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Hätte Trump etwa den Ukraine-Krieg verhindert?

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Von: Rolf-Ruediger Hamacher

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„Hart aber fair“: Die Sendung vom 31. Oktober im Ersten
„Hart aber fair“: Die Sendung vom 31. Oktober im Ersten. © Screenshot ARD

Die Talkrunde bei Moderator Frank Plasberg in der ARD zum Thema „Unter Feinden: Spaltet der Populismus die Demokratien?“

Berlin – Vor der gestrigen Ausgabe von „Hart aber fair“ lief eine großspurig als Dokumentation angekündigter Beitrag des ARD-Tagesthemenmoderators Ingo Zamperoni, die sich schon bald als belangloses Feature entpuppte, wie es jeder halbwegs begabte TV-Volontär zustande bringen würde: „Trump, Biden, meine US-Familie und ich.“ Die Reise mit seiner den Demokraten zugewandten Frau zum Schwiegervater, der ein glühender Trump-Anhänger ist, führte sie durch ein gespaltenes Land, das vor den bevorstehenden Halbzeitwahlen vor einer Zerreißprobe steht. Eine tief schürfende Analyse bot Zamperonis Ausflug nicht, wirkte eher wie ein Schaulaufen für die nächste WDR-Intendanz.

Aber man hatte ja die Hoffnung, dass es in Plasbergs Talk-Runde zum Thema „Unter Feinden: Spaltet der Populismus die Demokratien?“ etwas engagierter zugehen wird, zumal auch der Bogen zur Situation in Europa geschlagen werden soll, wo die Populisten ebenfalls auf dem Vormarsch sind.

„Hart aber fair“ (ARD): Zamperoni verweist auf Optimismus der Amerikaner

Obwohl Ingo Zamperoni erfahren hat, dass man sich zurzeit in der Familie auf den kleinst möglichen Nenner wie Sport oder Barbecue konzentriert, um politische Diskussionen zu vermeiden, verweist er mit entwaffnender (oder ist es schon fahrlässiger?) Naivität auf den Optimismus der Amerikaner, „die ja immer schon aus Krisen gestärkt heraus gekommen sind.“

Da kann Norbert Röttgen wieder gleich den souveränen „Elder Statesman“ heraushängen lassen – und uns so ganz nebenbei daran erinnern, welche Chance seine Partei verpasst hat, ihn nicht zu ihrem Vorsitzenden zu machen: „Ich höre immer noch bei vielen republikanischen US-Politikern den Originalton Trump, wenn ich mit ihnen rede. Aber ich lege Wert darauf, mit beiden Lagern zu reden!“

„hart aber fair“ vom 31. OktoberDie Gäste der Sendung
Ingo ZamperoniJournalist
Norbert RöttgenCDU-Bundestagsabgeordneter
Aladin El-MafaalaniSoziologe und Autor
Susanne GaschkeJournalistin
Matthew KarnitschnigJournalist beim Online-Nachrichtenportal Politico

So wirft jeder und jede mal einen kurzen Gedanken in die Runde. In der Hoffnung, er wird aufgefangen und führt zu einer intensiven, im besten Fall streitbaren, Diskussion.

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: Beweis einer gespaltenen Gesellschaft

Matthew Karnitschnig versucht es mit der Frage, „ob es zum Ukraine-Krieg gekommen wäre, wenn Donald Trump im Weißen Haus gesessen hätte?“, worauf Susanne Gaschke mit der Gegenfrage kontert: „Fürchten Autokraten andere Autokraten mehr als Demokraten?“. Aber auch Röttgens Einwand, dass „Trump von Europa mehr Engagement verlangt hätte“ bleibt irgendwo im Raum hängen.

Man wendet sich lieber den Populisten zu, die, so Aladin El-Mafaalani, „die guten, alten Zeiten heraufbeschwören. Aber was ist die gute, alte Zeit, von der hierzulande die AfD immer schwadroniert? Ist es die Zeit vor Hitler, der Nationalsozialismus, die Adenauer-Zeit oder der real existierende Sozialismus?“

Oder muss man, wie Italiens neue Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, einfach „ein entspanntes Verhältnis zum Faschismus bekommen?“

Schon springt man wieder in die USA, wo laut Umfragen 7 Prozent der Amerikaner bereit sind, andere Menschen zu verletzen, um politische Ziele durchzusetzen. Und die Hälfte der Bevölkerung hält einen Bürgerkrieg für möglich. Für El-Mafaalani ist das der Beweis einer gespaltenen Gesellschaft, die nur noch nach dem Prinzip denkt: „Bis du dafür oder dagegen.“ Oder, wie Gaschke zuspitzt: „Du bist ein böser Mensch, wenn du so denkst.“

„Hart aber fair“ (ARD): US-amerikanisches Zwei-Parteien-System als Ursache des Populismus?

Zamperoni erzählt von vielen Freunden, die in diesen beängstigenden Zeiten immer einen gültigen Pass in der Schublade haben, um notfalls fliehen zu können.

Aber dass das US-amerikanische Zwei-Parteien-System, das keinerlei politische Differenzierung und Nuancierung zulässt, eine der Ursachen des Populismus und der Demokratiefeindlichkeit sein könnte, an diese Überlegung wagt sich keiner. Jenseits des großen Teiches, wie auch hier, wird die Flüchtlingskrise vorgeschoben, weil, so Zamperoni, „das Thema Emotionen schürt.“

Zur Sendung

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg. Die Sendung vom 31. Oktober 2022, 21.00 Uhr in der ARD-Meditahek

Was man ja auch am Aufschrei nach Friedrich Merz bewusst provozierender Aussage zum „Sozialtourismus ukrainischer Flüchtlinge“ sah, die Röttgen zwar für „unglücklich“ hält, aber Merz Entschuldigung auch annimmt. Da rumort es ein wenig in der Runde, lässt das Thema aber auch nicht weiter hochkochen.

„Hart aber fair“ (ARD): Problem des aufkommenden Populismus liegt an Nichtwählern

Gaschke sieht das Problem des aufkommenden Populismus eher bei der stetig steigenden Zahl der Nichtwähler und dem Bildungszustand in unserer Gesellschaft, dem die PISA-Studie gerade wieder eine erschreckende Lese- und Schreibschwäche bei den 8-10-Jährigen attestiert hat.

Das sollte auch für El-Mafaalani mehr ein Thema sein, als die „Gendersternchen“.

Vielleicht hat es ja ein Zuschauer in Brigitte Büschers „Mail-Runde“ genau auf den Punkt gebracht, weil die Zweideutigkeit seiner Aussage „Der Populismus gehört zum Wesen der Demokratie“ geradezu nach einem eigenen Themenabend schreit. An dem dann hoffentlich ein schärferer Wind weht, als dieses laue Lüftchen gestern Abend, das sich nur am Ende zu einer kurzen, frischen Brise entfaltete, als Ingo Zamperoni an die Tagesthemen zu Caren Miosga überleitete. (Rolf-Ruediger Hamacher)

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