigene Kinder sind geimpft, der Sohn des Moderators ebenfalls und auch dessen Kollegin Charlotte Würdig will ihre 5 und 8 Jahre alten Söhne ohne Bedenken impfen lassen, sobald die STIKO, ihr Hausarzt und ihr Kinderarzt es unisono empfehlen.

„Hart aber fair“ (ARD): Forderungen nach klaren Regeln und Botschaften

Nicht gut weg kommt einmal mehr die staatliche Organisation der Pandemie. So beklagt die Genesene Würdig bei Plasberg: „Ich habe mich allein gefühlt, weil es keine richtige Anleitung gibt. Am Anfang war der Verlauf mild, dann wurde er immer schlimmer und ich wusste nicht, was mit den Kindern ist, wenn ich nachts ins Krankenhaus muss – warum gibt es dazu keine Hotline?“ und, in anderem Zusammenhang: „Ich finde die ganzen Studien spannend, verstehe aber nur die Hälfte davon und ich glaube, so geht es sehr vielen da draußen. Wir brauchen eine andere Art der Aufklärung.“

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Einzelhändler Hermann Hutter bei „Hart aber fair“ und kommt konkret auf Weihnachten zu sprechen: „Weihnachten ist ein wichtiges Fest in unserer Gesellschaft, denn wir brauchen Rituale, wir brauchen Haltepunkte in unserem Leben. Wir brauchen aber klare Botschaften, wie es funktionieren soll, es miteinander zu feiern. Wir haben einen Wirrwarr an Regeln, das versteht keiner mehr und damit können wir die Leute nicht mitnehmen.“ Und zur aktuellen 2G-Pflicht in den Läden mitten im Weihnachtsgeschäft ergänzt er kritisch: „Wir werden dazu gezwungen, die Polizei zu spielen. Der Händler wird bestraft, derjenige, der gegen 2G verstößt, nicht.“

Zur Sendung

Hart aber fair, ARD, von Montag, 13. Dezember 2021, 21.15 Uhr. Die Sendung im Netz.

Gesundheitspsychologin Monika Sieverding betont in der ARD einen anderen Aspekt: „Das Hauptproblem der Menschen ist, dass sie nicht wissen, wie lange das Ganze dauert. Das zermürbt. Und es wird zu wenig wertgeschätzt und zu wenig darüber berichtet, welche Maßnahmen in der Pandemie funktioniert haben“, bevor sie einen Vergleich zu einer Krebserkrankung zieht: „Man hält diesen Zustand nicht aus, wenn man nicht zwischendurch immer wieder Hoffnung hat. Das müssen die politischen Verantwortlichen mehr vermitteln. Die Hoffnung: die Sanktionen wirken, es gibt positive Entwicklungen, anstatt immer nur auf diejenigen zu zeigen, die gegen die Regeln verstoßen.“

„Hart aber fair“ in der ARD: Das Prinzip Hoffnung

An der Rolle des Hoffnungsmachers versucht sich Berlins Noch-OB Michael Müller. Zu den Schnell-Impf-Optionen für Erstimpflinge, bei denen es mit bis zu vierstündigen Wartezeiten bisweilen noch massiv mit dem „schnell“ hapert, sagt er: „Die Kapazitäten werden hier weiter hochgefahren. Die Infrastruktur ist da und wird weiter ausgebaut.“ Und auf Weihnachten bezogen sagte er bei Frank Plasberg: „Wir wissen inzwischen, wie wir mit der Pandemie gut umgehen können und haben so viel gelernt, dass wir die Dinge auch über die Weihnachtstage wieder so befolgen können, dass wir optimistisch ins nächste Jahr starten können. Aber es kommt nicht von alleine, sondern nur durch unser gemeinsames Verhalten. Wir haben bundesweit eine Fast-400er-Inzidenz. Und wir gehen einkaufen, wir gehen ins Kino und ins Konzert, wir treffen Freunde und Familie. Das wäre vor einem Jahr undenkbar gewesen.“

Und während man als Zuschauer:in inständig hofft, dass Plasbergs Sendungen „Hart aber fair“ sich nach der Weihnachtspause im neuen Jahr endlich wieder um andere Themen drehen, bringt Immunologe Watzl die Dinge, die da kommen werden, ganz wissenschaftlich auf den Punkt: „Es ist nicht so sehr das Virus, das sich verändern wird. Wir sind es. Wir werden uns regelmäßig damit infizieren, wir werden auch Tote haben, aber nicht mehr in dem Maße, dass das Gesundheitssystem überlastet wird. Wir erlauben uns dreitausend Verkehrstote pro Jahr und zehn- bis zwanzigtausend Grippetote pro Saison – und irgendwo dazwischen wird auch Corona landen.“ (Peter Hoch)

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