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„hart aber fair“ nach der Bundestagswahl im Ersten.
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„Hart aber fair“ nach der Bundestagswahl im Ersten.

TV-Kritik

„Hart aber fair“ (ARD): Selbst Moderator Plasberg haut auf Laschet ein

  • VonTeresa Schomburg
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Steht Deutschland nach der Bundestagswahl vor einem langen Ringen um die Macht? Im Polit-Talk „Hart aber fair“ wird bei Plasberg die Frage diskutiert: Wer wird Kanzler?

Berlin - „Sekt oder Selters?“ fragt Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ in der ARD und bringt zum Start einen Einspieler, in dem eine Kollegin Menschen in Berlin-Reinickendorf stellvertretend für die Bürger:innen des Landes zwischen Sekt und Selters-Flaschen wählen lässt. „Für den Sekt ist es zu früh“, fasst eine der Befragten die Lage der Nation zusammen.

Denn am Tag nach der Bundestagswahl 2021 geht das Rätselraten richtig los: Wer wird Kanzler, und wer rauft sich mit wem zu einer Koalition zusammen? Die Debatte bei Hart aber fair“ mit Frank Plasberg verheißt Zündstoff, nicht nur, weil Vertreter aller Parteien dabei sind, die für Koalitionsverhandlungen infrage kommen, sondern auch der für scharfzüngige Beiträge bekannte Autor und „Spiegel“-Kolumnist Sascha Lobo und die analytisch versierte ZEIT-Politikressort-Redakteurin Mariam Lau.

„Hart aber fair“ (ARD): Punktsieg für Scholz

Für Armin Laschet, so jedenfalls die einhellige Meinung unter Frank Plasbergs Gästen bei „Hart aber Fair“, gibt es absolut gar keinen Grund mit Sekt anzustoßen. Sogar Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union sagt klar: „Wir haben die Wahl verloren, der Ball liegt im Spielfeld der SPD.“ Warum habe denn Armin Laschet selbst am Wahlabend noch die Kanzlerschaft für sich beansprucht?

„Kann er sich wirklich nicht mehr daran erinnern, dass er das gesagt hat?“, wundert sich Gastgeber Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ und spielt zur Sicherheit das betreffende Laschet-Zitat noch einmal ab. Auch Mariam Lau findet eindeutige Worte, als sie von der Stimmung unter den CDU-Abgeordneten berichtet, die nun ihr Mandat verloren haben: „Ich bin erschrocken, wie ausgeblutet die Partei ist. Armin Laschet könnte ihr jetzt einen Gefallen tun“, sagt sie. Und meint natürlich den Rücktritt.

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg (ARD): Zwei Königsmacher

Ganz anders die Stimmung bei der FDP und den Grünen. „Was können Sie in Ihrer neuen Rolle als Königsmacher von der FDP lernen“, fragt Frank Plasberg die Grünen-Abgeordnete Renate Künast. Die will vor allem über Inhalte wie Klimapolitik, Verkehrs- und Energiewende reden und nicht über Ämter und Personalfragen, was sich zu einer Art Running Gag der Sendung entwickelt, dem zufolge Politiker immer über Inhalte, Journalisten dagegen immer über Personalfragen sprechen wollten. Sascha Lobo wirft spitz ein, Inhalte würden überschätzt, Angela Merkel hätte 2013 mit einem komplett inhaltslosen Wahlkampf gewonnen. Die Kernbotschaft lautete damals: „Sie kennen mich“.

Zur Sendung

„Hart aber fair“ vom 27.09.2021: Nach der Wahl, vor dem Machtpoker - Wird aus dem Sieger auch ein Kanzler? Die Sendung im Netz.

Renate Künast, auch zu Gast bei „Hart aber fair“, jedenfalls will „mit allen demokratischen Parteien“ über Koalitionen sprechen, woraus sich später noch eine hitzige Debatte mit Tilman Kuban entspinnt, der die Meinung vertritt, die Linken seien keine demokratische Partei. Was zumindest für die Koalitionsfrage völlig irrelevant ist, da die Linkspartei rein zahlenmäßig ohnehin kein Teil eines Dreierbündnisses werden kann.

„hart aber fair“ mit Frank Plasberg (ARD): Das Ende der Volksparteien?

Da Grüne und FDP zunächst miteinander ausmachen wollen, wo die Gemeinsamkeiten für ein solche Bündnis liegen könnten, wundert es nicht, dass der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff überaus aufgeschlossen mit Renate Künast umspringt und ihr in vielen, wenn auch weitgehend unverfänglichen, Punkten recht gibt. „Wir müssen schauen, wie wir zusammen kommen“, lautet sein Credo. Gleichzeitig flicht er feine Spitzen gegen die SPD ein, wenn er betont, zwischen ihr und der CDU lägen nicht einmal zwei Prozentpunkte.

Was ihn im weiteren Verlauf zu einer Analyse der aktuellen Lage beflügelt. „Wir haben jetzt ein völlig neues Parteiensystem“, nämlich vier demokratische Parteien, die zahlenmäßig nicht allzu weit auseinander liegen. Er sieht eine neue Nähe zu Europa daraus erwachsene, schließlich würden etwa in den Niederlande oder den skandinavischen Länder traditionell mehrere kleine statt weniger großer Parteien gewählt. Auch Mariam Lau und Sascha Lobo sind sich einig: Es gibt „keine Rückkehr zu den großen Volksparteien“. Sascha Lobo geht noch einen Schritt weiter und meint, wir seien endlich im 21. Jahrhundert angekommen. Denn Angela Merkel habe in ihren „gefühlten 62 Amtsjahren“ das 20. Jahrhundert noch einmal verlängert.

'Hart aber fair' mit Frank PlasbergDie Gäste der Sendung vom 27.09.2021
Tilman KubanBundesvorsitzender Junge Union
Kevin KühnertStellv. Parteivorsitzender SPD
Alexander Graf LambsdorffStellv. Fraktionsvorsitzender FDP
Renate KünastBundestagsabgeordnete B90/Grüne
Sascha LoboKolumnist und Autor
Miriam LauJournalistin

Aber was ist eigentlich mit dem mutmaßlich „glücklichen Wahlsieger“ SPD? Recht spät kommt Kevin Kühnert zu Wort, dafür aber umso nachdrücklicher. „26 Prozent sind für uns ein tolles Ergebnis“, betont er, hebt die gute Vorarbeit der letzten Jahre hervor und lässt sich auch nicht durch Frank Plasbergs Spitze bei „Hart aber fair“ (ARD) aus der Fasson bringen, ob er damit die Tatsache meine, dass die Basis Olaf Scholz 2019 nicht zum Vorsitzenden gewählt habe. Auch auf die These vom Ende der Volksparteien will Kühnert sich nicht ganz einlassen, warnt vor solchen „ganz großen Analysen“ nach Wahlen, hebt aber geschickt auf die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern ab, bei der Manuela Schwesig mit einem Traumergebnis abräumen konnte. „Die Union wird sich auch wieder erholen“, fügt er generös hinzu.

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg (ARD): Verbockter Wahlkampf

Eine eingeblendete Statistik verheißt für die Zukunft anderes. Demnach waren es vor allem unter 25-Jährige, die mehrheitlich die Grünen und Erstwähler, die mehrheitlich FDP gewählt haben. Aber warum wurde es denn am Ende eigentlich nicht deutlich mehr für die Grünen, die, wie Mariam Lau erinnert, zeitweilig auch „mit 20 Prozent rechnen“ konnten. Sascha Lobo fordert von Renate Künast Ehrlichkeit mit einem naheliegenden Wortspiel: „Geben Sie doch einfach zu: ‚Wir haben den Wahlkampf verbockt‘“.

Renate Künast äußert Zweifel, ob man mit Robert Habeck als Kanzlerkandidat wirklich besser gefahren wäre, und lenkt von Annalena Baerbocks Wahlkampf auf das Thema Hatespeach ab. „Vieles war sehr erniedrigend“, konstatiert sie, worauf ihr Alexander Graf von Lambsdorff beipflichtet auch mit Blick auf die Plattform-Giganten Google und Facebook und die wachsende Desinformation durch Fake-News. Das Eisen ist Frank Plasberg aber zu heiß oder jedenfalls „zu kompliziert für diese Runde“.

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg (ARD): Abdriften in Steuerfragen

Für nicht zu kompliziert hält er aber offenbar eine Steuerdebatte, die er zwischen Alexander Graf von Lambsdorff und Kevin Kühnert entfacht, und die sich um die Fragen dreht, warum Kevin Kühnert im Wahlkampf von Christian Lindner als einem „Luftikus“ gesprochen habe, obwohl doch klar war, dass er nun mit ihm verhandeln müsse. Bei der Debatte, welche Steuerpolitik nun wirklich nachhaltiger wäre und welche Rolle die von Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ (ARD) als „Voodoo-Wort“ beschworene „Vermögenssteuer“ dabei spielen könne, gehen Kühnert und Lambsdorff so weit ins Detail, dass Renate Künast den Abend schon in eine „Steuerfachsendung“ abdriften sieht und Sascha Lobo sich ebenfalls über die Dominanz des Themas beschwert.

Frank Plasberg nimmt am Ende von „Hart aber fair“ (ARD) alle Schuld auf sich, und äußert zum Schluss einen frommen Wunsch für Weihnachten: Könnte bitte bis dahin die neue Regierung stehen? Im Schnitt habe die Regierungsbildung bislang 49 Tage gedauert, bei der Wahl 2017 waren es allerdings stolze 171 Tage, also fast sechs Monate. Ein kleines Bonbon hat er zur Verdauung dieser bitteren Aussichten noch mitgebracht: Eine recycelte Version der diesjährigen Neujahrsansprache von Angela Merkel – umgemünzt auf das Jahr 2022. (Teresa Schomburg)

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