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Lambsdorff bestreitet bei „Hart aber fair“ wirtschaftliche Beziehung zu Russland – trotz Gas-Lieferung

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Von: Teresa Schomburg

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FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff bestreitet in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ eine wirtschaftliche Beziehung Deutschlands zu Russland trotz Gas-Lieferung.
FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff bestreitet in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ eine wirtschaftliche Beziehung Deutschlands zu Russland trotz Gas-Lieferung. (Screenshot) © ARD

Bei „Hart aber fair“ in der ARD mit Frank Plasberg war einmal mehr der Ukraine-Konflikt das bestimmende Thema: Die Gäste verbreiten wenig Hoffnung im Krieg.

„Die Geschichte lehrt: Jeder Krieg ist irgendwann einmal zu Ende, aber wann und wie?“, steigt Frank Plasberg philosophisch ein. Und es schwingt die Frage mit: Funktionieren in diesen Kriegszeiten überhaupt noch Diskussionsrunden wie diese? Zumindest laufen sie nach anderen Gesetzen ab, wie auch der heutige Abend zeigt.

Zunächst hört die Runde bei „Hart aber fair“ nämlich einfach nur zu, und zwar dem SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter, der von seinen Versuchen berichtet, durch die Ukraine zu reisen, von Blut und zerstreutem Spielzeug auf dem Bahnhof von Kramatorsk nach dem dortigen Raketenangriff, vom „unfassbaren Zynismus“, mit dem auf dieser Rakete die Inschrift „Für die Kinder“ angebracht war und von der grausamen Strategie, die Bahnstrecke zu bombardieren, damit sich dort umso mehr Menschen als Angriffsziele versammeln. „Es ist nichts als Terror, was hier passiert“, sagt Christoph Reuter in der ARD. Immer wieder bricht die Leitung zu ihm ab, manchmal sind nur Fetzen zu verstehen, aber jedes Wort trifft.

„Hart aber fair“ (ARD): „Trauriges Aufwachen“ in einer archaischen Welt

Das ist auch den Gästen im ARD-Studio anzusehen. Erschreckend einig sind sich alle in Frank Plasbergs Runde in dem, was zunächst Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Außenpolitiker und stellvertretender Fraktionsvorsitzender ausspricht: „In der nächsten Phase muss die Lösung eine militärische sein. Das mutet archaisch an, aber leider ist es so.“ Ralf Fücks, Leiter der Denkfabrik „Zentrum Liberale Moderne“ und Grünen-Mitglied meint, die Regierung habe sich zwar enorm bewegt, aber immer zu wenig und zu langsam.

„Wir müssen alle Arten von Waffen liefern, auch schwere Waffen, weitreichende Artillerie, gepanzerte Fahrzeug.“ Die alte Unterscheidung zwischen Offensiv- und Defensivwaffen sei sinnlos geworden. Und die ZEIT-Korrespondentin Petra Pinzler zieht ein bedrückendes Fazit mit Blick auf die bisherigen Bemühungen Deutschlands, Konflikte zivil zu lösen, auf die sie bislang immer stolz war: „Ich erlebe das jetzt als ein trauriges Aufwachen, in einer Welt, die anders ist.“

Gäste bei Hart aber fair am Montag (11.04.2022)Beruf
Margarete KleinRussland- und Militärexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik
Alexander Graf LambsdorffAußenpolitiker, stellv. Fraktionsvorsitzender der FDP
Ralf FücksPublizist, Leiter der Denkfabrik Zentrum Liberale Moderne, seit 1982 Mitglied der Grünen
Christoph ReuterSPIEGEL-Reporter, berichtet aus der Ukraine
Petra PinzlerKorrespondentin in der Hauptstadtredaktion DIE ZEIT

„Hart aber fair“ (ARD): Düstere Aussichten - „Zerstörungen wie im Zweiten Weltkrieg“

Ebenso einig sind sich Frank Plasbergs Gäste in der ARD bei der düsteren Analyse, wie lang der Ukraine-Krieg noch dauern und wie erschreckend er noch werden kann. „Russland führt einen Sequenz-Krieg“, sagt Margarete Klein, Russland- und Militärexpertin der Stiftung Wissenschaft und Politik, „Es ist möglich, dass das sehr lange dauert und dabei unterschiedliche Aggregatzustände annimmt, mit mal heiß kochenden, mal scheinbar ruhigeren Phasen“. Ralf Fücks prognostiziert bei „hart aber fair“ sogar: „Es werden Zerstörungen sein, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gesehen haben.“

Diskutieren, das hat Frank Plasberg im Gespür, lässt sich über all diese erschreckenden Szenarien nur schwer. Insofern beschränkt er seine Rolle in weiten Teilen dieser „Hart aber fair“-Ausgabe auf die Moderation der beklemmenden Fragen, die im Raum stehen. Wie lässt sich überhaupt noch mit Russland verhandeln? Dass trotz allem weiter verhandelt werden muss, auch darin sind sich die Gäste weitgehend einig. Etwa in dem Punkt, dass EU-Länder sicherlich nicht etwa aus Ermüdungseffekten darüber entscheiden können, ob man etwa den Donbass dann einfach Russland überlassen solle. „Verhandeln, welche Teile noch zum Land gehören, das ist Sache der Ukraine“, sagt Petra Prinzler und Alexander Graf Lambsdorff stimmt zu: „Wir werden nicht über den Kopf der Ukraine verhandeln über territoriale Fragen.“

„Hart aber fair“ (ARD): Wirtschaftliche Sanktionen - „Die Zeit der billigen Energie ist vorbei“

Fast erleichtert wirkt die Runde, als Frank Plasberg schließlich auf ein Thema umschwenkt, bei dem es zumindest so scheint, als könnte man sogar als einfacher Bürger etwas beitragen: Die Frage nach dem Ausstieg aus russischen Energielieferungen. Kritik, wenn auch vorsichtige, richtet sich dabei vor allem an die Ampelregierung. So bringt Frank Plasberg ein anklagendes Zitat des Kiewer Bürgermeisters Vatali Klitschko. „Es gibt Länder, die sagen, der Krieg ist ganz schlecht. Gleichzeitig wollen sie aber ein wirtschaftliches Verhältnis mit Russland haben“, heißt es da. „Dieser Punkt stimmt nicht“, verteidigt Alexander Graf Lambsdorff sich und die Ampel-Regierung. „Ist das Abkaufen von Gas keine wirtschaftliche Beziehung?“, fragt Frank Plasberg nun doch einmal scharf nach. Der FDP-Mann verweist auf die Bemühungen von Wirtschafts- und Umweltminister Robert Habeck, Alternativen zu finden. „Untätigkeit kann man der Ampel nicht vorwerfen“.

„Hart aber fair“ in der ARD

Hart aber fair vom 11. April in der ARD – Link zur Sendung in der Mediathek

Nun entspinnt sich doch noch eine Diskussion darüber, wie sich russisches Gas und Öl Energie ersetzen und einsparen lässt und wen das am meisten trifft oder treffen sollte: Den Gebäudebereich oder doch die Industrie? Hilft es zu frieren für den Frieden oder anders herum: Darf die Politik die Menschen frieren lassen? Ralf Fücks betont: „Die Zeit der billigen Energie ist vorbei“ und Petra Pinzler ergänzt: „Die Regierung hat noch keine richtige Ansprache dafür gefunden, dass wir lernen müssen, auf Dinge zu verzichten.“ Hier bringt Christoph Reuter erneut die ukrainische Perspektive ein. Zwar verfolge man hier die zögerliche deutsche Haltung mit großem Unverständnis: „Die Gasfrage ist aber nicht so wichtig wie die Frage: Steht Kramatorsk nächste Woche noch?“

„Hart aber fair“ (ARD): Ein bisschen Hoffnung zum Schluss - Die Ukraine als Beispiel, dass Demokratie funktionieren kann

Und was denken eigentlich die Russen? Auch die Antwort auf diese Frage fällt wie erwartet bedrückend aus. Frank Plasberg bringt Umfragezahlen, denen zufolge 83 Prozent der Russen hinter Putins Politik stehen. Aber wie zuverlässig sind solche Zahlen, die aus einer „medialen Umgebung kommen, in der es keine Meinungsfreiheit gibt“, wie Margarete Klein betont. Auf einen Einspieler, in dem eine pro-russische Demonstrantin in Deutschland mit Blick auf die Toten von Butscha sagt, das sei „alles Theater“, Präsident Wolodymyr Selenskyj sei ein Schauspieler und Komiker, sie glaube ihm nicht, ergänzt Margarete Klein: „Vor allem junge Leute in Russland schätzen durchaus die Meinungsfreiheit.“

Hat die Demokratie gegen die Demagogie also doch noch eine Chance? Das Schlusswort in der ARD mit ein bisschen Hoffnung bekommt Ukraine-Korrespondent Christoph Reuter, der von der „wunderbaren Gemeinschaft“ erzählt, die er im vergangenen Monat unter den Ukrainern erlebt habe. „Selenski kann Waffen an die Bevölkerung austeilen, während Putin schon Angst vor einem Wort hat. Ukraine ist das beste Beispiel dafür, dass Demokratie, dass ein freier Staat funktionieren kann.“ (Teresa Schomburg)

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