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Über die Energiekrise darf man ruhig intensiver diskutieren

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Von: Rolf-Ruediger Hamacher

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Frank Plasbergs (rechts) Gäste diskutieren in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ über die Gas-Krise.
Frank Plasbergs (rechts) Gäste diskutieren in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ über die Gas-Krise. © Screenshot/ARD

Bei „Hart aber fair“ (ARD) diskutieren die Gäste mit Frank Plasberg in der ersten Talk-Show-Sendung nach der Sommerpause über die Energiekrise.

Berlin – Nach zwei Monaten Sommerpause ist „Hart aber fair“ (ARD) zurück auf dem Bildschirm. Aber wer gedacht hat, Frank Plasberg hätte die Zeit genutzt, um die zuletzt doch sehr handzahm gewordene Talkshow wieder ein wenig mehr zu ihren kontroversen Wurzeln zurückzuführen, ahnt schon beim Blick auf die Gästeliste, dass es wohl eher versöhnlich enden wird.

Und so kommt es dann auch, wenn Plasberg am Ende der Sendung fragt, bei wem sie denn, bei einer Gasmangel-Lage im Herbst einziehen würden. Saskia Eskens würde sich mit Verena Bentele zusammentun („Wir sprechen eine Sprache“), Klaus Müller würde zu Frau Eskens gehen, weil die eine Wärmepumpe hat, Verena Bentele vermutet dagegen eine private Energiequelle in Müllers Wohnung. Jens Spahn zöge nach den Erfahrungen der vorangegangenen Talkrunde am liebsten zu Christian Kullmann („Weil der alles wieder warm redet“), worauf Kullmann ihm anbietet zu ihm zu kommen, um seine Wohnung warm zu reden.

„Hart aber fair“ (ARD): Gesprächsrunde spiegelt nicht Streitpunkte der Koalition wieder

Dabei hätte das Thema der Sendung „Frieren im Winter, bangen um Jobs: Was kommt, wenn uns das Gas ausgeht?“ durchaus einigen Anlass geboten, um etwas mehr unter die Oberfläche zu gehen. Aber offensichtlich war Plasbergs Redaktion noch im Urlaubsmodus und hatte garnicht mitbekommen, wo die harten Fronten in der Regierungskoalition verlaufen, die die Menschen so verunsichern.

„Hart aber fair“ (ARD):Die Gäste der Sendung
Saskia EskenParteivorsitzende der SPD
Jens Spahnstellv. Fraktionsvorsitzenden der CDU,
Verena Benteledie Präsidentin des Sozialverbands VdK
Klaus MüllerPräsident der Bundesnetzagentur
Christian KullmannPräsident des Verbands der Chemischen Industrie und Vorstandsvorsitzenden der Evonik Industries AG

„Hart aber fair“ (ARD): Vertreter oder Vertreterin der FDP hätte der Sendung gut getan

Da wäre Christian Lindner, unser „Reichen-Versteher“ von der FDP oder einer seiner untertänigen Vasallen gefragt gewesen, um uns mal zu erklären, warum sie immer - trotz Wasserknappheit - immer noch mit der „Gießkanne“ streuend durch die Lande laufen, statt da zu „wässern“, wo eh schon Trockenheit herrscht. Auch die „Linke“ hatte keine Stimme in dieser Runde. Da musste man hinterher schon die „Tagesthemen“ gucken, um im Interview mit dem Co-Vorsitzenden der Partei, Martin Schirdewan, erstaunliche Überschneidungen mit den Vorstellungen der CDU zur Bewältigung der Krise festzustellen.

So verpuffte Spahns Regierungsschelte („Im Kanzleramt wird nichts entschieden, Olaf Scholz hält uns hin, statt zu führen. Und jeden Tag gibt es Streit zwischen Lindner und Habeck“), weil Esken sofort abwiegelte: „Eine von der SPD geführte Regierung wird die Bedürftigen nicht allein lassen.“ Wieso man allerdings die Gasumlage von 2,4 Cent pro Kilowattstunde auch noch mit einer, dem Staat zugute kommenden Mehrwertsteuer, zusätzlich verteuert, konnte auch sie nicht erklären.

Zur Sendung

Hart aber Fair vom Montag, 15.08.2022 im Ersten: „Frieren im Winter, bangen um Jobs: Was kommt, wenn uns das Gas
ausgeht?“

Zur Sendung in der ARD-Mediathek

„Hart aber fair“ (ARD): Aus der Runde kommt nicht viel Erhellendes

Selbst Kullmann räumte ein, dass eine Mehrwertsteuer hier kontraproduktiv ist, hält aber die Gasumlage für das gerechteste Modell. Als ihn Bentele auf die hohen Gewinne der chemischen Industrie während der Energie-Krise und die hohen Dividenden an die Aktionäre anspricht, läßt Plasberg ihn sich herauswinden („Alle müssen lernen, zu verzichten - auch wir“), anstatt nachzuhaken.

Und auch als Jens Spahn die Macht von Klaus Müllers Bundesnetzagentur thematisiert („ Politiker sollten Entscheidungen treffen und nicht ein Behördenchef“) kommt wenig Widerspruch. Kullmanns Dankadresse an Habeck und Lindner für die gute Zusammenarbeit hinter verschlossenen Türen spricht allerdings Bände über das Transparent-Problem der Koalition.

Viel Erhellendes kommt letztlich nicht aus der Runde - und auch die Zuschauermeinungen bleiben meist in wohlfeilen Ermahnungen stecken. Klaus Müller versucht es mit dem Ratschlag: „Unser Ehrgeiz muss sein, die Mangellage zu vermeiden“, was Verena Bentele dann doch erfrischend ironisch kontert: „Ich soll sparen, aber die Skyline in Frankfurt wird angeleuchtet?“ (Rolf-Ruediger Hamacher)

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