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Frank Plasberg spricht mit seinen Gästen über die EU-Flüchtlingspolitik.
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Frank Plasberg spricht mit seinen Gästen über die EU-Flüchtlingspolitik.

TV-Kritik

„Hart aber fair“ (ARD): Tod im Mittelmeer - Cem Özdemir wird mehr als deutlich

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    VonRolf-Ruediger Hamacher
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Frank Plasberg diskutiert in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ die EU-Flüchtlingspolitik. Cem Özdemir stellt klare Forderungen.

Berlin - Frank Plasberg verabschiedete sich in der ARD-Talkshow „hart aber fair“ mit einem Thema in die Sommerpause, auf das man wegen Corona lange nicht geschaut hatte: die Flüchtlingskrise: „Europa, wie hältst du es mit Flüchtlingen? Will auch Deutschland eher abschrecken als helfen? Und stimmen viele Bürger dem schweigend zu, weil sie denken: Hilft man jetzt einigen, kommen bald zu viele nach?“, fragte er provozierend in die Runde seiner Gäste:

Die Gäste bei „Hart aber fair“ (ARD)

Und seine gerade mit dem Grimme-Preis Spezial 2021 für ihre Berichterstattung aus dem Flüchtlingscamp Moria ausgezeichnete Kollegin Isabel Schayani, diente ihm gleich als Kronzeugin, ist sie doch vorgestern (13.06.2021) aus Lesbos zurückgekommen, wo das Lager vor neun Monaten abgefackelt wurde.

  • Nikolaus Blome, „Spiegel“-Kolumnist, Leiter des Ressort Politik und Gesellschaft in der Zentralredaktion bei RTL Deutschland
  • Petra Bosse-Huber, Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
  • Cem Özdemir, B’90/Grüne, Bundestagsabgeordneter, war von 2008 bis 2018 Bundesvorsitzender
  • Isabel Schayani, Moderatorin „Weltspiegel“, Leiterin der Redaktion „WDRforyou“
  • Manfred Weber, CSU, Mitglied des Europäischen Parlaments, Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament

Aber die leise Hoffnung, dass es in irgendeiner Form besser geworden ist, hat sich nicht bewahrheitet: In einem eingespielten TV-Beitrag berichtet sie von Dutzenden, lieblos neben dem Lager errichteten Gräbern: „Ein Stück Holz ist ein Menschenleben. Gestorben nach Krankheit, Messerstechereien oder Selbstmord.“

Und sie interviewt eine syrische, dreifache Mutter, die sich entschlossen hat, ein weiteres Kind zu bekommen, weil sie hofft, dann aus dem Lager aufs Festland verlegt zu werden.

„Hart aber fair“ (ARD): Frank Plasberg diskutiert über Lesbos

Sowohl die EU-Verantwortlichen für die Lager, als auch der verantwortliche griechische Generalsekretär reden die Situation schön - und das Wunschziel Athen erweist sich als Sackgasse: Denn dort fängt das eigentliche Problem erst an. Denn die meist abgelehnten Geflüchteten müssen sich nun ohne staatliche Hilfe durchschlagen, sollen weiterziehen. Zum Beispiel über die Balkanroute nach Deutschland.

Jetzt kommt die europäische Flüchtlingspolitik ins Spiel, der Manfred Weber ein „großes Scheitern seit 2015“ assistiert. Aber auch er redet die Dinge schön, schwafelt von einem guten Weg, auf dem man sei: Bis Ende des Jahres sollen alle „offenen Fälle“ auf den Inseln abgearbeitet sein. Wer’s glaubt, wird selig!

Kritik an Erdogan bei „Hart aber fair“ (ARD)

Cem Özdemir gehört jedenfalls nicht zu den Leichtgläubigen, verweist auf die „Push-Backs“ der Griechen, der Kroatien und Ungarn, die gegen europäisches Recht verstoßen. Und Nikolaus Blome möchte Recep Tayyip Erdogan am liebsten weniger Geld geben, weil er seine Versprechen, die abgelehnten Flüchtlinge zurückzunehmen, nicht hält.

Weber stellt klar, dass das Geld ja nicht an den türkischen Staat, sondern an die Hilfsorganisationen fließt und sieht Europa und seine Hilfsorganisationen unverdrossen auf einem guten Weg, was deren Präsenz in den weltweiten Flüchtlingslagern angeht.

„Hart aber fair“ (ARD): Özdemir wundert sich

Petra Bosse-Huber erinnert daran, dass in einem 10 Millionen Einwohner Staat wie Jordanien eine Million Geflüchtete leben und wir es in Europa nicht fertigbringen, die zehntausend Geflüchteten aus Moria sowie die in verschiedenen europäischen Häfen festsitzenden Bootsflüchtlinge aufzunehmen.

Özdemir wundert sich, dass wir nur 2500 Menschen aus Griechenland aufgenommen haben, das viel kleinere Norwegen aber über 3000. Umso unverständlicher, weil ja hierzulande über 200 Gemeinden ihre Bereitschaft zur Aufnahme signalisiert hatten.

„Hart aber fair“ (ARD) Jean Asselborn zeichnet beschämendes Bild der EU-Politik

Während Weber weiter von einer fairen Quotenverteilung in Europa träumt, sieht der eingespielte Luxemburgische Minister für Immigration, Jean Asselborn ein beschämendes Bild der europäischen Flüchtlingspolitik: „Ich bin mir nicht mehr sicher, ob alle noch wollen, dass Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden.“

Diesen „Hammersatz“ will Weber nicht stehen lassen, verweist aber auf die vergiftete Atmosphäre in manchen Staaten wie Ungarn und neuerdings auch Dänemark, wo die sozialdemokratische Regierung Flüchtlinge in Drittstaaten außerhalb Europas abschieben will, mit denen sie entsprechende Verträge aushandeln will.

Webers Credo bleibt aber letztlich die Grenzsicherung der europäischen Außengrenzen, die aber, wie Bosse-Huber vehement einwirft, der mit viel Euro-Geld unterstützten kriminellen lybischen Küstenwache in die Hände spielt, die die Geflüchteten in die Folterlager zurückbringt.

Liegt die Lösung also darin, die Schlepperboote zu zerstören, ehe sie ablegen oder in legalen Zufahrtswegen nach Europa?

„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg

„Tod im Mittelmeer, Elend im Lager – ist uns das Flüchtlingsleid egal?“, ARD, Montag, 14. Juni, ab 21 Uhr. Im Netz: ARD Mediathek.

Spagat gelingt auch der Talkrunde „Hart aber fair“ (ARD) nicht

Özdemir drückt sich um die Frage von Blome herum, warum die Grünen sich seit Jahren weigern, die nordafrikanischen Staaten als sichere Herkunftsländer zu bezeichnen, wirbt aber eindringlich für eine aktivere Flüchtlingspolitik der willigen europäischen Staaten.

Der Spagat zwischen humanitärem Handeln und Härte zeigen an den Außengrenzen gegenüber illegaler Einwanderung will an dieser Talk-Runde trotz vieler konstruktiver Lösungsvorschläge nicht so richtig gelingen, auch weil die realen politischen Verhältnisse eine gewisse Hilflosigkeit signalisieren.

Aber der Menschen wegen muss das Thema auf der Tagesordnung bleiben - und findet nach der Sommerpause hoffentlich wieder mehr Beachtung in der Talk-Show Landschaft! (Rolf-Ruediger Hamacher)

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