1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Kühnerts „Nicht-Meinung“ enttäuscht bei „Hart aber fair“

Erstellt:

Von: Rolf-Ruediger Hamacher

Kommentare

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg: Die Sendung vom 26.09.2022
„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg: Die Sendung vom 26.09.2022 © Screenshot ARD

Bei „Hart aber Fair“ (ARD) ist die Situation in Russland und der Ukraine Thema. SPD-Politiker Kevin Kühnert zeichnet sich durch eine „Nicht-Meinung“ aus.

Berlin – Wenn der „General“-Sekretär unserer größten Regierungs- und Bundestagspartei Frank Plasbergs „Hart aber fair“-Talk-Show (ARD) die Ehre gibt, dann hofft man doch, dass sich die für seinen Job unverzichtbaren Führungsqualitäten auch in seiner Meinungsstärke zeigen. Aber wie Kevin Kühnert so gar nichts Substantielles zum Thema „Alles auf eine Karte: Wie hoch pokert Putin noch?“ beizutragen hatte, das enttäuschte sicherlich nicht nur SPD-Wähler.

So wurde man im Lauf der Diskussion nie das Gefühl los, dass bei ihm zwar die Pickel weg sind, die (politische) Pubertät aber geblieben ist. Der von Kühnerts „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“-Attitüde sichtlich genervte Udo Lielischkies versucht ihm beharrlich eine eigene Haltung („Sie sind doch kein Hinterbänkler in ihrer Partei!“) abzuringen. Aber Kühnert zieht sich mit einer schon schwer erträglichen Arroganz aus der Verantwortung gegenüber der Ukraine heraus, sodass er wie ein Fremdkörper in der Runde der ansonsten mit offenem Visier diskutierenden Gäste wirkt.

ARD-Talk „Hart aber fair“: Wie Schlagkräftig ist das russische Militär?

Angesichts von unzähligen Männern, die das Land verlassen und selbst Flugpreise von 3000 Euro (nach Armenien), bzw. 4000 Euro nach Georgien in Kauf nehmen, um nicht in den Krieg gegen die Ukraine ziehen zu müssen, stellt sich für Plasberg die Frage: „Wie gefährlich kann das für Putin werden? Ist das Wunschdenken oder passiert da wirklich was in Russland?“

Udo Lielischkies hofft, dass „die Russen jetzt vielleicht aufgewacht sind, nicht mehr jedes Wort im Staatsfernsehen glauben“. Claudia Major stellt die Kampfkraft der russischen Truppen infrage, an der auch die jetzige Teilmobilmachung nichts ändern wird: „Wenn die schlecht ausgebildeten und wenig motivierten Soldaten an der Front ankommen, werden sie wenig bewirken.“

Und für Wolfgang Ischinger hat Putin längst seine Glaubwürdigkeit verspielt, sodass für ihn die Drohung mit einem Atomwaffen-Einsatz nur ein Bluff ist.

Hart aber Fair im ARD: Die Gäste der Sendung vom 26. September

Ukraine als Thema bei „Hart aber fair“ (ARD): „Gerade jetzt darf sich unsere Regierung nicht wegducken!“

Serap Güler rät, die gegenwärtige Schwäche Russlands zu nutzen, um der Ukraine endlich die benötigten Leopard-Panzer zu liefern: „Gerade jetzt darf sich unsere Regierung nicht wegducken!“ Genau das aber praktiziert in diesem Moment Kevin Kühnert: „Was immer wir tun, tun wir mit kühlem Kopf. Die Entscheider machen sich ständig Gedanken.“

Nur wer die sind und welche Gedanken sie sich machen, will er partout nicht verraten. Selbst Plasbergs süffisanten Einwurf, ob Verteidigungsministerin Lambrecht, die ja vorige Woche Deutschland noch als zukünftige militärische Führungskraft beschwor, diese Entscheidungen trifft, bügelt er humorlos ab. Er faselt was von einer Rechnung mit vielen Unbekannten und sieht sich persönlich nicht in der Lage, die gewünschten Panzer zu liefern, weil er einfach keine Ahnung von der Wirkung von Waffensystemen hat.

ARD-Talk „Hart aber fair“: Kühnert erntet Sprachlosigkeit

Lielischkies versucht’s mit Logik: „Warum liefert die Regierung Panzerhaubitzen, den Leopard 1 aber nicht?“ Major betont das sinnvolle Zusammenspiel der verschiedenen Waffensysteme, um erfolgreich zu sein, was man aber hier fahrlässig ignoriert. „Schließlich ist der ‚Leopard 1‘ die beste Voraussetzung, um den Krieg zu verkürzen“, ergänzt Ischinger.

Und Güler kann Kühnerts Ausrede von dem Dogma der ausschließlich gemeinsamen Entscheidungen nicht mehr hören: „Sie haben keineswegs alles mit den Nato-Partnern abgesprochen, sie sind oft nur hinterher marschiert. Selbst die von ihnen so hochstilisierte Zeitenwende blieb dabei auf der Strecke.“ Kühnert öffnet sich keinem Argument, gibt das trotzköpfige Kind und erntet in der Runde nur Sprachlosigkeit und Kopfschütteln.

ARD-Talk „Hart aber fair“: Sanktionen gegen Russand kein Allheilmittel

Aber Kevin Kühnert ist nicht der einzige SPD-Politiker, der immer mal wieder Wasser auf Putins Mühlen gießt. Auch der Co-Vorsitzende der Partei, Lars Klingbeil (und andere Politiker) gehen Putins Spiel mit der Atom-Angst auf den Leim. „Wenn der Westen sich mit einem drohenden Atomkrieg erpressen lässt, hat Putin gewonnen“, mahnt Claudia Major. Wolfgang Ischinger sieht diese Gefahr allerdings nicht: „Es ist einsam geworden um Putin. Selbst China will Verhandlungen. Indien auch und sogar Erdogan.“

In diese Kerbe schlägt auch der zugeschaltete Wirtschaftsexperte Erdal Yalcin: „Die wirtschaftliche Situation wird ständig bedrohlicher für Putin. Sanktionen sind zwar kein Allheilmittel, wirken aber mittel- und langfristig als flankierende Maßnahmen.“

Und als er Plasbergs Frage, ob wir uns von den Sanktionen schneller erholen können als Russland, mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet, geht man doch ein wenig beruhigt ins Bett – und sei es nur für eine Nacht! (Rolf-Ruediger Hamacher)

Auch interessant

Kommentare