Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Moderator Frank Plasberg mit seinen Gästen bei „hart aber fair“ vom 14.12.2020
+
Moderator Frank Plasberg mit seinen Gästen bei „hart aber fair“ vom 14.12.2020

TV-Kritik

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: Erst kommt Weihnachten, dann kommt die Moral

Frank Plasberg erörtert mit seinen Gästen die Corona-Weihnacht im verschärften Lockdown, die viel beschworene Eigenverantwortung und die Hoffnung auf baldige Impf-Wellen. 

  • Bei „Hart aber fair“ diskutiert Frank Plasberg in der ARD mit seinen Gästen über den kommenden harten Lockdown.
  • Beonders das Thema Weihnachten und Silvester unter pandemischen Bedingungen sorgt für viel Gesprächsbedarf.
  • Politisch scheint es Willen, aber wenig Spielraum zu geben – man begnügt sich bei „Hart aber fair“ (ARD) also lieber mit Moralurteilen.

„Das war gefühlt die 28. Corona-Sendung in diesem Jahr,“ wird der ARD-Moderator Frank Plasberg am Ende der 75 Minuten Gesprächszeit sagen. Womit lediglich die Pandemie-Talks bei „Hart aber fair“ in der ARD gemeint sind. Und so hat sich – analog zur „Pandemiemüdigkeit“ und obwohl es immer neue Erkenntnisse, Zahlen, Maßnahmen zu berichten gilt – inzwischen auch eine gewisse Corona-Talk-Müdigkeit eingestellt. Vor allem, wenn es wie bei der gestrigen Runde eher um moralische Bewertungen denn Fakten geht.

TV-Kritik zu „Hart aber fair“ in der ARD: Weihnachten im Lockdown bestimmt Talkrunde

Unter dem feierlichen Titel „Macht zu die Tür, die Fenster auf – sieht so das Fest der Vernunft aus?“ thematisiert der Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ (ARD) die anstehenden Feiertage. Zu Gast: Der zugeschaltete niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil, die evangelische Theologin und Regionalbischöfin Ellen Radtke, der Mediziner und SZ-Wissenschaftsredakteur Werner Bartens sowie Susanne Herold, Professorin für Infektionskrankheiten der Lunge am Uniklinikum Gießen. Außerdem, quasi als Stellvertreterin der Leute von nebenan: Die Kabarettistin Margie Kinsky. 

Die Frage, was der neue harte Lockdown bringt, gehört dieser Tage zu den wohl meistdiskutierten in zahlreichen Bekanntenkreisen. Gleich zu Beginn des Stillstands steht nun Weihnachten an, für viele Deutsche das höchste Fest des Jahres. In der Runde bei „Hart aber fair“ (ARD) besteht rasch Einigkeit, dass die Menschen verantwortlich im kleinsten Kreis feiern sollen.

„Hart aber fair“ (ARD) in der TV-Kritik: Lockdown oder „eine Auszeit nehmen“

Ministerpräsident Weil mahnt, man müsse die Regeln ernst nehmen, sonst gerate das Coronavirus außer Kontrolle. Susanne Herold erklärt, dass die Krankenhäuser an eine Grenze stoßen und die Fachkräfte Entlastung benötigen. Beschworen wird wie so oft die Eigenverantwortung. Stephan Weil wirkt arg erzieherisch, wenn er darauf hinweist, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung „nicht hören“ will. „Schlupflöcher“ im Regelwerk sollen nicht ausgenutzt werden. Und einen netten Euphemismus für den Lockdown hat der Politiker parat: „eine Auszeit nehmen.“ 

Um die Regeln zu befolgen, muss man diese aber erstmal durchblicken. Auch das wird bei Frank Plasberg in der ARD diskutiert: Was gilt überhaupt, welche Konstellationen sind erlaubt, was zählt als „engster Kreis der Familie“? Zu den im Regelwerk verankerten „Verwandten aus gerader Linie“ haben nicht alle Menschen Kontakt, manche lieben eine ganz eigene „Herzensfamilie“, meint die Pfarrerin Ellen Radtke.

TV-Kritik zu „Hart aber fair“ (ARD): „Die Oma hat Vorfahrt“

Stephan Weil hat die Lösung parat: Fünf Menschen aus zwei Haushalten seien ja unabhängig vom Christenfest erlaubt. Trotzdem, sagt Plasberg: Das Fest habe eine „innerfamiliäre terroristische Seite“, biete „Sprengstoff“. Mit wem feiern, mit wie vielen, unter welchen Bedingungen? 

„Ich bin ja eine Weihnachtskitsch-Kuh,“ sagt die Kabarettistin Margie Kinsky – ein Foto vergangener Festtage belegt es. Das mag erklären, warum Kinsky bei der Feiertagsdiskussion ganz besonders engagiert auftritt. Als sechsfache Mutter muss die Komikerin planvoll vorgehen. Sie wolle sich ein besinnliches Weihnachten nicht nehmen lassen, aber es gibt natürlich Einschnitte. „Die Oma hat Vorfahrt,“ erklärt Kinsky. Danach kommen die alleinlebenden ihrer Söhne an die Reihe, aber nur wenn sie vor dem Fest eine Woche eine strenge Selbstquarantäne abhalten und an der Türschwelle einen Antigen-Schnelltest machen.

Auch der Arzt und Journalist Werner Bartens empfiehlt Schnelltests für die Verwandtschaft. Woher man diese als Normalbürger:in beziehen soll, bleibt offen. Die Apotheken vergeben die Tests bisher nur an Arztpraxen und Krankenhäuser, die Online-Angebotspalette wirkt nicht unbedingt seriös. Und später in der Sendung weist Susanne Herold darauf hin, dass die Qualität der verschiedenen Schnelltests schwankt: Nicht alle Testergebnisse kann man für bare Münze nehmen. 

Die Gäste bei „Hart aber fair“ am Montag (14.12.2020) in der ARD

GastBeruf
Stefan Weil (SPD)Ministerpräsident des Landes Niedersachsen
Dr. Susanne HeroldProfessorin für Infektiologie und Medizinerin am Uniklinikum Gießen
Ellen RadtkePfarrerin
Dr. Werner BartensMediziner, Journalist
Margie KinskyKabarettistin

Moralische Urteile machen sich breit bei „Hart aber fair“ in der ARD

Es wird moralisch bei „Hart aber fair“ in der ARD. Als Negativbeispiel dienen Äußerungen in den sozialen Netzwerken, wo User:innen tönen, dass sie sich Weihnachten „nicht verbieten lassen.“ Auch das bockige Zitat vom CDUler Friedrich Merz, dass es den Staat nichts angehe wie er feiert, sorgt für Unmut. Margie Kinsky legt bei der Moralbewertung erregt vor: „Mir bleibt da die Spucke... oder?!“ Werner Bartens verweist darauf, dass die Freiheit des Einzelnen dort ende, wo sie Andere gefährde – schließlich könnten wir alle zu Virenschleudern werden. Und Weil fordert Merz für seinen Spruch indirekt zum Rücktritt von der Kandidatur um den CDU-Vorsitz auf. 

Eine andere Sichtweise bringt die Geistliche Ellen Radtke ein. Für Ältere könne das Weihnachtsfest auch ohne Corona das letzte sein. Ähnlich äußert sich eine Zuschauerin im Internet: „Sollten die Alten nicht selbst entscheiden, ob sie das Risiko eingehen wollen?“ Eine überlegenswerte Perspektive. Wenn die Großmutter allein mit ihrem Wellensittich zu Hause sitzt, ist das freilich trist. Wie so vieles in der Corona-Pandemie ist die Frage nach Familienzusammenkünften eine Sache der Abwägung und des Fingerspitzengefühls. Ohne Einsicht funktioniert es nicht. Dass jemand vom illegalen Rave zur Bescherung torkelt, scheint derweil kaum vorstellbar – aber möglich ist alles.

Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ (ARD): Datenschutz egal, wenn es hilft

Kurz darauf hat Ellen Radtke Mühe und Not, die Gottesdienste an Weihnachten zu verteidigen. Es gelte ein besonderer Grundrechtsschutz für Religionsausübung, sagt Radtke, die Kirche sei ein Zufluchtsort. Werner Bartens wendet ein, dass auch andere Grundrechte eingeschränkt sind. Und dass es eben auch Menschen gebe, die Kulturveranstaltungen eine spirituelle Seite abgewinnen. Oder dem Tennisspielen. Stephan Weil weist noch auf freikirchliche „Problemgruppen“ hin, darunter Evangelikale; hier habe es oft Corona-Ausbrüche gegeben.

Ein weiterer Zweig des Gedankenaustauschs dreht sich um die Frage, wie man die Pflegeheime besser schützen kann, wo die meisten Corona-Toten zu beklagen sind. Und ob es nicht eine Strategie wäre, lediglich die Risikogruppen zu schützen. In der Diskussion kommt auch die Datenschutzfrage auf. „Datenschutz ist jetzt mal egal, wenn es hilft,“ spitzt Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ in der ARD in Bezug auf die Corona-App zu. „Unbedingt,“ findet Weil. Er würde es nur anders ausdrücken – schließlich ist er Politiker. 

TV-Kritik zu „Hart aber fair“ in der ARD: Verhalten optimistischer Ausblick

Am Ende dann ein Ausblick auf das nächste Corona-Jahr. Als Licht am Ende des Pandemie-Tunnels harrt der neuartige Impfstoff seiner Zulassung, auch das wird kurz besprochen. Susanne Herold sieht beim logistischen Aufwand rund um die geplante Massenimpfung Fallstricke, der Ministerpräsident Stephan Weil stimmt hoffnungsfroher. So oder so gilt nach wie vor das vom Gesundheitsminister Jens Spahn bereits im April geäußerte Wort, dass wir uns nach der Pandemie „alle miteinander viel verzeihen müssen.“

Nicht alles ist beim Krisenmanagement gut gelaufen. Auch die Journalist:innen hätten Fehler gemacht, räumt Werner Bartens ein. Aber das kann sich ja noch ändern. Denn die Corona-Krise ist längst nicht vorbei – und wird wohl noch in etlichen Talkshows zum Thema avancieren. (Christian Horn)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare