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„Hart aber fair“ (ARD): Röttgen will sich in Ukraine-Konflikt „nicht einmischen“

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Von: Tina Waldeck

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„Hart aber fair“ – Die Sendung vom 14.02.2022 befasst sich mit dem Ukraine-Konflikt.
„Hart aber fair“ – Die Sendung vom 14.02.2022 befasst sich mit dem Ukraine-Konflikt. © Screenshot ARD

Frank Plasberg diskutiert in „Hart aber fair“ (ARD) die Ukraine-Krise. Dass die Ukraine seit 30 Jahren ein unabhängiges Land ist, sei Putins Russland egal.

Köln - „Es wirkt wie aus einem Film, dessen Spannungsbogen ein friedliches Ende kaum möglich macht“, prophezeit Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ (ARD) am Montag, 14. Februar, eine düstere Liebesgeschichte. Russlands Aufmarsch an der ukrainischen Grenze: Wie ein Liebhaber, welcher nicht erträgt, dass die Liebste ein eigenes Leben führen möchte.

Viele westliche Länder haben mittlerweile eine Reisewarnung in die Ukraine ausgesprochen. „Wer nicht unbedingt dort sein muss, sollte gehen“, formuliert es Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ (ARD) und Sarah Pagung (Russland-Expertin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik) bestätigt, dass es nicht so viele Regierungen parallel empfehlen würden, wenn nicht zu befürchten wäre, dass es dort zu einem weiteren Krieg kommen könnte.

Aus Kreisen des Geheimdienstes heißt es, Russland könnte schon am kommenden Mittwoch (16.02.2022) die Ukraine angreifen. Auch wenn Sarah Pagung bei „Hart aber fair“ (ARD) betont, dass sie mit Aussagen, die von den amerikanischen Geheimdiensten kommen, vorsichtig wäre: An der ukrainischen Grenze haben sich mittlerweile circa 130.000 kampfbereite russische Soldaten eingefunden. Ebenfalls am Montag, 14. Februar, war Bundeskanzler Olaf Scholz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und fand dort, für seine Verhältnisse, überraschend deutliche Worte: Er erwarte von Russland „klare Schritte der Deeskalation“.

„Hart aber fair“ (ARD): „Russland verhält sich absolut verantwortungslos“

Dies findet Michael Roth (Mitglied der SPD und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses) bei „Hart aber fair“ (ARD). Wladimir Putin schaffe gezielt eine bedrohliche Situation und trage damit massiv zu einer „Destabilisierung des östlichen Europas“ bei. Norbert Röttgen (Mitglied der CDU sowie Mitglied im Auswärtigen Ausschuss) erklärt, dass Wladimir Putin absolut entschlossen sei, die „politische Landkarte Europas zu verändern“.

Die Motivation dahinter: Angst vor der Demokratie? Ist es nicht nur eine Frage der Zeit, bis auch junge Russen hinterfragen, warum sie das nicht haben, was sich Länder wie die Ukraine und Belarus gerade erkämpfen? Mit einem alternden Mann an der Macht, welcher nicht offen für Modernisierung sein kann und der, nach Norbert Röttgen, sich nach wie vor nicht damit abfindet, dass die Sowjetunion nicht mehr existiert. „Eigentlich geht es Wladimir Putin nur darum, die Uhr zurückzudrehen.“

Er möchte zwei Sphären: Eine amerikanische und eine russische. Europa spielt da keine Rolle. „Wir haben uns nicht bei den östlichen Ländern einzumischen“, weil das die „Sphäre von Herrn Putin ist“, erklärt Norbert Röttgen bei „Hart aber fair“ (ARD) weiter. „Putin hat keine Mittel der Attraktion, sondern nur der Aggression.“ Eine brodelnde Mischung und „Politik aus dem 19. Jahrhundert“, rümpft Norbert Röttgen die Nase: Denn hier versucht sich der stärker wähnende, mit allen Mitteln das zu nehmen, was er denkt, dass ihm zusteht, nur weil er es einmal besessen hat.

„Hart aber fair“ (ARD): Wann findet kein respektvoller Dialog mehr statt im Ukraine-Konflikt?

Im Gespräch mit Emmanuel Macron erklärte Wladimir Putin mit Blick auf die Ukraine: „Ob es dir gefällt oder nicht, du wirst dich fügen müssen, meine Schöne!“ Dass so eine sexistische Äußerung nicht für viel mehr Empörung gesorgt hat, ist für Mariam Lau (Redakteurin im Politikressort der Zeit) bei „Hart aber fair“ (ARD) absolut unverständlich. Sie, die Ukraine, hat sich zu fügen, nur weil Russland sie einst sein Eigen nennen konnte?

„Hart aber fair“ vom 14.02.2022 in der ARDDie Gäste der Sendung
Michael RothBundestagsabgeordneter SPD, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
Norbert RöttgenCDU-Bundestagsabgeordneter, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss
Sarah PagungPolitikwissenschaftlerin, Russland-Expertin der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)
Mariam LauRedakteurin im Politikressort der Zeit
Vassili GolodRedakteur und Reporter im WDR-Newsroom, Podcaster

Gut, die Wurzeln der beiden Länder sind noch immer tief verbunden, wie auch bei Vassili Golod (Redakteur und Reporter im WDR-Newsroom sowie Podcaster) exemplarisch gut zu erkennen ist: Dessen Vater kommt aus der Ukraine, die Mutter aus Russland. Auch in der Ost-Ukraine, der von Russland besetzten Krim, wo bereits seit 2014 Krieg herrscht, hat er Verwandte. Da findet er ganz andere Ansichten als bei seinem Opa in Russland. Auch dieser hat noch das veraltete imperiale Denken, wo die Ukraine immer noch zum Territorium Russlands gehört: dabei ist sie seit 30 Jahren nun schon ein unabhängiges Land.

Da hat eine ganz andere Entwicklung stattgefunden: Hier sind sie stolz auf ihre Demokratie und dass sie ihre Meinungen frei sagen können. Niemand kann, findet Vassili Golod bei „Hart aber fair“ (ARD), diese beiden Länder wieder zusammen zwingen. Russland sei „wie ein toxischer Partner“, welcher nicht einsieht, dass die Beziehung vorbei ist. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe geht mit Russland nicht, da suche sich die Ukraine eben Partner, von denen sie „besser“ behandelt wird. Ein erneutes friedliches Zusammenkommen der beiden scheint undenkbar.

„Hart aber fair“ (ARD) mit Plasberg: „Krieg ist nichts Populäres“

Nun ist es die Frage, wie die Trennung weiter verlaufen wird. Für Wladimir Putin wird es ein innenpolitisches Risiko, wenn er entweder Soldaten verlieren oder es zu einer wirtschaftlichen Sanktion gegenüber der Bevölkerung kommen würde, zeigt Norbert Röttgen bei „Hart aber fair“ (ARD) auf. Sarah Pagung stimmt ihm zu, denn die Bevölkerungen in der Ukraine und in Russland sehen sich eben immer noch, wie aufgezeigt, eng verbunden: Verluste oder Einschränkungen würden beiden Seiten schaden.

Zur Sendung

„Hart aber fair“ vom 14.02.2022 in der ARD. Moderator: Frank Plasberg. Thema der Sendung: Hauptsache friedlich und warm: Scheut Deutschland klare Kante gegen Putin? Die Sendung in der ARD-Madiathek.

Und wie reagieren wir in Deutschland? Wegschauen, weil es uns nicht betrifft? Aber „es sind unsere Nachbarn“, erklärt Mariam Lau bodenständig. „Natürlich sollten wir da an der Seite der Ukraine stehen.“ Aus einer Demokratie heraus gegen eine erneute Zwangsheirat. Auch alle anderen sind sich hier mit ihrer Haltung einig: „Uns mangelt es an Empathie und Interesse für die östlichen Länder, doch auch diese sind Europäerinnen und Europäer“, appelliert Michael Roth an menschlichem Mitgefühl und Verständnis.

Da sei es erfreulich, dass eigentlich alle Regierungen „das gleiche Lied singen, wenn auch in einer anderen Tonlage“: Wir stehen an der Seite der Ukraine. Da muss diese politische Meinung jetzt nur auch Olaf Scholz als Eheberater am Dienstag in Moskau vertreten, um eine Schlammschlacht, die noch mehr Verletzungen auf beiden Seiten bringen würde, hoffentlich zu verhindern. (Tina Waldeck)

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