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Hart aber fair (ARD): Die USA nach Trump
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Bei „Hart aber fair“ in der ARD äußern Frank Plasbergs Gäste wenig Neues.

TV Kritik

„Hart aber fair“ in der ARD: „Die letzten Tage des Donald Trump“ - Unpassender Hitler-Vergleich bei Frank Plasberg

  • Peter Hoch
    vonPeter Hoch
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Bei „Hart aber fair“ in der ARD heißt es diesmal „Die letzten Tage des Donald Trump“. Frank Plasbergs Gäste machen zwar treffende Beobachtungen, äußern ansonsten jedoch nur wenig Neues.

  • Mit Moderator Frank Plasberg diskutieren bei „Hart aber fair“ (ARD) u.a. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock.
  • Die Talkshow vermittelt einen gelungenen Abriss über den aktuellen innenpolitischen Zustand der USA.
  • Der Anfangsfragestellung „Gelingt ein Machtwechsel ohne weitere Gewalt?“ geht die ARD-Sendung seltsamerweise nicht weiter nach.

Berlin – Es fällt ins Auge: Abgesehen von der finalen Viertelstunde, in der die Talkshow-Diskussion zur umstrittenen „Nord Stream 2“-Gaspipeline nach Europa mäandert, geht es diesmal bei „Hart aber fair“ nie hart, sondern nur fair und ziemlich einmütig zu, was wenig überraschend ist: Es fällt leichter, über die Verfehlungen und Perspektiven eines anderen Landes und nicht die des eigenen zu sprechen. Keiner der Gäste und auch nicht Moderator Frank Plasberg wird dem scheidenden 45. Präsidenten der USA und seiner schamlosen, enthemmten Populismus-Herrschaft eine Träne nachweinen.

Einig ist man sich in der ARD jedoch auch darin, dass eben jener Populismus auch mit dem Ende der Trump-Präsidentschaft weiterhin eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den sozialen Frieden darstellt – in den USA, aber auch in Europa und weltweit. Immer wieder werden bewegte Bilder aus den vergangenen Trump-Jahren eingestreut: Vom frühen Lachnummernauftritt auf der Rolltreppe des Trump Towers, mit dem „The Donald“ 2015 seine Kandidatur bekannt gab, über die Szene, in der er das höfliche Händeschüttelangebot der Bundeskanzlerin fürs Pressefoto ignoriert, bis natürlich hin zu den erschütternden Aufnahmen vom Sturm der Trump-Anhänger auf das Capitol am 6. Januar und der vorangegangenen Rede des Noch-Präsidenten führen sie einem noch einmal schockierend vor Augen: Ja, wirklich, eben jener alte, orangefarbene Mann hat tatsächlich vier Jahre lang eines der mächtigsten Länder der Welt regiert, mit dem Atomköfferchen stets in greifbarer Nähe!

  • Die Gäste bei „Hart aber fair“ in der ARD:
  • Peter Altmaier: Bundeswirtschafsminister (CDU)
  • Annalena Baerbock: Bündnis90/DieGrünen-Bundesvorsitzende
  • Ingo Zamperoni: ARD-Tagesthemen-Moderator und Ex-Fernsehkorrespondent im ARD-Studio Washington
  • Matthew Karnitschnig: Europa-Korrespondent des US-amerikanischen Online-Nachrichtenportals „Politico“  
  • Cathryn Clüver Ashbrook: deutsch-amerikanische Politologin

„Hart aber fair“ (ARD) zur Lage der USA: Trump ist Symptom, nicht Ursache

ARD-Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni wird im Verlauf der Show zwar die geringste Redezeit haben, kommt aber immerhin als erster zu Wort und ist – wie man später ausführlich lernt, im Gegensatz zu seinem amerikanischen Schwiegervater – sicherlich kein Trump-Anhänger. Er merkt dennoch an, man habe wohl noch Glück im Unglück gehabt, weil Trump immerhin der erste republikanische US-Präsident seit Jahrzehnten gewesen sei, der keinen Krieg angezettelt habe.

Das ist ein Geschichtsstundenthema für sich und natürlich richtig, denn für so etwas hatte Trump vor lauter Egozentrik einfach keine Zeit. Weiter bildet Zamperoni bei Frank Plasberg noch einmal zusammenfassend ab, dass Trump nur ein Symptom und nicht der Grund für die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft sei. Die wäre schon vor ihm da gewesen, er habe „nur“ nichts getan, um sie zu überwinden – und nur durch die Spaltung sei ein „President Trump“ überhaupt möglich gewesen.

Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) bei „Hart aber fair“ in der ARD: „Fast-Totalcrash der Demokratie“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bezeichnet in der ARD die Ereignisse der vorletzten Woche als „Fast-Totalcrash der Demokratie“. „Dass ein Präsident Demonstranten dazu auffordert, die gewählten Parlamentarier unter Druck zu setzen, das hat es meines Wissens bisher noch in keinem demokratischen Land gegeben.“

Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock und die aus Boston zugeschaltete deutsch-amerikanische Politologin Cathryn Clüver Ashbrook, stimmen ein: Trumps Politik, Hass und Hetze haben sich wie ein Gift in die Gesellschaft eingefressen, auf Minderheiten wurde „offen draufgeschlagen“, das Handels- und Außenministerium wurden ausgehöhlt und es sei angesichts eines solch abschreckenden Beispiels wichtig, an der Wehrhaftigkeit der eigenen Demokratien in Europa weiterzuarbeiten.

Baerbock zieht in der ARD einen Vergleich zur AfD, die während der Eurokrise vor einem Wirtschaftsthemenhintergrund entstand und sich seitdem zu einer rechtspopulistischen Allround-Partei mit viel zu vielen Wählern entwickelt hat. Der Europa-Korrespondent des US-amerikanischen Online-Nachrichtenportals „Politico“ Matthew Karnitschnig ist dann aber doch der Ansicht, dass Donald Trump sich auch für viele Wähler der Republikaner nun entzaubert habe – es sei sehr selten, dass ein Präsident in den USA nach nur einer Amtszeit abgewählt würde.

„Hart aber fair“ (ARD) und die letzten Tage von Trump: Mein Schwiegervater, der Republikaner und ich

Weiter geht die Diskussion und Frank Plasberg stellt die Frage, ob es wohl Menschen im Capitol gegeben habe, die dem Mob beim Eindringen geholfen hätten. Wer die Nachrichten halbwegs aufmerksam liest – und sie nicht als Fake-News abtut – kennt die Antwort schon, was für die meisten Inhalte der Redebeiträge der Sendung gilt. Clüver Ashbrook erklärt aber allen noch Uninformierten, dass man seit ein paar Tagen wisse, dass tatsächlich Absprachen getätigt wurden und gezielt nach der Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi und Vizepräsident Mike Pence gesucht wurde.

Ein Skandal auch, dass einige republikanische Senatoren selbst nach dem dramatischen Geschehen unbeirrt weitergemacht und die Fairness der Wahl infrage gestellt hätten, weil es ihnen ausschließlich um den Machterhalt ging. Hier ist auch Altmaier der Meinung, dass jene Senatoren und Kongressabgeordnete juristisch überprüft werden müssten, die Trumps Verhalten und die Taten der gewalttätigen Randalierer bis heute decken. ARD-Korrespondent Zamperoni bringt bei „Hart aber fair“ dann schließlich noch mit einer Schilderung über die Gedanken und Motivationen seines pro-republikanischen, wenn auch nicht verbohrten Schwiegervaters eine persönliche Komponente aus Sicht eines „ganz normalen“ US-Wählers ein.

Die Sendung - Alle Infos über die ARD-Show „Hart aber fair“

NameHart aber fair
Erstausstrahlung31. Januar 2001
SendeplatzMontag, 21.00 Uhr Das Erste (ARD)
ProduktionWDR Köln
Länge75 Minuten
ModerationFrank Plasberg
Auszeichnungenu.a. Deutscher Fernsehpreis für die beste Information, Bambi in der Kategorie Moderation

Diskussion bei „Hart aber fair“ (ARD) über die USA nach Trump: Erste multikulturelle, multiethnische Supermacht?

Nach einem unpassenden Hitler-Goebbels-Vergleich mit Trumps Leugnung des Wahlergebnisses – den der Moderator später noch einmal kurz und richtig abwatscht – führt die ansonsten kompetente Politologin Clüver Ashbrook aus, dass in allem, was geschehen sei, auch eine Chance liege, zumindest wenn es Joe Biden schnell gelinge, für bestimmte Bevölkerungsgruppen Resultate zu liefern: Es bestehe die Möglichkeit, dass Amerika nun den progressivsten Weg seiner eigenen Geschichte einschlagen und zur ersten multikulturellen, multiethnischen Supermacht werden könne. Außerdem hätten selbst viele große Unternehmen in Folge der jüngsten Begebenheiten offenbar ihr Gewissen für die Demokratie entdeckt, was eventuell Reformen in der republikanischen Partei begünstigen könne. Die Trumpisten würde die Partei allerdings dennoch vorerst weiterhin fürs nackte Überleben bei den nächsten Senatswahlen 2022 benötigen.

„Politico“-Korrespondent Karnitschnig ist sogar noch besserer Dinge, als er noch einmal betont, dass die Republikaner unter Trump alle Mehrheiten – im Repräsentantenhaus und im Senat – verloren hätten und Joe Bidens Ansatz den Umfragen zufolge von einer großen Mehrheit der Amerikaner unterstützt werde. Baerbock geht darauf ein, wie wichtig das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump formal sei, selbst wenn Biden, wie Altmaier anmerkt, nicht zu einem solchen geraten habe. Und was Europa und konkret Deutschland betrifft, tritt Baerbock dafür ein, dass man die neue US-Administration unterstützen müsse, um den Menschen dort zu zeigen, dass auch mittels internationaler Zusammenarbeit im eigenen Land die Wirtschaft angekurbelt werden könne und Arbeitsplätze entstünden. Dabei rechnet sie kurz und ohne Namen zu nennen auch mit deutschen Firmen ab, die Trump lange mit Spenden unterstützt haben und sich nun als Fähnlein im Wind der anderen Seite zuwenden.

„Hart aber fair“ (ARD) und die USA nach Donald Trump: Wer überwacht die Wächter?

Das Gespräch führt weiter zu Trumps gesperrten Social-Media-Accounts bei Twitter, Facebook & Co. – die einen finden die Stummschaltung des Maulhelden gut, die anderen (und manchmal auch dieselben) sehen sie als problematische Willkür an, da es zahlreiche Diktatoren gäbe, bei denen eine solche Maßnahme bislang nicht zum Einsatz kam. Es besteht aber erneut Einigkeit darüber, dass es nicht die Plattform-Anbieter sein dürfen, die nach Gutdünken entscheiden, wer bleiben darf und wer nicht, sondern dass hierfür schnellstens gesetzliche Grundlagen geschaffen werden müssen, Stichworte „Hass-Tweets“ und „Aufrufe zur Gewalt“. Wozu Clüver Ashbrook anmerkt, dass die Biden-Regierung den Cyber- und Technologiebereich bereits zur Chefsache gemacht habe, in deren Rahmen auch die weltweiten Multimedia- und Kommunikationskonzerne reguliert werden sollen – was zudem dazu führen werde, dass sich das datenschützende Europa und die USA in diesem Punkt endlich annähern.

Es folgen Gedanken zum unglücklich formulierten Angebot von Bundesaußenminister Heiko Maas, die USA bei einem noch auszuarbeitenden „Marshall-Plan“ unterstützen zu wollen. Clüver Ashbrook relativiert es ein wenig mit der Aussage, dass die US-Demokraten eine Kampagne ins Leben gerufen hätten, die die Demokratien der Welt zusammenbringen möchte, um den autoritären Regierungen etwas entgegenzusetzen – was Maas in abgewandelter Form aufgegriffen haben könnte. Altmaier hebt schließlich noch einmal hervor, dass die USA seit über zweihundert Jahren eine Demokratie sind und sogar jetzt das System besonnen reagiert habe, inklusive der von Trump selbst eingesetzten Richter und des Vizepräsidenten. Trump habe keine Chance gehabt, es zu unterwandern.

Link zur Sendung

„Die letzten Tage des Donald Trump: Gelingt ein Machtwechsel ohne weitere Gewalt?“ in der ARD-Mediathek.

„Hart aber fair“ in der ARD: Neben den USA und Trump – Streit um „Nord Stream 2“

Nach einer Pause, in der ausgewählte Zuschauer-Statements zum Thema vorgetragen und kommentiert werden, darf dann doch noch gestritten werden. Mit der zu erwartenden Wirtschafts- und Außenpolitik unter Joe Biden kommt man von Dingen, über die man aus der Ferne vortrefflich Einvernehmen zeigen kann, in Gestalt von „Nord Stream 2“ zurück ins Inland. Startschuss für ein verbales Gerangel vor allem zwischen Baerbock und Altmaier über Sinn, Unsinn, Rechtmäßigkeit und Unrechtmäßigkeit der Gaspipeline, über die Zusammenarbeit mit einem autokratischen Staat wie Russland und die europäische Souveränität – das, als es dann auch noch bis nach China führt, von Plasberg abgebrochen wird, zumal die Sendezeit dahinschmilzt.

Hinzu kommt, dass der Moderator dem Wirtschaftsminister kurz themenfremd doch noch einmal das befremdliche „Angebot“ des Beinahe-CDU-Chefs Friedrich Merz an die Bundesregierung unter die Nase reiben möchte, er, Merz, könne nun gerne das Bundeswirtschaftsministerium übernehmen. Was Altmaier mit einem Augenzwinkern und wie immer in solchen Fällen diplomatisch ausweichend kommentiert: „Das Ministerium, dem ich vorstehen darf, ist offenbar doch ein sehr attraktives Ministerium.“

Ungeklärt und nicht angesprochen bleibt merkwürdigerweise die eingangs gestellte vermeintliche Hauptfrage des Abends „Gelingt in den USA ein Machtwechsel ohne weitere Gewalt?“ – vermutlich musste die Kristallkugel in den vergangenen Monaten schon zu oft in Sachen Corona bemüht werden und hatte bei „Hart aber fair“ diesmal, wie erfreulicherweise das C-Wort insgesamt, Pause. Es bleibt zu hoffen, dass der Mittwoch mit Joe Bidens Amtsantritt sowie die kommenden Tage, Wochen und Monate die Frage mit einem aufatmenden „Ja“ beantworten können. (Peter Hoch)

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