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TV-Talk im Ersten

„Hart aber fair“ (ARD): Corona-Impf-Debatte bei Frank Plasberg – Erwartung der Bevölkerung enttäuscht?

In der ARD-Talksendung „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg wird über die Impfstoffbeschaffung der EU gesprochen. Ein Journalist irritiert mit seiner Corona-Haltung. 

  • Das Coronavirus bestimmt nach wie vor die Themen der Talkrunden.
  • In der ARD diskutierte Frank Plasberg in „Hart aber fair“ über die Impfproblematik.
  • Hat Großbritannien alles richtig und die EU alles falsch gemacht?

Frankfurt – Jetzt stimmt auch der „Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg (ARD) in den Impf-Recherche-Chor ein, und zwar mit Fokus auf die Europäische Union. Es geht um eine kritische Rückschau darauf, ob es richtig war, der EU-Kommission die Vertragsverhandlungen zu überlassen.

Der Tenor der Sendung lautet: Ja, die Entscheidung war richtig, aber fehlerbehaftet. Nun müsse man für künftige Krisen daraus lernen.

Und immer wieder Corona: Thema bei „Hart aber fair“: der Corona-Impfstoff.

„Hart aber fair“ (ARD): Frank Plasberg debattiert über Corona-Impfung

Rolf-Dieter Krause, ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Brüssel, sieht die EU mit der Aufgabe überfordert., wie er im ARD-Talk „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg deutlich macht. Die Abwicklung sei langsam, auch weil einzelne Mitgliedsstaaten „meckern und mäkeln“. Linn Selle, Präsidentin der „Europäischen Bewegung Deutschland“, unternimmt zum Einstieg ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn alle Mitgliedsstaaten ihr eigenes Impfsüppchen gekocht hätten?

Ein Fiasko für Europa. Selle meint, dass ausreichend Impfdosen besorgt wurden, immerhin stelle Europa nur 5% der Weltbevölkerung, habe aber 25% des weltweit verfügbaren Impfstoffs gekauft. Es hapere allerdings an den knappen Produktionskapazitäten. Der „Focus“-Kolumnist Jan Fleischhauer wirft ein, dass die Briten für den Impfstoff 25 Dollar pro Kopf bezahlt haben, die EU hingegen weniger als fünf Dollar. Man habe „an der dümmsten Stelle gespart.“ Außerdem verbleibe der in Großbritannien hergestellte Impfstoff ebendort. Das sei aber nicht besser, hakt Selle ein. Es benötige eine „globale Solidarität“ – und diese Verantwortung nehme die EU wahr. Man müsse jetzt nur die Lieferketten optimieren, so Fleischauer im ARD-Talk „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg.

„Hart aber Fair“ (ARD): Plasberg-Talk um Impfquote und Impferlösung

In einem nächsten Schritt stellt Frank Plasberg den „Spott von der Insel“ zur Debatte, schließlich scheint Großbritannien besser für die große Impf-Erlösung gerüstet. Der EU-Parlamentarier Daniel Caspary (CDU) hält dagegen: Das britische Corona-Managment sei aus dem Ruder gelaufen. Und so toll sei die aktuell höhere Impfquote nun auch nicht, denn die medizinisch angesagte zweite Impfung bleibe für die Britinnen und Briten vorerst aus.

Die Gäste im Überblick:

Linn Selle„Europäischen Bewegung Deutschland“
Jan Fleischhauer „Focus“-Kolumnist
Daniel Caspary (CDU)EU-Parlamentarier
Gisela StuartLabour Party-Politikerin
Stephan PuschCDU-Landrat des Kreises Heinsberg

Alle Deutschen hätten hingegen bis Ende des Sommers ihr Impfangebot auf dem Tisch. Natürlich mit zwei Impfterminen. Dennoch räumt der Parlamentarier ein, dass man im Rückblick manches besser gemacht haben könnte. Er sieht die EU als „institutionell überfordert“, einen Wettlauf der Mitgliedstaaten wolle aber niemand.

„Hart aber fair“ (ARD): Nationalstaatliche Lösung in Sachen Corona-Impfung? Plasberg debattiert

Die aus Großbritannien zugeschaltete Labour Party-Politikerin Gisela Stuart sieht die nationalstaatliche Lösung hingegen im Vorteil. Kein Wunder, sie stritt für den Brexit. „Ich kann das beweisen, weil ich einen Tweet ihres Sohns habe,“ ulkt Frank Plasberg. Nicht ohne Stolz verkündet Stuart, dass sie am Morgen nach der Sendung um 8:15 Uhr geimpft wird. „Und wann kommt die zweite Dosis?“ stichelt Caspary, was Stuart ins Stottern bringt.

„Lassen Sie uns rational bleiben,“ meint die Brexit-Befürworterin und bemängelt pauschal die EU-Bürokratie. Das will Krause so nicht stehen lassen und weist auf die baldige britische Wirtschaftskatastrophe durch den Brexit hin. Zugleich gesteht er ein, dass die Intransparenz in Bezug auf die geschwärzten Vertragspassagen der EU schadet. Sehr viel mehr wird Gisela Stuart nicht mehr zum Talk beitragen. Vielleicht spielt sie im Schutz der Videoübertragung ein paar Runden Candy Crush. Krause seinerseits sitzt einen Gutteil der Sendezeit mit verschränkten Armen da.

Corona-Impfung in „Hart aber fair“ (ARD): Ein bißchen Folklore im Ersten

Auftritt Stephan Pusch. Der CDU-Landrat des Kreises Heinsberg hat viel zu sagen. Bekannt wurde der Lokalpolitiker durch den Umstand, dass seine Kommune als erster deutscher Corona-Hotspot reichlich Medieninteresse auf sich zog. Seit ein paar Monaten ist der Zug weitergezogen, die Erinnerung an Pusch verblasst. Nun feiert er ein kleines Comeback als Experte für Kommunalpolitik. Natürlich lobt er bei „Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg das Krisenmanagement der Kommunen, wo letztlich alles umgesetzt werden muss.

Die Freude über den Corona-Impfstoff sei groß, aber die bei der Bevölkerung geschürte Erwartungshaltung sei enttäuscht worden. „Das hätte jeder Landwirt im Kreis Heinsberg besser verhandelt,“ zetert der Schnellredner in einem eingespielten Videoclip, der ihm wohl die Sendezeit bei Frank Plasberg in der ARD bescherte, nachdem er zuvor einen Präsentkorb der örtlichen Landwirte erhalten hatte. Im weiteren Sendungsverlauf strebt Pusch in höhere Sphären: Die EU, ja die ganze Menschheit sei trotz allem auf einem guten Weg, analysiert er.

„Hart aber fair“ (ARD): Diskussion bei Frank Plasberg über neue Bewährungsprobe der EU

Auf den Rückblick folgt der Ausblick. Aktuell steht eine Schließung der innereuropäischen Grenzen zur Diskussion. Die Inzidenzwerte fallen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich aus und die neuartigen (Kombi-)Mutanten lauern bereits. Per eingeblendetem Zitat sieht der CSU-Generalsekretär Markus Blume bisherige Erfolge gefährdet und warnt im Sound des SPD-Gesundheitskundlers Karl Lauterbach vor einer „gefährlichen dritten Welle mit Mutationen.“

Vor allem die Lockerungen in Tschechien und Österreich sieht Blume kritisch. Frank Plasberg legt Beweisfotos mit Italienerinnen in Straßencafés nach. Im Angesicht der gemeinsamen Herausforderung fordert Daniel Caspary ein europaweit abgestimmtes Handeln – welch bahnbrechende Erkenntnis. Auch Landrat Pusch sieht die EU in der Regelungspflicht (obwohl die wahren Anpacker ja in den Kommunen sitzen).

Corona-Debatte bei Frank Plasberg: 50er Inzidenz reine Willkür? – Diskussion bei „Hart aber fair“(ARD)

Ganz Stachel erinnert Jan Fleischhauer daran, dass die berühmte 50er-Inzidenz „willkürlich gegriffen“ sei. Und dass die von ihm angezweifelte NoCovid-Strategie ohne ein Mitwirken der EU „noch wüster“, schlicht nicht umsetzbar sei. Bezüglich der aktuellen Lage setzt der Journalist einen drauf: „Das Virus hat so ein bisschen den Schrecken verloren.“ Das schockt Frank Plasberg („Finden Sie?!“) und regt ihn zu einem Kurzvortrag über Oberärzte und Intensivmedizinerinnen an, die anderes berichten. Fleischhauer glaubt dennoch, dass rigorosere Regeln womöglich fruchtlos bleiben. Eine nicht unrealistische These.

Die längst diagnostizierte Pandemiemüdigkeit grassiert, ist mancherorts gar zur Resignation mutiert. Die Zahlen sinken, der R-Wert hat eine 0 vor dem Komma, die Gefährlichkeit der Mutationen klingt je nach Experte anders. So oder so muss neues Vertrauen aufgebaut werden. Dazu Rolf-Dieter Krause: „Vertrauen entsteht, wenn man sagt, was man denkt – und tut, was man sagt.“

Am Ende der „erfrischenden Runde“ (Plasberg) stellt der ARD-Moderator die übliche Abschlussfrage an alle Gäste: „Ein Wort, das Ihnen zu Europa einfällt, aber bitte nur EIN Wort.“ Allein Linn Selle erfüllt mit einem simplen „unverzichtbar“ die Vorgabe. Pusch schafft indes vierunddreißig Wörter in acht Sekunden – mehr als alle anderen Talkgäste zusammen.

Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein. Oder einfach lassen? (Christian Horn)

Rubriklistenbild: © Screenshot/ hartaberfair_ard

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