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„Hart aber fair“: Die Jahrhundert-Dürre – Erleben wir gerade unsere Zukunft?

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Von: Teresa Schomburg

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In der ARD diskutieren die Gäste von Frank Plasberg bei „Hart aber fair“ über die Jahrhundert-Dürre. Showdown zwischen Klima-Aktivistin und Industriemanager.

Köln – „Wann wird’s mal wieder richtig regnen?“ dichtet Frank Plasberg mit sarkastischem Unterton den von Rudi Carrell Mitte der 70er geträllerten Sommerhit um. Anders ausgedrückt: „Müssen wir uns für einen vollen Pool schämen?“

Die Frage wird vor allem zum Ende der Debatte rund um den Dürre-Sommer noch einmal relevant, wenn es darum gehen wird, warum es dem Individuum eigentlich so schwerfällt, sinnvolle und scheinbar simple Dinge umzusetzen, die das Klima wenigstens ein bisschen retten könnten. In weiten Teilen der Diskussion können sich die Zuschauer:innen aber entspannt zurücklehnen, denn Angriffsziel der Diskussionsrunde sind in weiten Teilen nicht sie, sondern die üblichen Verdächtigen: Politik und Industrie.

Carla Reemtsma wirft der Regierung „Versagen auf beiden Seiten“ vor

Zunächst äußern alle in der ARD-Runde einhellig das Entsetzen über die niedrigen Wasserstände in ganz Europa vom Rhein über die Loire bis zum Po. Meteorologe und ARD-Wetterexperte Sven Plöger konstatiert noch recht nüchtern: „Es gibt natürlich auch Wetterlagen, aber dieser Sommer ist ein ganz klares Zeichen für den Klimawandel“.

Werner Marnette, langjähriger Industriemanager und ehemaliger Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein (CDU) und die Klima-Aktivistin Carla Reemtsma äußern ähnliches Bestürzen. Überhaupt bemüht sich Marnette im Lauf der ARD-Diskussion auffällig oft darum, Reemtsma beizupflichten, was die allerdings von verbalen Angriffen auf ihr Gegenüber nicht abhält. Zunächst gilt ihre Kritik bei „hart aber fair“ allerdings den aktuell Regierenden, die weder die Klima- noch die drohende soziale Krise in den Griff bekämen. ,

„Hart aber fair“ (ARD) vom 29. August: „Die Politik versagt auf beiden Seiten“

„Die Politik versagt auf beiden Seiten“, so Reemtsma, bestes Beispiel: Das 9-Euro-Ticket, eine Maßnahme, die beides vereinen könnte und nun klanglos auszulaufen droht. „Ich sehe auch ein Versagen“, stimmt Marnette bei. „Wie kann es sein, dass wir zu einer Zeit höchster Knappheit Erdgas verfeuern?“ Sogar zu massiver Selbstkritik mit Blick auf in der Vergangenheit versäumtes ist er bereit: „Wir sollten alle in Sack und Asche gehen“, sagt er zerknirscht, die CDU explizit mit meinend.

„Wann treten Sie zurück, Frau Neubaur?“ nutzt Frank Plasberg diese Steilvorlagen an Mona Neubaur von den Grünen, amtierende NRW-Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie Die lässt sich aber weder jetzt noch im Lauf der weiteren ARD-Sendung von derartigen Angriffen beirren, nennt stoisch immer wieder die jetzt in Angriff zu nehmenden Ziele („erneuerbare Energien ausbauen, jetzt Versorgung mit Gas sicher stellen“), betont aber auch: „Wir haben ein Erbe der Vorgängerregierungen angenommen“. 

Heftiger Schlagabtausch zwischen Klima-Aktivistin und Industriemanager

Da Neubaur auf diese Weise sachlich wirkt und wenig Angriffsfläche bietet, entwickelt sich bei „hart aber fair“ doch noch ein heftigerer Schlagabtausch zwischen CDU-Mann Marnette und der „Fridays for Future“-Sprecherin Reemtsma. Während er seine vergangenen Erfolge bei der Umstellung etwa von Koks auf Erdgas feiern will, wirft die Aktivistin ihm vor: „Sie haben uns doch in die Abhängigkeit vom russischen Gas gebracht“. Marnettes Erklärungen zur damaligen Lage will Frank Plasberg gar nicht hören: „Sie müssen einem jungen und gut informierten Menschen nichts mehr erklären“.

Marnette müht sich nun wieder um Augenhöhe mit Reemtsma: „Wir doktern hier am System. Wir setzen auf Sonne und Wind, beides ist nur unstetig verfügbar.“ Während Frank Plasberg schon die Atomkraft durch den Raum schweben sieht, ärgert sich Carla Reemtsma über solche „Schauermärchen“ zu angeblich nicht ausreichenden erneuerbaren Energien.

„Hart aber fair“ (ARD) vom 29. August: „Wir müssen Kohle und Kernenergie hoch fahren“

Sven Plöger wirft mit fast schon ironischer Leichtigkeit Fakten zu den physikalischen Tücken von Kernspaltung, zur vermeintlichen Brückentechnologien als mögliche Irrwege und zum Windvorkommen am Rande von Hochs zwischen das Gefecht Marnett versus Reemtsma ein.

Marnette versucht noch eine letzte Runde mit seinem größten Trumpf: drohender Wohlstandsverlust, Ebbe in den Portemonnaies. „Wir müssen Kohle und Kernenergie hoch fahren. Das müssen auch Sie begreifen, das hat mit Ideologie nichts zu tun.“ Das klingt fast schon flehentlich, aber Reemtsa kontert kalt: „Doch!“ und verweist erneut auf Studien, die zeigen, dass ein Leben mit erneuerbaren Energien möglich sei. Erschöpft lädt der langjährige Industriemanager die Klimaaktivistin ein, bei Gelegenheit gemeinsam durch die Zahlen zu gehen. 

Taugt der Privatpool als Symbol für rücksichtsloses Verhalten?

Gegen Ende der ARD-Sendung wird es dann aber doch noch einmal ungemütlich, für die Bürger:innen vorm Bildschirm, die sich bislang bequem zurücklehnen konnten. Zuvor bereits hatte der Forstwissenschaftler, Feuerökologe und Waldbrandexperte Alexander Held erläutert, warum derzeit das ganze Land brennbar geworden ist, wie kontrolliert gelegte Brände helfen können und wer die drei Hauptursachen der Brände seien: „Männer, Frauen, und Kinder“, durch „unachtsames Verhalten“ wie Grillen, Rauchen oder mit heißem Katalysator durch die Wälder düsen.

Nun soll es noch um den Privatpool gehen, der im Lauf des Dürre-Sommers das SUV als neues Symbolobjekt für rücksichtsloses Verhalten angesichts der Klimaprobleme abgelöst hat. Der Psychologe Rolf Schmiel erklärt, warum die Poolbesitzer mit wachsender Hitze der Debatte das Wasser umso schneller einlassen. „Wenn der Druck auf den Einzeln zu stark ist, werden wir egoistisch“.

„Hart aber fair“ (ARD) vom 29. August: Zwischen Nichtrauchen und Klimawandel

Ob Scham und soziale Ächtung so ein Verhalten auf Dauer ändern können, fragt Fank Plasberg und scheint selbst überrascht, als Schmiels klare Antwort lautet: „Ja!“ Als Beispiel führt Schmiel das Rauchverbot an: Erst kamen massive Gegenreaktionen, langfristig hat sich das Nichtrauchen aber weitgehend durchgesetzt. Werde man allerdings permanent mit sehr vielen Problemen und Stresssituationen konfrontiert wir zur Zeit, setze irgendwann Gleichgültigkeit ein. Die Bürger:innen jedenfalls können erleichtert aufatmen, denn auch Schmiel äußert nun „mehr Verständnis für den Bürger als für den Politiker, der nur darauf ausgerichtet ist, wieder gewählt zu werden.“ 

Frank Plasberg beendet die Runde mit einer eigens vorbereiteten Fotogalerie zum Thema: „Versiegelung der Böden“ und „was wir alle im Kleinen“ tun können: Eine Serie von Schottergärten, untermalt von Smetanas „Die Moldau“ läuft da über den Bildschirm. „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“, findet Plasberg stolz. Und was sollen diese Bilder sagen: Dass wir keine Schottergärten anlegen sollen? Um noch irgendeinen Tropfen Klima zu retten, bedarf es wohl doch etwas mehr als das. (Teresa Schomburg)

Bei „Hart aber fair“ hatte Frank Plasberg zuletzt FDP-Politiker Christian Dürr davon kommen lassen.

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