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Frank Plasberg und seine Gäste bei „hart aber fair“.
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Frank Plasberg und seine Gäste bei „hart aber fair“. (Screenshot)

TV-Kritik zu „hart aber fair“ (ARD)

„Gemütlichkeit war ein Fehler“: Experte kritisiert Corona-Politik scharf

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    vonRolf-Ruediger Hamacher
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Frank Plasberg diskutiert in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ zum Thema: Verzeihung, wir haben da eine Frage: Scheitert Deutschland in der Krise?

Berlin – Anne Will hatte am Sonntagabend mit ihrem Angela-Merkel-Interview die Steilvorlage für Plasberg gegeben, der dann auch in seiner Talkrunde „hart aber fair“ gleich die provokative Frage „Die politische Elite: unfähig zum klugen Kompromiss oder unfähig zu klaren Ansagen?“ in die Runde seiner Gäste warf.

Gäste im TV-Talk „hart aber fair“ von Frank Plasberg

  • Marina Weisband, Psychologin und Publizistin, Mitglied der Grünen
  • Norbert Röttgen, Mitglied des CDU-Präsidiums, Bundestagsabgeordneter
  • Herfried Münkler, Politikwissenschaftler, emeritierter Professor an der Humboldt Universität Berlin
  • Melanie Amann, Journalistin, Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros
  • Matthew Karnitschnig, Europa-Korrespondent des US-amerikanischen Online-Nachrichtenportals „Politico“
  • Klaus von Dohnanyi, ehemaliger SPD-Spitzenpolitiker auf Bundes- und Landesebene, dessen virtuelle Zuschaltung dann aber an der Technik scheiterte - was wiederum gut zu unserer „digitalen Kompetenz“ passte.

Dass Angela Merkel in dem ARD-Interview öffentlich die Ministerpräsident:innen - selbst die aus der eigenen Partei - zur Räson ruft, war für Melanie Amann „definitiv eine Breitseite“ auch gegen den CDU-Parteichef und möglichen Kanzlerkandidaten Armin Laschet. „Das war eine Kampfansage nach dem Motto: Wenn ihr nicht mitspielt, dann spiele ich auch nicht mehr mit!“ Melanie Amanns Ratlosigkeit gegenüber der Untätigkeit angesichts der bedrohlichen Lage gipfelte schließlich in ihrer schon wütend-verbittert klingenden Anklage: „Ich halte das mittlerweile für eine organisierte Lebensgefahr gegen uns alle durch die Ministerpräsidenten.“

„hart aber fair“ (ARD) – Norbert Röttgen gibt den Mahner

Norbert Röttgen, der auf dem Stammplatz von Karl Lauterbach Platz genommen hatte, wie Plasberg süffisant einwarf, witzelte kurz zurück, übernahm dann aber die mahnende Rolle seines SPD-Kollegen: „Wir sind am ernstesten Punkt der Pandemie. Es bleibt keine Zeit mehr zum Diskutieren, es ist Zeit zum Handeln.“ Für Röttgen hat sich das Format „Bundeskanzlerin und Ministerpräsident:innen-Runde“ als „dysfunktional“ erwiesen.

Röttgen plädierte dafür, dass der Bundestag nach Ostern das Heft in die Hand nimmt und seine rechtliche Möglichkeit nutzt, dass Infektionsgesetz gegen die Länder durchzusetzen. Röttgen sprach auch klar das Impfproblem an („Warum nicht auch über Ostern impfen?“) und das Versagen bei der Nachverfolgung („Wer heute nicht digital, kann nicht Verwaltung!“). Da strahlte Norbert Röttgen jene präsidiale Souveränität aus, die man bei seinem Parteikollegen Armin Laschet - dem er noch bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden unterlegen war - so schmerzlich vermisst. Und vielleicht wäre er auch die bessere Lösung als Bundeskanzler-Kandidat seiner Partei: Wo zwei sich streiten, lacht am Ende der Dritte?!

„hart aber fair“ (ARD): Marina Weisband kritisiert Merkel

Marina Weisband, ehemalige Vorsitzende der Piraten-Partei und mittlerweile bei den Grünen unterwegs, hat die Nase voll von all den unausgegorenen Maßnahmen, den Kommunikationsproblemen. Vor allem aber bedauerte sie in der Talkrunde „hart aber fair“, dass Merkel sich in dem Anne-Will-Interview „nicht an die Bürger gewandt hat, sondern nur an 16 Menschen“ (die Ministerpräsident:innen, d. Red.). Für Weisband ist die Bevölkerung immer noch bereit, einschneidende Maßnahmen mitzutragen, wenn man sie ihnen nur gut erklärt.

Zur Sendung

„hart aber fair“, 29.03.2021, ARD, Mediathek (Video verfügbar bis 29.03.2022)

Dabei schloss sie sogar die Querdenker mit ein. Als Plasberg diese steile These hinterfragte, zog sie sich leider ins Unverbindliche zurück - Ende der Nachfrage. Schon eher konnte sie mit ihrer Forderung, die Wirtschaft mit einzubeziehen, punkten: verpflichtendes Home-Office und Test-Pflicht im Betrieb. Außerdem sieht sie ein Missverhältnis bei den Maßnahmen zwischen Wirtschaft und Privatpersonen: „Die Wurstfabrikation hat bisher noch niemand angehalten.“

„hart aber fair“ (ARD): Herfried Münkler übt scharfe Kritik

Noch strenger ging Herfried Münkler mit der Bundesregierung und den Landesfürsten ins Gericht. Er sieht weder Sachkenntnis, noch eine Strategie. Außer der, es jedem recht zu machen: „Die Politik hat nicht begriffen, welche dramatische Herausforderung diese Pandemie ist, zumal es nicht die letzte Pandemie sein wird.“ Auch er plädiert für die Änderung des Infektionsschutz-Gesetzes durch den Bundestag, um endlich der Effizienz den Vorzug gegenüber einer vermeintlichen Gerechtigkeit und Reihenfolge zu geben: „Die bisherige Gemütlichkeit war ein Fehler.“

Das findet, bezogen auf das Impfdisaster („2,8 Millionen Impfdosen liegen auf Halde“) auch der Österreich-stämmige Matthew Karnitschnig: „Ich überlege mir, nach New York zu fliegen, um mich dort impfen zu lassen, das geht schneller.“ Und ihm wäre lieber gewesen, Angela Merkel hätte sich „für die vielen Toten in den Altenheimen entschuldigt, als für das Hin und Her um die Osterruhe.“

„hart aber fair“ (ARD): Norbert Röttgen kommt steil aus dem Gebüsch

Melanie Amann sieht im zweifelhaften Verhalten der Ministerpräsidenten auch deren Schielen auf die nächsten Landtagswahlen als Grund („Die wollen wiedergewählt werden“) und fragte noch einmal bei Röttgen nach, warum seine Partei nicht schon längst einen Antrag zur Änderung des Infektionsschutz-Gesetzes im Bundestag eingebracht habe?

Da blieb der sonst so eloquente Politiker schmallippig, kam aber bei der immer wieder aufgeworfenen Frage nach der misslungenen Impfstoffbestellungs-Politik durch die EU und der diesbezüglichen Zurückhaltung der Bundesregierung noch einmal als Staatsmann steil aus dem Gebüsch: „Wenn ich mich um meine Bürger kümmere, ist das kein Nationalismus.“ (Rolf-Ruediger Hamacher)

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