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„Hart aber fair“ (ARD): Frank Plasberg lässt FDP-Politiker Christian Dürr davonkommen

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Von: Rolf-Ruediger Hamacher

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Frank Plasberg und seine Gäste bei „Hart aber fair“ am 22. August.
Frank Plasberg und seine Gäste bei „Hart aber fair“ am 22. August. © Screenshot ARD

Frank Plasberg diskutiert mit seinen Gästen im ARD-Talk „Hart aber fair“ über das Thema „Kostenfalle Energie - Wie sollen wir das schaffen?“

Frankfurt - Hatte man letzten Montag (15. August) noch gemutmaßt, Frank Plasbergs Lustlosigkeit nach der Rückkehr aus der Sommerpause sei dem „Urlaubs-Jetleg“ geschuldet, der wurde während der Woche eines Besseren belehrt: Es war der Beginn eines langen Abschieds. Denn der 65-Jährige geht nach 22 Jahren „Hart aber fair“ in Rente und überlässt ab Januar 2023 Louis Klamroth, „Deutschlands jüngstem Polit-Talker“ und Gewinner des Deutschen Fernseh-Förderpreises 2018 (für seine Polit-Talkshow „Klamroths Konter“ auf n-tv), seinen Platz.

Nach den beiden ersten Countdown-Runden von „Hart aber fair“ in der ARD muss man zwar befürchten, dass Plasberg bis dahin nicht zu seiner alten Form zurückfindet. Aber vielleicht lähmt auch nur das Dauerthema „Energiekrise“, für das einem mittlerweile schon die Überschriften auszugehen scheinen.

„Kostenfalle Energie - Wie sollen wir das schaffen?“, hieß es diesmal wenig originell - und brachte auch die Gäste nur langsam in Wallung - dann aber heftig!

„Hart aber fair“ (ARD): Die Gäste am 22. August bei Frank Plasberg

Christian DürrFDP-Fraktionsvorsitzender
Amira Mohamed AliFraktionsvorsitzende Die Linke
Michael HütherWirtschaftswissenschaftler, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln
Udo SieverdingEnergie-Experte der Verbraucherzentrale NRW
Renate RönnauRentnerin

Die 74-jährige Rentnerin Renate Rönnau, die mit 1200 Euro ihren Lebensunterhalt bestreiten muss, schlug erst mal Winfried Kretschmann seinen „Waschlappen“-Ratschlag um die Ohren, ehe sie ihre derzeitige Situation schilderte: „Sparen geht nur noch mit gezieltem Einkaufen. Theater- und Café-Besuche kann ich mir schon nicht mehr leisten.“

Und sie erzählte von ihrem ehrenamtlichen Engagement am „Seniorentelefon“ der Diakonie Düsseldorf, wo eine 92-Jährige sie gefragt habe, wie sie sich in zwei Pullover und eine Decke einwickeln soll, wo sie sich doch kaum bewegen kann: „Warum zahlt immer der Bürger die Zeche, während die Regierungs-Koalition wie ein aufgeregter Hühnerhaufen durch die Gegend rennt, anstatt sich um Lösungen zu bemühen?“

„Hart aber fair“ (ARD): Christian Dürr (FDP) redet sich heraus

Michael Hüther prophezeite der Gesellschaft einen Wohlstandsverlust, forderte aber auch zielgenaue Entlastung unterer Einkommensgruppen, wobei ihm Udo Sieverding zur Seite sprang: „Gebt das Geld nicht mir, sondern denen, die es nötig haben.“

Eine Steilvorlage für den Fraktionsvorsitzenden der FDP, mal ein Herz für die „Kleinen Leute“ zu zeigen. Aber Christian Dürr redete sich mehr schlecht als recht mit den von der Regierung beschlossenen Entlastungspaketen 1+2 heraus, verwies auf die Erhöhung des Wohngeldes ab 1.1.2023. Kein Wort zur Übergehung der Rentner:innen bei der Energie-Pauschale und das Desaster bei der Gasumlage, die Sieverding für einen totalen Konstruktionsfehler hält, handwerklich wie politisch.

Amira Mohamed Ali ging noch einen Schritt weiter und warf der Regierung vor, die Gasumlage nur zu erheben, damit die Unternehmen sich bereichern könnten: gewissermaßen Beihilfe zu Übergewinnen.

ARD-Talk „Hart aber fair“: Frank Plasberg hakt nicht nach

Das Reizwort ist gefallen, doch anstatt nachzuhaken, ließ Plasberg Dürr mit dem, jeden intelligenten Menschen beleidigendem Argument davonkommen, dass man dann auch Biontech höher besteuern müsste. Und als Dürr auch noch Ali unterstellte, die Linke würde gemeinsam mit der AfD demonstrieren und sie des Populismus beschuldigte, fragt man sich doch, ob diese Partei der sozialen Kälte ihren Klientel-„Populismus“ schon gar nicht mehr wahrnimmt, während ihre Wähler:innen mittlerweile zu 54 % für eine Übergewinnsteuer sind.

„Hart aber fair“

Thema: „Kostenfalle Energie: Wie sollen wir das schaffen?“ Die Sendung in der ARD-Mediathek

Leider zeigte auch Plasberg wenig Gerechtigkeitssinn, ließ Dürrs Lügen einfach im Raume stehen und verweigerte Ali die Möglichkeit, um sich zu wehren. Schlimmer noch: Er provozierte die Beleidigte mit der Frage: „Sind Sie der Spalter?“ Aber auch das blieb rhetorisch und wurde nicht weiter diskutiert. Irgendwie schien sich Plasberg an diesem Abend, wie einige Zuschauer:innen, mehr um das Dimmen der Weihnachtsbeleuchtung zu sorgen, als um den „fairen“ und Fakten suchenden Verlauf seiner Talkrunde. (rrh)

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