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Frank Plasberg und seine Gäste bei hart aber fair.
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Frank Plasberg und seine Gäste bei hart aber fair.

TV-Kritik

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: „Bringt nichts, Corona-Krise zum Generationenkonflikt zu machen“

  • Tina Waldeck
    VonTina Waldeck
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Am Montagabend (07.12.2020) ging es bei Frank Plasbergs Talkshow „Hart aber fair“ in der ARD um die Jugend während der Corona-Krise.

  • In der Sendung „Hart aber fair“ in der ARD geht es um die Sorgen der Jugend wegen der Corona-Krise.
  • Olaf Scholz zeigt in der ARD Verständnis für die jungen Erwachsenen.
  • Eine Juristin möchte nicht, dass die junge Generation zum Sündenbock gemacht wird.

Berlin - Nur einmal jung und dann im Lockdown: Was macht Corona mit der Jugend? Sport, Freizeit und Events verboten – sind das nur Luxusprobleme? Über dieses Thema diskutierte Frank Plasberg in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ am Montagabend (07.12.2020). Die Bundeskanzlerin wird eingespielt, die vor der kritischen Phase im Herbst besonders die Jüngeren in ihrer Rede angesprochen hatte: Mal keine Partys machen und heute verzichten, damit morgen alle gut leben können.

„Hart aber fair“ in der ARD: Studenten sorgen sich wegen Corona um ihre Zukunft

In der erfrischend jungen Diskussionsrunde bei „Hart aber fair“ in der ARD beginnt die 19-jährige Sarah-Lee Heinrich, Studentin der Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln und im Bundesvorstand der Grünen Jugend. Alle machen sich Sorgen um die Zukunft, natürlich auch die Studenten, da besonders deren Jobs weggefallen sind. Sie selbst ist von einer kleinen Wohnung in eine WG umgezogen, ihre Mutter bekommt Hartz 4.

Als ob für die jüngeren Generationen kollektiv nur Partys wichtig sind, ärgert sie sich während der Sendung „Hart aber fair“ in der ARD. „Es bringt nichts, Corona zu einem Generationenkonflikt hochzujazzen, sondern wir müssen es als soziale Krise anerkennen, die sowohl junge als auch alte Menschen trifft!“ Die, die vorher viel verdient haben, kommen jetzt einigermaßen über die Runden. Aber die, die vorher schon wenig hatten, rutschen in die Armut hinein.

Philipp Isterewicz, 28 Jahre und Radio-Moderator bei 1LIVE, unterstützt diese Aussage in der ARD-Talkrunde „Hart aber fair“. Manche Leute meinen, die Jüngeren hätten keine Probleme. Aber immer der Vergleich mit anderen Generationen, auch mit den Kriegsgenerationen, führt in der augenblicklichen Situation zu nichts. Alle gehören zu einer Gesellschaft, so muss man die Krise gegenwärtig sehen und nicht nur zurückblicken, wie schlecht es andern einmal ging.

ARD-Talkshow „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg: Nicht alle jungen Leute feiern Partys

In seiner Sendung kommen nicht nur Rückmeldungen zu Partys: Viele akzeptieren den Lockdown, FaceTimen mit ihren Freunden, reden und chillen. Aber er will auch keine rosarote Brille aufsetzen. Während der Diskussionssendung „Hart aber fair“ in der ARD werden Aufnahmen eingespielt, die eine Party unter einer Brücke in Nordrhein-Westfalen zeigen. Klar, so was gibt es auch. Und Menschen sehen das dann in den Medien und sehen aber gleichzeitig Freunde oder Familienmitglieder isoliert und sterbend. Natürlich empfinden viele das als ungerecht. Aber ist es fair, das zu verallgemeinern?

Auch Ria Schröder, ebenfalls 28 Jahre alt, Juristin und Beisitzerin im Bundesvorstand der FDP, vertritt während der ARD-Sendung „Hart aber fair“ die Meinung, dass man nicht eine junge Generation generell zum Sündenbock machen sollte. Viele waren für die älteren Generationen einkaufen und haben sich sozial engagiert. Und machen sich genauso Sorgen: Wie sollen sie ihre Miete zahlen? Wie können sie sich die Studiengebühren leisten?

„Hart aber fair“ in der ARD: Jugendorganisationen fordern BAföG für mehr Studierende

Schon im April gab es einen offenen Brief der Jugendorganisationen von CDU, SPD, Grünen und FDP mit der Forderung, das BAföG für alle Studierenden zu öffnen, die wegen der Krise ihre Beschäftigung verloren haben. Es ist schwierig, wenn Jobs und Ausbildungsperspektiven wegfallen. Und das betrifft nicht nur einzelne, sondern die Zukunft einer gesamten Gesellschaft! Da sollt es nicht bei der breiten Masse ankommen, dass die Jugend nur feiern will. Das kann man vermissen, klar. Aber darauf sollte in der Kommunikation nicht der Fokus liegen.

Olaf Scholz, Bundesfinanzminister, Vizekanzler und Kanzlerkandidat der SPD, hebt mit seinem 62 Jahren den Altersdurchschnitt der Talkshow „Hart aber fair“ in der ARD deutlich, bringt aber durch seine Erfahrung auch immer wieder einen ruhigen, analytischen Blick mit in die Runde ein. In der gegenwärtigen Situation fühlen sich viele Einzelne angesprochen und angegriffen. Aber alle haben ihre Probleme und Herausforderungen.

ARD-Sendung „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg: Kontakt zu der Familie wird vermisst

Gerade die Jugend ist natürlich in einer Phase, wo man sich vernetzen und etwas erleben möchte. Auch hier für muss man Verständnis aufbringen. Alle dürfen sagen, dass sie etwas vermissen, denn jeder vermisst gerade etwas. Auch die Älteren sehnen sich nach dem Kontakt zu der Familie und hätte gerne mehr Gesellschaft. Aber allen sollte klar werden, dass das eben gefährlich ist und jeder hier auf jeden aufpassen sollte.

Auch der 24-jährige Alexander Jorde, SPD-Mitglied und Krankenpfleger auf der Intensivstation in einem Krankenhaus in Hannover, ist während der Sendung „Hart aber fair“ ganz sachlich. Man sollte nicht immer wieder einzelne Szenen herauspicken, wo Ausnahmefälle stattfinden – es ist falsch, eine Gruppe pauschal wegen des Alters an den Pranger zu stellen. Es gibt in allen Altersgruppen Leute, die die Regeln infrage stellen.

„Hart aber fair“ (ARD): Letzter Corona-Test eines Krankenpflegers ist Monate her

Auch er geht einkaufen, geht laufen und trifft sich im kleinen Rahmen mit der Familie. Und ja, er würde sich ebenfalls gerne mal wieder mit seinen Freunden zum Feiern treffen, aber er sieht auch Menschen in seinem Alter sterben, daher ist er vorsichtig. Jeden Tag setzt er sich auf der Arbeit einem Risiko aus, steht oft nah an hochinfektiösen Patienten und läuft Gefahr, sich zu infizieren. Und bis heute haben die Krankenhäuser noch keine feste Regelung, dass Mitarbeiter regelmäßiger getestet werden. Sein letzter Test ist Monate her, natürlich macht man sich da Gedanken.

Gäste bei Hart aber fair in der ARD:
Sarah-Lee Heinrich (19)Studentin
Philipp Isterewicz (28)Radiomoderator und DJ
Ria Schröder (28)Juristin, Beisitzerin im FDP-Bundesvorstand
Alexander Jorde (24)Krankenpfleger
Olaf Scholz (62)Bundesfinanzminister
Franziska Schürken (17)Schülerin
Marcel Seidenzhal (22)Gelernter Veranstaltungskaufmann

Franziska Schürken, 17 Jahre und Schülerin des Sophie-Scholl-Gymnasiums in Oberhausen sowie Stipendiatin des parlamentarischen Patenschaftsprogramms vom Deutschen Bundestag, wird im Einzelgespräch bei der ARD-Talkrunde „Hart aber fair“ befragt und antwortet für ihr Alter eloquent: Sie wird 2021 Abitur machen und möchte danach Medizin studieren. Im September war sie in Quarantäne und erst vor Kurzem mit dem ganzen Jahrgang in Isolation.

„Hart aber fair“ in der ARD: Schüler:innen haben Zukunftssorgen

Die meisten Schüler haben sich privat ihre Geräte für das Home-Schooling besorgt – also die, die es sich leisten konnten. Man hat oft das Gefühl, man stehe vor einer Wand und rede auch gegen eine Wand. Auf der Plattform change.org hat sie daher eine Petition gestartet, damit die Noten der AbiturientInnen im nächsten Jahr nicht deutlich schlechter ausfallen. Zukunftssorgen gibt es hier bei vielen und auf allen Niveaus.

Warum ist Deutschland nach wie vor nicht in der Lage, allen zum Lernen einen verlässlichen Zugang zu bieten? Auch
Philipp Isterewicz hat sich gewundert, als seine jüngere Schwester Abitur machte und ihm im Gespräch erzählte, dass alles in den Schulen noch genauso sei wie bei ihm vor acht Jahren.

ARD-Talkrunde „Hart aber fair“: Angst vor dem Gang in die Schule

Schon vor dem Virus gab es an dieser Stelle einen Großbrand, da hätten schon viel früher Modernisierungen stattfinden müssen. Und heute sitzen seine HörerInnen stundenlang mit einem Mundschutz in kleinen, schlecht gelüfteten Räumen und schreiben seinem Team, das sie Angst haben, in die Schule zu gehen: Angst davor, es zu bekommen und dann die Eltern anzustecken.

Olaf Scholz verteidigt in der Sendung „Hart aber fair“ in der ARD, das sie schon vor Corona das Grundgesetz geändert haben, um die Schulen weiter mit technischen Strukturen ausbauen zu können. Laptops, Computer, Anschluss an das Netz. Aber ja, gibt er zu, das ist die Wahrheit: Es geht alles etwas langsam. Das BAföG ist immerhin mittlerweile erhöht worden. Es bekommen immer mehr Zugang zu Förderungen. Aber man kann es auch mit drei Strichen unterstreichen: Es ist verdammt eng und das soll man auch nicht schön reden.

„Hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg: Schulden als Investition für die Zukunft

Da ist es auch richtig, dass die Bundesregierung aktuell so viele Gelder einsetzen und Schulden aufnehmen: Bei 300 Milliarden müssen sie ja am Ende auch nicht alles ausgeben, aber die Regierung bleibt handlungsfähig. Sie schaffen jetzt die Grundlagen, dass diese Schulden später auch zurückgezahlt werden können: Eine Investition für die Zukunft. Auch, wenn die Gelder noch schleppend fließen.

Zurück in die Normalität und der Blick auf das Vergnügen sollte daher auch nicht das Hauptthema sein, als das man eher schaut, wo genau solche Baustellen sind, die Unterstützung brauchen, bekräftigt Alexander Jorde während der Diskussionssendung „Hart aber fair“ in der ARD. Applaus für die Pflegekräfte ist schön und gut, aber es ist auch wichtig, dass die Gelder da ankommen, wo sie hinsollen: In seinem Krankenhaus haben die Mitarbeiter zum Beispiel keine der versprochenen Prämien bekommen.

ARD-Sendung „Hart aber fair“: Deutschland darf nicht kaputtgespart werden

Jorde ist in einer relativ großen Klinik, und dadurch, dass so viele Intensivpatienten durchschnittlich länger bei ihnen waren, hatten sie insgesamt eine niedrigere Gesamtanzahl an Patienten. Dadurch bekamen sie keine zusätzlichen Gelder, hatten aber mehr Aufwand. Effektivität ad absurdum. Deutschland bringt es wenig, wenn es kaputt gespart wird, erklärt Sarah-Lee Heinrich in der Sendung „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg. Man muss in nachhaltige Strukturen investieren, die den Menschen und der Gesellschaft etwas bringen. Aber es ist nicht nachhaltig gedacht, wenn 9 Milliarden von den Hilfen allein an die Lufthansa fließen und diese dann trotzdem Leute entlassen, kritisiert sie in der ARD.

Hier muss Olaf Scholz sich rechtfertigen, denn erst nach einem wochenlangen Kampf hat sich der Staat an der Lufthansa beteiligt und wenn diese gut durch die Krise kommt, dann wird der Staat auch etwas davon haben! Und was ist mit allen Leuten, die dort nun entlassen werden und keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben? Die treffen auf die Jüngeren, die aus dem sowieso schon fragilen Kreislauf zwischen Schulabschluss, Lehre, Ausbildung und ersten Job ausbrechen. Hier kann ein sogenannter „scarring effect“ entstehen: Wer in eine Krise kommt, läuft Gefahr über Jahre hinweg, vielleicht sogar sein ganzes Leben lang auf einem niedrigeren Einkommensniveau oder sogar in der Arbeitslosigkeit zu bleiben.

„Hart aber fair“ in der ARD: Junge Leute sorgen sich um ihre Rente

Marcel Seidenzahl, 22 Jahre alt, machte eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann in einem Hotel in Berlin. Ein Job, der nun aktuell nicht mehr benötigt wird. Bei vielen Bewerbungen hört er das gleich: Wir werden sie berücksichtigen, wenn das Geschäft wieder anläuft. Es ist hart und es wird im nächsten Jahr nicht besser, wenn der nächste Ausbildungsjahrgang mit auf den Markt kommt. Und wie wirkt sich das später auf seine Rente aus?

Mit vielen wachen Gemütern, deren Stimmen durchaus öfters Gehör finden sollten, wird bei den unterschiedlichen Diskussionsthemen während der Talkshow „Hart aber fair“ in der ARD mit Frank Plasberg schnell klar, dass die junge Generation viel mehr vermisst als nur Partys: Absicherungen und Zukunftsaussichten zum Beispiel. Und am Ende würden sie alle gerne mit Olaf Scholz tauschen, einfach nur, um noch mehr Dinge in Bewegung setzen zu können. Und dieser? Er würde gerne in die Rolle von Alexander Jorde als Krankenpfleger wechseln. Vielleicht würde er es gerne miterleben, falls doch noch Geld in der Pflege ankommt? (Tina Waldeck)

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