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Corona-Talk bei „Hart aber fair“ (ARD) diskutiert über Freiheiten im Sommer.
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Corona-Talk bei „Hart aber fair“ (ARD) diskutiert über Freiheiten im Sommer. (Screenshot)

TV-Kritik „Hart aber fair“

Corona-Talk bei „Hart aber fair“ – Sind jetzt die Älteren in der Pflicht?

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    VonRolf-Ruediger Hamacher
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Frank Plasberg diskutiert in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ zum Corona-Thema: Der Sommer wird gut – aber gilt das schon für alle?

Berlin – Nach 14 Monaten Corona-Dauerstress und gefühlten, tausenden Talkshows zur Pandemie fällt es den Moderator:nnen und ihren Gästen – die sich ja oft die Klinken der verschiedenen Sender-Studios in die Hand zu geben scheinen – immer schwerer, dem Thema neue Reize abzugewinnen.

Und so erlebten wir Karl Lauterbach (SPD), den obersten Corona-Mahner der Nation, diesmal bei „Hart aber fair“ (ARD) ungewohnt optimistisch: „Ich glaube, die große Zeit der Pandemie ist, zumindest in Deutschland, vorbei, wenn wir jetzt nicht unvorsichtig werden, und mehr draußen statt drinnen treffen.“ Und er hatte noch ein dickes Lob für seine Mitbürger:innen parat: „Die Bevölkerung hat sich in den letzten Monaten vernünftiger verhalten, als so mancher Politiker.“

„Hart aber fair“ (ARD): Karl Lauterbach (SPD) ist ungewohnt optimistisch

Umso mehr plädiert Christiane Woopen in „Hart aber fair“ (ARD) dafür, den Geimpften, Genesenen und Getesteten nun langsam ein paar Freiheiten zurückzugeben. Andererseits warnt sie aber auch davor, die gerade heftig diskutierte Priorisierung aufzuheben und plädiert für ein 4-Säulen-Modell:

Die Gruppen 1 + 2 der Alten und durch Vorerkrankungen Gefährdeten sollten weiter vorrangig behandelt werden, die 3. Gruppe sollte in die Hände der Hausärzte gelegt werden. Die dritte Säule sollten die sozial prekären Viertel bilden und die junge Generation in der vierten zusammengefasst werden: „Auch wenn noch nicht genug Impfstoff da ist, kann man ihn doch auf vier Gruppen verteilen - denn gerade in Zeiten, wo etwas knapp ist, wird die Frage der Gerechtigkeit um so wichtiger.“

Gäste bei Hart aber fairFunktion
Karl LauterbachSPD-Bundestagsabgeordneter und Epidemiologe
Anna MayrRedakteurin im Politik-Ressort der Zeit
Cornelia PolettoTV-Köchin und Restaurant-Besitzerin
Christiane WoopenMedizinethikerin und Vorsitzende des Europäischen Ethikrates
Natalia BachmayerLeiterin des ARD-Fernsehstudios Madrid
Ute DallmeierGeschäftsführerin eines Reisebüros

„Hart aber fair“ (ARD): Sind jetzt die Älteren in der Pflicht?

Zeitredakteurin Mayr sieht jetzt die Älteren in der Pflicht, etwas von jener Solidarität zurückzugeben, die ihnen die Jungen während der Krise entgegengebracht hatten.

Ob es diese Diskussion auch in Spanien gibt, will Plasberg von Natalia Bachmayer wissen. Ein klares „Nein“ ist die Antwort: „Hauptsache, Oma ist in Sicherheit“. Und auch die hier so hochgekochte Frage der freien Impstoff-Wahl spielt in unserem beliebtesten Urlaubsland keine Rolle. Da hört man dann schon mal, so Bachmayer, Sätze wie: „Wenn dir der Impfstoff nicht gefällt, versuchs mal mit der Krankheit!“ Uns rät Bachmayer „mehr Spanien wagen“, wo die „Freiheit“ schon in die Straßen Madrids zurückgekehrt ist und die konservative Stadtregierung damit bei der Regionalwahl die Opposition niedergerungen hat.

Diskussion bei „Hart aber fair“ (ARD) um Restaurantöffnung

Das ist natürlich eine Steilvorlage für Cornelia Poletto, die ihr Restaurant endlich wieder öffnen will: „Nicht nur zwei Bänke vor der Tür!“ Denn so manch häusliches Treffen verläuft undisziplinierter als jeder von Hygiene-Maßnahmen begleiteter Restaurantbesuch. Schon sind wir beim Dauer-Reiz-Thema „Digitaler Impfpass“, wo wir, wie bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens immer noch hinterherhinken. Warum nicht einfach wie in Dänemark eine App mit drei grünen Häkchen einführen, anstatt sich ständig hinter dem Datenschutz zu verstecken ? Das würde nicht nur den Restaurantbesuch erleichtern, sondern auch die Urlaubsplanung.

Der sieht Ute Dallmeier ganz entspannt entgegen: „Hierzulande ist er ja schon jetzt teilweise möglich, in Frankreich sollte er im Sommer klappen.“

Den Niederlande-Kurzurlaub über Pfingsten sieht sie allerdings wegen der hohen Inzidenz-Zahlen noch gefährdet, bricht aber für sichere Pauschalreisen („ Da werden ja nur 20% der Kapazitäten angeboten“) und die tollen Hygiene-Konzepte der Kreuzfahrt-Branche eine Lanze, die ja auch Reisen ohne Landgänge anbieten. Da möchte Karl Lauterbach dann doch nicht mithalten („ Ich würde eine gute Flasche Wein einer Kreuzfahrt vorziehen“)

„Hart aber fair“ (ARD): Werden die Gefahren durch Corona richtig eingeschätzt?

Anna Mayr hinterfragt noch einmal die Zuspitzung auf die Frage „wann kann ich endlich Urlaub machen“, sieht einen fragwürdigen „Wettbewerb im Gönnen“. Sie fände es wichtiger, sich damit zu beschäftigen, wie geht es mit der Schule, dem Studium weiter - und hat so ihre Zweifel, ob die Menschen die Gefahren wirklich richtig einschätzen.

Viel Erhellendes kam bei dieser erstaunlich harmonischen Talkshow, in die sich auch die Zuschauer-Posts kongenial einfügten, letztlich nicht zutage. Die Sommer-Wünsche lassen sich aber vielleicht, zumindest für die Diskutierenden, in Madrid erfüllen, wohin Natalia Bachmayer sie in der obligatorischen „Schlussrunde“ zur „Ortsbesichtigung“ einlud. (Rolf-Ruediger Hamacher)

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