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„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg vom 1.11.2021
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„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg vom 1.11.2021

TV-Kritik zu Polit-Talk

„Hart aber fair“ (ARD): Industrievertreter verharmlost Flutkatastrophe - „war nur Wetter“

  • VonMichael Meyns
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Frank Plasberg diskutiert bei „Hart aber fair“ (ARD) über die Klimakonferenz in Glasgow: „Kranke Wälder, überflutete Täler - wird jetzt Ernst gemacht?“

Köln - Am Sonntag begann im schottischen Glasgow die aktuelle Klimakonferenz, und da Angela Merkel, Joe Biden, Boris Johnson und die anderen dadurch nicht verfügbar waren, lud Frank Plasberg (ARD) Peter Wohlleben in seine Sendung ein. Mit diesem Scherz begann eine Diskussion zum alles andere als witzigen Thema: „Kranke Wälder, überflutete Täler - wird jetzt ernst gemacht?“

Der, wie es heißt, bekannteste Förster Deutschlands, der vor einigen Jahren mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ einen bemerkenswerten Sachbuch-Erfolg feierte, leitete die Sendung mit einer kleinen Reportage ein, die den Förster in seinem Revier zeigte: im Wald. Dort bildet er Menschen als Waldführer aus, bringt ihnen die Vielfalt dieses Lebensraums nahe, zeigt ihnen etwa, dass es in einer Hand Waldboden mehr Lebewesen gibt als Menschen auf dem Planeten. Vor allem aber ist der Wald ein fantastischer CO² Speicher, den wir momentan noch wissentlich zerstören.

„Hart aber fair“ (ARD): Klimaaktivistin sieht Staat in der Pflicht

Wie schwer es jedoch ist, etwas zu ändern, zeigte sich am Ende der Reportage in der ARD bei einem Besuch der Menschen im Ahrtal, die vor wenigen Monaten Opfer der verheerenden Flutkatastrophe waren. Immer noch sieht die Region aus wie ein Schlachtfeld, der Wiederaufbau geht nur langsam voran, doch die Menschen haben Hoffnung, dass alles wieder so wird wie es einmal war.

Dass die einzelne Bürgerin wenig Möglichkeiten hat, etwas Substanzielles gegen die Klimakatastrophe zu unternehmen, versteht auch Carla Reemtsma, Klima-Aktivistin und Mitorganisatorin der „Fridays for Future“-Demos, die bei „Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg vor allem den Staat in der Pflicht sieht. Nach wie vor werde viel zu viel Geld in fossile Energien gesteckt, daran müsste sich sofort, am besten mit der neuen Ampel-Regierung etwas ändern.

Anne Spiegel, B‘90/Grüne, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität des Landes Rheinland-Pfalz, stieß bei „Hart aber fair“ in das gleiche Horn, betonte natürlich die Erfolge der eigenen Regierung, verwies bei Frank Plasberg aber auch darauf, dass Deutschland nicht alleine gegen den Klimawandel vorgehen kann, sondern nur zusammen mit europäischen und globalen Partnern.

Gäste bei Frank Plasberg
Peter WohllebenFörster und Buchautor
Carla ReemtsmaKlima-Aktivistin von „Fridays for Future“
Anne Spiegel B‘90/Grüne
Sebastian LachmannIndustriekaufmann bei LEAG
Dorothea SiemsJournalistin, Welt

Die Größe der Aufgabe überfordert die Menschen, behauptete die Wirtschaftsjournalistin Dorothea Siems dagegen bei Frank Plasberg, ein einzelner Mensch habe kaum Einfluss auf das große Ganze, bezweifle den Nutzen von persönlichem Verzicht. Auch der Atomausstieg wurde von der konservativen Journalistin in Frage gestellt, in Frankreich sähe allein durch Atomkraft die CO²-Bilanz deutlich besser aus.

„Hart aber fair“ (ARD): Industirekaufmann sieht in Flutkatastrophe keine Klimaproblematik

Allein schon beruflich hat Sebastian Lachmann, Industriekaufmann beim Bergbau- und Kraftwerksbetreiber LEAG in Cottbus, eine etwas andere Position als die Diskussionsteilnehmer:innen bei „Hart aber fair“ von der anderen Seite. Er behauptete, dass die Katastrophe im Ahrtal nichts mit Klima, sondern Wetter zu tun hat, eine Aussage, die Reemtsma und Spiegel geradezu empörte. Sie verwiesen auf die zahlreichen Studien, die belegen, dass es in Zukunft immer mehr Extremwetterereignisse geben wird.

Lachmann wollte davon nur bedingt hören und betonte, dass es ohnehin schlimmer wird, man deswegen viel mehr in den Versuch investieren sollte, kurzfristige Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Versieglung von Böden habe stark zu den Auswirkungen der Flut beigetragen, dort anzusetzen sei viel leichter, als immer nur mehr Verzicht zu fordern.

Zur Sendung

Schauen Sie die Sendung in der ARD-Mediathek.

Bei „Hart aber fair“ (ARD) wird debattiert: Wie sieht der richtige Umgang mit dem Klimawandel aus?

Schon jetzt werden Benzin- und Heizkosten teurer, die CO²-Preise werden in den nächsten Jahren steigen, was einerseits notwendig erscheint, andererseits die Begeisterung vieler Bürger:innen, was den Klimaschutz angeht, dämpfen dürfte. So sehr mit dem Kopf durch die Wand, wie es Reemtsma fordert, wird es kaum gehen, so bedächtig und vorsichtig, wie es Lachmann oder Siems in der ARD für richtig halten, sicher auch nicht.

Was tun also? Bäume pflanzen, wie Peter Rohlleben nicht müde wurde, zu betonen? Die Gesellschaft transformieren, wie Reemtsmas Zauberwort lautet, zusehen, wie das Land verarmt, wenn beim Klimaschutz Ernst gemacht wird, wie Siems befürchtet? Ein Mittelweg muss es, wird es wohl werden, so oder so: Die Einschnitte für alle Bürger:innen werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten enorm werden. (Michael Meyns)

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