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Bei „Hart aber Fair“ im Ersten diskutierten die Gäste am Montag über die Kluft zwischen Stadt und Land.
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Bei „Hart aber Fair“ im Ersten diskutierten die Gäste am Montag über die Kluft zwischen Stadt und Land.

TV-Kritik

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: „Alltagsrassismus auf dem Land ist Standortfaktor“

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    VonRolf-Ruediger Hamacher
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Frank Plasberg diskutiert in „Hart aber fair“ (ARD) über das Thema „Abgehängt und unverstanden: Wie tief ist die Kluft zwischen Stadt und Land?“

Bei „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg (ARD) macht Schriftstellerin Juli Zeh, die vor 14 Jahren aus der Stadt in ein Dorf in Brandenburg gezogen war, mit ihrer These „Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land gefährdet unseren sozialen Frieden“ gleich ein Fass auf. Sie verweist auf die Entwicklung auf dem Balkan und den USA, wo weniger die Unterschiede zwischen Ethnien und Religionen als die zwischen Zentrum und Peripherie die größte Rolle gespielt haben.

Sie redet von Dystopie, Volatilität und Antagonismus und liefert mit ihrer abgehobenen Sprache gleich einen der Gründe, warum sich die Landbevölkerung von den urbanen Städtern von oben herab behandelt fühlt. Dieses Kommunikationsgefälle sieht auch Jamila Schäfer als Problem, begründet es sprachlich aber auch nicht besser: „Die Städter suchen und leben zu sehr in ihrer eigenen Bubble“. Frank Plasberg kommt bei „Hart aber fair“ in der ARD da die Kritik von Cem Özdemir (Grüne) an seiner eigenen Partei in den Sinn, der nach dem letztlich doch enttäuschenden Wahlergebnis der Grünen bemängelt hatte, dass man „mitunter sprachlich wie ein Eliten-Projekt gewirkt habe, obwohl wir genau das nicht sein wollen.“

„Hart aber fair“ im Ersten: Unterschiedliche Lebenswirklichkeiten in Stadt und Land

Von da war es zur Wahlkampf-Idee der Grünen, eine Million Lastenfahrräder mit je 1000 Euro zu fördern, nicht weit. Das findet Marco Scheel eine typisch urbane Schnapsidee, denn in seinem 400-Seelen-Dorf im Mecklenburg-Vorpommern verhindert schon das Kopfsteinpflaster die praktische Umsetzung. Wie auch Jamila Schäfer (Grüne) bei ihren Wahlkampfauftritten außerhalb Münchens beobachtet auch er in seiner Gemeinde eine gewisse Angst vor einer grünen Programmatik: „Das hat weniger mit Inhalten zu tun, als mit dem mit dem Vokabular.“

Und dann kommt der gelernte Wirtschafts-Ingenieur, der mit „Nordwolle Rügen“ einen 20 Angestellte beschäftigenden, ökologischen Textilbetrieb bei Wismar aufgebaut hat, bei „Hart aber fair“ auf die Bürokratie zu sprechen, die kräftig damit beschäftigt ist, die Kluft zwischen Land und Stadt noch tiefer werden zu lassen. „Ich scheiß auf die Glasfaser“, drückt er es drastisch aus, „ich brauche Platz für meinen Betrieb. Aber den will man mir auf dem Dorf nicht zugestehen, bietet mir aber ein Gelände im Industriegebiet von Wismar an.“

Gäste bei Frank Plasberg
Reiner GroppWirtschaftswissenschaftler
Simon PearceSchauspieler und Kabarettist
Jamila SchäferStellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen
Marco ScheelUnternehmer, Gründer von Nordwolle Rügen
Juli ZehBestseller-Autorin („Über Menschen“)

Die noch aus der DDR stammenden Bauverordnungen hat man nie der Realität angepasst, sie mittlerweile zu Schildbürgerstreichen verkommen lassen: Eine Garage, in die damals nur ein Trabi passen musste, darf man nicht vergrößern, obwohl heute fast jeder einen SUV fährt.

Ganze Regionen veröden: Diskussion bei „Hart aber fair“ in der ARD über Stadt- und Landleben

Dieses „Knüppel in den Weg schmeissen“ der Bürokratie bedauert bei Frank Plasberg auch Jamila Schäfer, die für eine innovationsfreundliche Infrastruktur wirbt und der „Der Markt regelt das schon selber“-Ideologie eine klare Absage erteilt: „Diese Logik hat dazu geführt, dass ganze Regionen veröden.“ Darum würden auch viele ihrer Münchener Bekannten trotz der hohen Mieten nicht aufs Land ziehen, weil es dort vom Gesundheitswesen über die Einkaufsmöglichkeiten bis hin zu Schulen und Kulturangeboten an allem fehle.

Da sehen aber die per Mail zugeschalteten Zuschauer von „Hart aber fair“ auch die Landbevölkerung in der Pflicht: Die waren es doch, die mit dem Auto in die billigen Supermärkte gefahren sind und die Tante-Emma-Läden in den Ruin getrieben haben. In den Ruin getrieben fühlt sich auch so mancher Schäfer auf dem Lande, berichtet Marco Scheer, wo man wenig Verständnis für einen als übertrieben empfundenen Wolfschutz hat: „Wie kann man den mit Ökologie und Tierwohl begründen, wenn man gleichzeitig Tiermast-Anlagen genehmigt?“

„Hart aber fair“ im Ersten: Alltagsrassismus auf dem Land schreckt auch Unternehmen ab

Der Wirtschaftswissenschaftler Reint Gropp versucht das Thema des Abends auf die einfache Art zu beschreiben: „Es geht hierzulande oft darum, dass der Staat zu wissen glaubt, was richtig ist, als das er auf Einzelne, wie den Unternehmer oder den Bürgermeister auf dem Lande hört. Das unterbindet die Eigeninitiative.“ Leider bindet Frank Plasberg Gropp genauso wenig in die Diskussion ein, wie den Schauspieler Simon.

Pearce, der lediglich ein paar Fragen zum unvermeidlichen Mode-Thema „Alltagsrassismus auf dem Lande“ beantworten muss: „Die Dorfnazis sind schon äußerlich leichter zu erkennen als die Nazis in der Stadt.“ Sonderlich vertieft wird die eigentlich schon allein abendfüllende Frage nicht, wie Gropps Einwurf verdeutlicht: „Alltagsrassismus auf dem Lande ist ein Riesen-Standortfaktor für Unternehmen, die auf internationales Personal angewiesen sind. Die gehen dann im Zweifel lieber in eine andere Region.“

Kluft zwischen Stadt und Land bei „Hart aber fair“ in der ARD: Es geht auch kontroverser

Nach einer nicht gerade spannenden Diskussion, in der Altbekanntes noch mal mit wenig Erkenntnisgewinn durchgekaut wurde, schaltete man mit dem unbefriedigten Gefühl ab, das man das Thema doch mal mit wirklich kompetenten Entscheidungsträgern diskutieren möchte - auch gerne kontroverser! (Rolf-Ruediger Hamacher)

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