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Karl Lauterbach zu Gast in der ARD bei „Hart aber fair“.
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Karl Lauterbach zu Gast in der ARD bei „Hart aber fair“.

TV-Talk

Hart aber fair (ARD): Omikron „kommt von ganz allein“ - Karl Lauterbach zur Corona-Strategie

  • VonTeresa Schomburg
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Zwei Jahre Corona-Pandemie und kein Ende in Sicht. Für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist die Durchlauf-Strategie wie in Großbritannien eine „unethische Wette“.

Berlin - Zum zweiten Pandemie-Geburtstag hätte Frank Plasberg bei Hart aber fair gern einen Corona-Rückblick gebracht, aber Omikron lässt es nicht zu. Stattdessen muss Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wieder mit stoischer Ruhe viel erklären in einer Runde, die zwar angenehm sachlich diskutiert, in der Sache aber auch bedrückend ratlos wirkt. Wie der Moderator immer wieder betont: „Es bleibt kompliziert“.

Scheinbar einfach dagegen ist Frank Plasbergs zentrale Frage zu beantworten: Was ist nun die richtige Strategie bei Omikron: Weiter impfen oder durchlaufen lassen? Hier ist, anders als bei späteren Debatten, Gesundheitsminister Karl Lauterbach ganz klar: „Wir müssen dem Virus nicht die Türen öffnen, es kommt ja von allein.“ Von einer Durchlauf-Strategie wie in Großbritannien hält er nichts: „Das ist eine unethische Wette. Ein solches Experiment wäre bei uns überhaupt nicht tragbar“, allein weil die Impfquote in Großbritannien bei den über 65-Jährigen deutlich höher ist als in Deutschland.

Hausärztin erzählt bei Hart aber fair (ARD) von den Problemen aus den Praxen

Während Karl Lauterbach in der „Hart aber fair“- Runde noch versucht zu beruhigen mit Verweisen auf die große Booster-Kampagne in Deutschland, bringt die Hausärztin Anke Richter-Scheer, Vorsitzende Hausärzteverband Westfalen-Lippe, Probleme aus Ihrem Praxis-Alltag auf den Tisch: Weil die Verteilung zu schlecht funktioniere, habe sie zu wenig Impfstoff, vor allem von BioNTech, den sich aber viele Patienten wünschen.

„Ich sage meinen Patienten dann ganz klar: „Wir sind in keinem Wunschkonzert““. CDU-Mann Thorsten Frei, im Verlauf der Sendung sichtlich bemüht, einen konstruktiven Oppositionspolitiker abzugeben, kommentiert mit leichter Wehmut: „Das ist der Vorzug der Hausärzte, dass sie so deutlich mit ihren Patienten reden können.“ Als Politiker hat er es da offensichtlich deutlich schwerer.

Quarantäne-Kuddelmudel bei Hart aber fair in der ARD: Ab wann gilt was?

Wie schwer, wird deutlich, als Frank Plasberg versucht in seiner ARD-Sendung, Klarheit über die neuen Quarantäne-Regeln zu gewinnen. „Ab wann gelten diese Regeln denn nun?“, will er wissen. Thorsten Frei verstrickt sich bei der Erklärung in Widersprüche, Karl Lauterbach springt ihm zu Hilfe: „Die Rechtsverordnung geht am Freitag durch den Bundesrat, bis dahin gelten noch die alten Regeln“. Frank Plasberg hält das für irreführend, auf der Seite der Bundesregierung stehe schließlich jetzt schon: „Das sind die aktuellen Corona-Regeln“.

Zur Sendung

„Hart aber fair“ in der ARD. Die Sendung vom 10.01.2022 in der Mediathek.

Hart aber fair (ARD): Das Leid der Kinder in der Corona-Pandemie

Claudia Kade, Ressortleiterin Politik bei der „Welt“ bringt noch einen anderen wichtigen Punkt in die „Hart aber fair“-Gesprächsrunde ein: „Wo tauchen eigentlich die geimpften Kinder auf in dieser Aufstellung“? Karl Lauterbach erklärt und verspricht: „Wenn der Beschluss da sind, werden wir präzise auf der RKI-Seite beschreiben, wie das umzusetzen ist.“ Als die Journalistin aber wenig später noch auf beunruhigende Zahlen hinweist zu gestiegenen Suiziden, Essstörungen und psychosoziale Probleme unter Kindern und Jugendlichen, wird es einen Moment sehr still in der ARD.

Hart aber fair - Frank Plasbergs Gäste in der ARD

Hart aber fair vom 10.01.2022 (ARD)Die Gäste der Sendung
Prof. Dr. Karl Lauterbach, SPDBundesgesundheitsminister
Thorsten Frei, CDU Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Claudia KadeJournalistin
Anke Richter-ScheerHausärztin, Vorsitzende Hausärzteverband Westfalen-Lippe
Antonie RietzschelJournalistin

Bis Karl Lauterbach sich fängt und darauf verweist, dass der von Claudia Kade suggerierte Zusammenhang zum Lockdown womöglich vorschnell sei. Denn auch in anderen Ländern mit weniger harten Maßnahmen wie den USA oder Großbritannien zeichnen sich ähnliche Probleme ab. „Der Großteil der Probleme liegt womöglich eher in dieser furchtbaren Pandemie“, vermutet Karl Lauterbach. Thorsten Frei verweist noch auf die Situation letztes Jahr, kurz vor Weihnachten, als das Gesundheitssystem sehr nah an der Überlastung war und auch die Schulen geschlossen wurden: „Da musste man mit harten Maßnahmen eingreifen.“ Es klingt beinahe flehentlich, denn letztlich wissen alle bei „Hart aber Fair“: Die Kinder haben mit am meisten gelitten und tun es immer noch.

Der Groll der Corona-Protestler: Was nützten da noch Argumente?

Umso unverständlicher muten die weiter um sich greifenden Proteste an. Mit der Journalistin Antonie Rietzschel, die für die Süddeutsche aus Leipzig berichtet, will Frank Plasberg aufdröseln, wer warum eigentlich gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Die Journalistin erklärt dem „Hart aber fair“-Moderator, der sich selbst als „hoffnungsloses Westgewächs“ outet, wie die Ost-Protestler ticken, die aus einer Diktatur-Erfahrung heraus sich vom Staat nicht gängeln lassen wollen und für die sogar rechtsextreme Parolen normal werden. „Da geht es sehr stark um eine Emotionalisierung. Das betrifft auch Menschen aus meinem Umfeld, zu denen ich mit Argumenten nicht mehr durchkomme,“ sagt Antonie Rietzschel.

Auch Karl Lauterbach, der immer wieder Zielscheibe von Hass und Morddrohungen aus diesem Milieu ist, glaubt nicht, dass er diese Leute mit Argumenten überzeugen kann. Klar sei aber für ihn: „Wir lassen uns nicht erpressen. Wir ändern die Beschlusslage nicht, weil eine kleine Gruppe Druck macht.“ Mehr Sorgen als um sich selbst, mache er sich dabei um die Kommunalpolitiker, die viel schlechter geschützt sind.

Fruchtlose Impfflicht-Debatte bei Hart aber fair in der ARD

Nach diesen hoch emotionalen Themen wirkt eine fruchtlose Debatte um die Impfpflicht etwas verschenkt. Frank Plasberg will Karl Lauterbach bei „Hart aber fair“ noch schnell auf Aussagen dazu festnageln, der verweist aber auf demokratische Prozesse und will in der Impfpflichtfrage keine Parteienpolitik betreiben. Thorsten Frei beginnt auf den letzten Metern doch noch an der Regierung zu herum zu meckern, bis Hausärztin Anke Richter-Scheer die Politiker mit dem Resümee erlöst: „Wahrscheinlich ist die Impfpflicht die ultima Ratio“. Sicher ist nur: Fortsetzung folgt in der ARD. (Teresa Schomburg)

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