Bei Frank Plasberg ging es um die Ereignisse in Berlin vom Wochenende.
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Bei Frank Plasberg ging es um die Ereignisse in Berlin vom Wochenende.

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„Hart aber Fair“ mit Frank Plasberg: Alle sind ganz empört darüber, was in Berlin geschah

  • vonMichael Meyns
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Viel Lärm bei Frank Plasberg um eine Großdemo in Berlin und die Frage: Wie viel Freiheit darf sein trotz Corona? Ganz nebenbei wird auch noch ein wenig in Kultur gemacht.

  • Bei Frank Plasberg ging es in der ARD um die Ereignisse in Berlin vom Wochenende
  • „Hart aber fair“: Drohen jetzt im grauen Herbst neue Verbote wegen der Corona-Pandemie?
  • Und wer denkt eigentlich an die kulturell Schaffenden?

Angesichts des „Sturms auf den Reichstag“, wie der für ein paar Augenblicke eskalierte Moment der sogenannten Corona-Demonstrationen am Samstag in Berlin von der stets verlässlich-hysterischen „Bild“ genannt wurde, gab es natürlich keine Frage, worüber Frank Plasberg an diesem Montag diskutieren ließ: „Streit um Corona-Verbote – Wie viel Freiheit ist noch drin?“ hieß die Frage, auf die man kurz und knapp: „Jede Menge!“ hätte antworten können.

„Hart aber Fair“ (ARD): Michael Müller zeigt sich empört

So flapsig ging es dann jedoch nicht zu, im Gegenteil: Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, zeigte sich empört über die Ausmaße der Demonstration, Jasper von Altenbockum, Leiter des Ressort Innenpolitik der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, ebenso, Bernd Stelter, Moderator und Kabarettist, war als Vertreter der Fraktion: „Man wird ja noch mal fragen dürfen“ eingeladen. Dazu kamen Lamya Kaddor, Publizistin und Lehrerin an einem Gymnasium in Duisburg und Dr. Julia Fischer, Wissenschaftsjournalistin und Ärztin, die sagt: Partys ohne Maske sind verantwortungslos.

Ein kurzer Einspieler fasste die Ereignisse des Samstags zusammen, „irgendwelche Machenschaften sind im Gange“ meinte eine leicht verwirrt wirkende Demonstrantin, eine andere traf es mehr auf den Punkt und bezeichnete das ohne Frage problematische Verbot der Demo als Anlass: „Jetzt erst Recht“ auf die Straße zu gehen. Dazu wies Müller darauf hin, dass es im März und April gar keine Demos gab. Zumindest Demos mit Vorschriften sind somit schon ein erheblicher Fortschritt.

„Hart aber Fair“ (ARD): Man ist sich einig

Dass sein Innensenator bei seinem Verbot (das kurz danach von den Gerichten gestoppt wurde) der Demos nicht nur betonte, dass es darum ging, auf die Gesundheit der Bevölkerung zu achten, sondern auch allzu populistisch betonte, „solchen Meinungen“ keine Bühne zu bieten, stieß in der Runde einhellig auf Ablehnung – bis auf Müller natürlich, der sich jedoch eher halbherzig bemühte, seinen Innensenator zu verteidigen.

Sehr plausibel erklärte Julia Fischer den Hang von auch eigentlich intelligenten Menschen, abstrusen Verschwörungstheorien zu folgen: Corona ist eine schwer zu begreifende Bedrohung, die einen Kontrollverlust auslöst, auch Stress. Das Gehirn neigt in solchen Situation zu einfachen Erklärungen, sucht nach einfachen Mustern. Und solch ein einfaches Muster ist es, lieber Bill Gates zu beschuldigen, als zu verstehen, dass die Ursachen von Corona nicht leicht zu fassen sind.

„Hart aber Fair“ (ARD): Es bleiben schmerzhafte Bilder

Die Bilder von Rechten auf den Stufen des Reichstags werden so oder so von dieser Demonstration bleiben. Von Altenbockum wies darauf hin, dass die Bezeichnung „Sturm des Reichstags“ viel zu hoch gegriffen ist, und nur den Rechten in die Hände spielt. Schmerzhaft sind diese Bilder, in denen für einen Moment die Hoheit der Polizei zu schwanken drohte, dennoch. Lamya Kaddor pochte darauf, dass die Demonstranten sich bewusst sein müssen, dass sie sich mit Rechten lieb Kind machen und forderte, dass hier endlich auch der Rechtsstaat aktiv wird. So wie nach dem G20-Gipfel linke Chaoten angeklagt wurden, so sollten nun auch Rechte oder Antisemiten verfolgt werden. Ob dies allerdings passiert? Warten wir es ab.

Abwarten könne private Theater, Kleinkunstbühnen oder Solo-Selbständige allerdings nicht mehr, bzw. nicht mehr sehr lange. Bernd Stelter plädierte eindringlich an die Bevölkerung, es zu wagen, wieder ins Theater zu gehen, auf den TÜV zu vertrauen, der für ausreichende Belüftung der Säle sorgt. Gerade Berlin lebt von der Kultur, wie auch Michael Müller weiß. Nur langsam geht es wieder los, am Wochenende begann in der Hauptstadt die Theatersaison. Zwar nur mit einem zu kaum einem Viertel gefüllten Deutschen Theater, doch auch dieser triste Eindruck bedeutet: Es geht weiter. Dass das gut ist, darauf konnten sich am Ende dieser Talk-Runde immerhin alle Teilnehmer einigen. (Von Michael Meyns)

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