„Hart aber fair extra“ (ARD) TV-Kritik: Mehrere Monate in Corona-Quarantäne
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Sicherheitsabstand im Studio: Hart aber fair extra.

Hart aber fair extra, ARD

„Hart aber fair extra“ (ARD): Das Ganze hat erst begonnen - Diskussion über die monatelange Quarantäne

  • Daland Segler
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Bei Frank Plasbergs TV-Talkshow „Hart aber fair extra“ (ARD) ging es um das große Ganze wie die kleinen Probleme in der Corona-Pandemie.

  • „Hart aber fair“ brachte eine Sondersendung zum Coronavirus.
  • Plasbergs Runde wird zum Ratgeber-Forum.
  • Coronavirus hat in Deutschland erst begonnen

Selbstverständlich steht auch das Programm-Schema des Fernsehens unter dem Diktat der Corona-Pandemie. So durfte Frank Plasbergs „Hart aber fair“ mit einer „Extra“-Ausgabe direkt nach der Tagesschau starten – ein auf zwei Stunden verlängerter Brennpunkt, sozusagen. „Die Corona-Krise – Wo stehen wir, was kommt noch?“ lautete der Sendetitel. Und die erste der beiden Fragen erhielt bald eine Antwort, die nicht gerade beruhigend wirkte.

Frank Plasbergs „Hart aber fair“ (ARD) zur Corona-Krise: Das ist erst der Anfang

„Wir stehen am Anfang“, erklärte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Institut für Tropenmedizin der Uni Hamburg, um wenig später zu präzisieren: Das Land werde über mehrere Monate in Corona-Quarantäne bleiben. Was Wirtschaftsminister Peter Altmaier bestätigte: „Wir werden noch für Monate oder Wochen Abstand halten müssen.“

„Hart aber fair“: Peter Altmaier  lehnt sich weit aus dem Fenster

Dabei spielte Altmaier auch hier wieder seine Rolle als notorischer Gesundbeter, will sagen: als Politiker, der das Bestehende verteidigt und die Verbreitung von Optimismus als sein Amtsverständnis betrachtet. So versprach er zu Beginn: „Kein Arbeitsplatz, kein gesundes Unternehmen muss wegen der Corona-Krise schließen.“ Dass er dabei den Mund etwas voll genommen hatte, machte der weitere Verlauf der Sendung deutlich.

Wie die vorangegangenen Talks zum Pandemie-Thema wurde auch Plasbergs Runde zum Ratgeber-Forum, bei dem Fachfrauen und -männer die unterschiedlichsten Aspekte der Krise beleuchteten, neben dem Virologen und dem Politiker eine Psychologin, ein Jurist, eine Ökonomin und ein Hotelier – nicht wie sonst nebeneinender im Halbrund sitzend, sondern auf Abstand im Studio verteilt, wie es die Krise diktiert. Apropos: Wer jetzt von „Corona-Krise“ spricht, sollte sich überlegen, welche Implikationen der so oft und gedankenlos auch in solchen Sendungen benutzte Begriff „Flüchtlings-Krise“ hat...

„Hart aber fair“ (ARD) zu Coronavirus: Die Distanz wird sozial

Diese Ausgabe von „Hart aber fair“ begann mit einer halbstündigen Tour d'Horizon durch Corona-Country und stimmte auf die schier unzähligen Probleme ein, die die gesamte Gesellschaft erfassen, vom Fahrgast-Verhalten in der Bremer Straßenbahn über die Einsamkeit des freischaffenden Journalisten in Bozen bis hin zur Ärztin Carola Holzner, die eine für diese Situation so schlichte wie treffende Erkenntnis festhielt: „Jeder von uns ist Teil des Ganzen.“

Sich diese Wahrheit zu vergegenwärtigen und danach zu handeln, wird die Aufgabe in den kommenden Wochen sein, in denen wir in der Distanz zum Anderen sozial sein, Abstand aus Solidarität halten müssen. Und in denen der Staat zeigen muss, dass er alle seine Bürgerinnen und Bürger im Blick hat, wenn es gilt, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Denn nicht bloß die Banken zählen, nicht bloß der Mittelstand muss Mittel in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt bekommen, auch die frei schwebenden Klein-Unternehmer und Künstler dürfen nicht vergessen werden, wie kurze Filme zeigten. Fünf Millionen Freischaffende gebe es, sagte Börsenspezialistin Anja Kohl, die einen „Corona-Fonds“ forderte. Altmaier beteuerte, man habe Absprachen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau getroffen und werde Lösungen finden. Dass das Geld nicht schnell genug komme, ist eine der Sorgen von Unternehmern wie Hotelier Bernd Niemeier, der den Corona -Ausbruch als „Tsunami“ für sein Gewerbe beschrieb.

Corona-Krise: Es ist ernst

Und wie dort der totale Einbruch droht, ergeht es auch den Veranstaltern im Kulturbereich. Einen Rechtsanspruch auf Entschädigung für Karten-Käufer gebe es nicht, erklärte der ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam. Die ausgefallene Lit.Cologne aber erlebte jetzt, dass die Karteninhaber ihre Tickets nicht zurückgaben, sondern behielten – und so Einnahme-Ausfälle des Festivals abmildern. Moderator Plasberg wollte da „Anzeichen von Solidarität“ erkennen und wurde von Psychologin Ulrike Scheuermann bestätigt. Solche Aktionen würden zunehmen, denn „Menschen helfen gerne“. Das Schalten in den Hilfemodus werde dadurch erleichtert, dass es „nicht den einen Schuldigen“ gebe.

Auch Altmaier lobte die wachsende Hilfsbereitschaft, und Virologe Schmidt-Chanasit hatte einen ganz konkreten Vorschlag: Blut spenden; das werde dringend gebraucht, weil nun viele Leute – unbegründete – Angst vor Ansteckung hätten. Eher unsicher war er bei einem Problem, das nicht so abseitig ist, wie es auf den ersten Blick schient: Wie von Verstorbenen Abschied nehmen in Zeiten von Corona? Man wisse noch nicht genügend über das Verhalten der Körperflüssigkeiten in diesem Fall… Im übrigen aber wünschte man sich das derzeit gezeigte Vertrauen in die Wissenschaft auch beim Klimawandel.

Bei den Publikumsfragen ging es um die drohenden Schließungen von Geschäften und Veranstaltungen und Hamsterkäufe. Lebensmittel zu rationieren, habe sich als untauglich erweisen, so der Minister. Er machte noch einmal deutlich, dass ja weiter gekauft werden könne, was zum täglichen Bedarf gehört, aber die Regierung wollte mit der Streichung von Freizeit-Angeboten auch deutlich machen: „Es ist ernst.“ Etwas unpassend, dass dann unversehens die Reklame für die nächste große ARD-Filmproduktion eingeblendet wurde: „Unsere wunderbaren Jahre“. Könnte sein, dass man das später von der Zeit vor Ausbruch der Corona-Krise sagen wird...

Von Daland Segler

Zur Sendung „Hart aber fair extra“

ARD, von Montag, 16. März, 20.15 Uhr. Die Sendung im Netz.

Die zweistündige ARD-Sondersendung "Hart aber fair" mit Frank Plasberg zur Corona-Epidemie blieb blass und konservativ – aber diente immerhin als konstruktives Informations-Update.

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