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Der Ukraine-Krieg bei „Hart aber fair“ – Eine Rutschbahn in den Dritten Weltkrieg

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Von: Rolf-Ruediger Hamacher

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„Hart aber Fair“ zum Thema: Die ukrainische Tragödie: Wohin führt dieser Krieg noch?
„Hart aber fair“ zum Thema: Die ukrainische Tragödie: Wohin führt dieser Krieg noch? (Screenshot) © ARD

Frank Plasberg (ARD) diskutiert in „Hart aber fair“ zum Ukraine-Krieg. Es geht um Putin, Flüchtlinge in Europa und die Gefahr eines Atomkrieges.

Ehe das Publikum bei „Hart aber fair“ Raum für Fragen bekommen, dürfen erst einmal die Politiker und Fachleute im Studio ihre Einschätzung zur aktuellen Lage im Ukraine-Konflikt kundtun. Marina Weisband ist sich sicher, dass die Ukrainer weiterkämpfen werden, „selbst wenn Präsident Selenskyj fallen sollte.“ Omid Nouripour ist davon überzeugt, dass das System von Wladimir Putin darauf beruht, dass die Menschen überall Angst haben: „Aber Angst hilft uns jetzt nicht weiter, die hilft nur Putin.“

Christian Hacke legt den Finger in eine Wunde, die viele lieber nicht aufreißen wollen: „Wir haben Putin durch unsere Halbherzigkeit und Naivität erst stark gemacht.“ Trotzdem zeige Putins Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen die Not auf, in der er sich befinde, resümiert General Vad: „Ein langer Krieg wird ihm politisch das Genick brechen.“ Gesine Dornblüth ist dagegen fassungslos, wenn sie in der politischen Diskussion immer wieder die Forderung hört, Putin doch die schon völkerrechtswidrig besetzten Gebiete endgültig abzutreten, damit der Ruhe gibt: „Ihm geht es doch gar nicht um die Ukraine, sondern um Europa insgesamt.“

„Hart aber fair“ (ARD): Kann die Ukraine Russland standhalten?

Jetzt kommen die TV-Zuschauer:innen von „Hart aber fair“ ins Spiel, und aus Hessen kommt die besorgte Erkenntnis, dass sich Putin eine Niederlage gar nicht leisten kann: „Wie würde die Großmacht Russland dann mit ihrer riesigen Armee dastehen?“ Frank Plasberg gibt die Frage gleich in die Runde weiter: „Glaubt jemand, dass die Ukraine der Übermacht von Russland standhalten kann?“ Erich Vad erinnert an die Beispiele der Vergangenheit von Vietnam über Irak bis hin zu Afghanistan, wo die Russen und die Nato letztlich ausgeblutet sind: „Besiegt von den Taliban, mit Turnschuhen, Kalaschnikow und geringer Ausrüstung.“

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg (ARD)Die Gäste der Sendung
Omid NouripourB‘90/Grüne Bundesvorsitzender
Gesine DornblüthJournalistin
Marina WeisbandDeutsch-ukrainische Publizistin, Mitglied der Grünen
Christian HackePolitikwissenschaftler
Erich VadBrigadegeneral a.D.
Isabel SchayaniJournalistin, Moderatorin Weltspiegel

Auch Marina Weisband glaubt in der ARD bei Plasberg an die Standfestigkeit der Ukrainer, weil Putin es in den ersten 72 Stunden nicht geschafft hat, das Land zu überrumpeln: „Je mehr Putin demonstriert, was für stalinistische Maßnahmen er im eigenen Land durchführt, desto mehr wird den Ukrainern klar, in diesem Land ist für uns keine Zukunft, nachdem wir uns Demokratie erkämpft haben.“ Und sie erzählt vom alltäglichen Leben ihrer Verwandten in Kiew, die sich selbst im Krieg ihren Humor bewahrt haben: „Wenn draußen gekämpft wird, dann stellt unser schwerhöriger Onkel einfach den Fernseher lauter, damit die Kinder die Schüsse nicht hören.“

Nouripour zum Ukraine-Krieg bei „Hart aber fair“ (ARD): „Rutschbahn in den 3. Weltkrieg“

Als Wahl zwischen Pest und Cholera bezeichnete unsere Außenministerin Annalena Baerbock die hauchdünne Linie zwischen Waffenlieferungen an die Ukraine und einem militärischen Einsatz der Nato. „Wenn Putin nicht gestoppt wird“, befürchtet Nouripour in „Hart aber fair“, „wird es weitergehen: Moldau, Georgien, Kasachstan, man weiß es nicht. Aber eine direkte Konfrontation zwischen Russland und Nato wäre eine Rutschbahn in den Dritten Weltkrieg.“

Hacke ist beeindruckt vom „grimmigen Selbstbehauptungswillen der Ukrainer“ und erinnert noch mal daran, dass wir nicht ganz unschuldig daran sind, wenn die Ukraine fallen würde: „Wir haben einiges provoziert bei Putin, was nicht hätte sein müssen“. Er plädiert vehement für eine neutrale Ukraine und wundert sich, dass weder vonseiten der USA noch von den Nato-Staaten dieser Gedanke aufgebracht wird. Mit bewundernswert höflicher Süffisanz entgegnet ihm Gesine Dornblüth bei Plasberg in der ARD: „Sie wissen doch, oder vielleicht wissen sie es nicht, 2014 war die Ukraine neutral und trotzdem ist sie angegriffen worden. Putin will keine neutrale Ukraine, er will sie sich einverleiben. Und mit den Chinesen eine neue Weltordnung kreieren, da sie die wahren Vertreter der Demokratie seien.“

Umsturz in Russland? Diskussion zum Ukraine-Krieg bei „Hart aber fair“ (ARD)

Für einen Umsturz in Russland sieht Donblüth keine Anzeichen, denn dann müsste das Volk ja millionenfach auf die Straße gehen. Einzig und allein sein engstes Umfeld und die Oligarchen könnten ihn zum Umdenken bringen - und natürlich der sofortige Stopp von Energie-Importen.

Zur Sendung

„Hart aber Fair“ (ARD) mit Frank Plasberg. Thema der Sendung vom 07.02.2022: Die ukrainische Tragödie: Wohin führt dieser Krieg noch?

Die Sendung in der ARD-Mediathek.

Die Angst vor einem Atomkrieg ist eine zweite Sorge in den Mails der Zuschauer:innen an „Hart aber fair“. Nouripour versteht diese Sorgen, will sich aber nicht von den von Putin aufgebauten Drohungen und Angst leiten lassen: „Das ist natürlich ein Ritt auf Messers Schneide.“ Hacke sieht weiterhin in der Neutralität der Ukraine den Stein des Weisen, weil nur so alle sich gesichtswahrend zurückziehen können, während Nouripour noch einmal die Souveränität Der Ukraine betont, sich selbst zu entscheiden, welchem Bündnis sie sich anschließen will.

Die Runde ringt weiter um Lösungen, findet aber letztlich keine irgendwie praktikablen Antworten. Eine Zuschauerin bringt es dann auf den entscheidenden Punkt: „Wer stoppt endlich Putins Wahnsinn?“ Und schon steht die Frage von einer irgendwie bewerkstelligten Entmachtung und schnödem Tyrannenmord im Raum. Aber überschätzt man da nicht die Opposition in Russland, wie Hacke mutmaßt?

„Hart aber fair“ in der ARD: Der Ukraine-Krieg und die Flüchtlingsfrage in Europa

Und wie wird sich die Flüchtlingsfrage in Europa auswirken? „Die Euphorie zur Hilfe ist noch da“, wie die vom Bahnhof in Frankfurt an der Oder zugeschaltete ARD-Reporterin Isabel Schayani berichtet, „aber das ist endlich, weil immer mehr Flüchtlinge kommen.“ Und keiner fragt nach den zwischen Belarus und Polen festsitzenden Flüchtenden aus dem Nahen Osten - auch Frank Plasberg (ARD) nicht! Haben die sich in Luft aufgelöst oder rutschen sie jetzt mit durch in die Freiheit!? Eine Freiheit, die wir nur mit Härte zeigen und erhöhten Sanktionen erhalten können - bis Putin in Moskau den Hörer abnimmt, wie uns Marina Weisband rät. (Rolf-Ruediger Hamacher)

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