1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Neues Personal im ARD-Tatort: Erstaunliche Camilla an Karows Seite

Erstellt:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Im neuen Berlin-Tatort „Das Opfer“ ermittelt der trauernde Ermittler Robert Karow erstmals solo in der ARD. Seine Kollegin Rubin ist tot.

Ziemlich viel los hier, aber es ist gut, sehr gut. Der erstmals in einem ARD-Tatort Nina-Rubin-lose Robert Karow ist todtraurig auf jene gefasste Art, die Mark Waschke inzwischen in feinen Abstufungen kultiviert hat. Todtraurig zu sein, hindert Robert Karow weder daran, andere mit einem verachtungsvollen Blick abzuservieren, noch mit seiner Überlegenheit zu prahlen. Buchstäblich im Vorübergehen entgeht ihm immer noch weniger als der Kollegenschar.

Sein Arbeitsethos und Bienenfleiß, denn das wäre es ja auch, wenn so bürgerliche Begriffe an Karow nicht abprallen würden, wird sich nachher allerdings auch bitter strafen. In einer gruseligen Szene wird ihm in der ARD eine üble Verletzung angetan, mit der er irrsinnigerweise im Verlauf der Geschichte noch rudern, eine Tür aufbrechen und sonstige Actionszenen überstehen muss. Er ist bleich wie der Tod, er ist aber auch tapfer.

Berlin-Tatort im Ersten: Kommissar Karow ganz allein

Camilla (Kim Riedle, r.) ist auch eine große Stütze für Robert Karow (Mark Waschke). Stefan Erhard/rbb
Camilla (Kim Riedle, r.) ist auch eine große Stütze für Robert Karow (Mark Waschke). © rbb/Stefan Erhard

Das tut Not. Drehbuchautor Erol Yesilkaya hat sich für den Berlin-Tatort eine Geschichte ausgedacht, für die es gute Nerven, Spürsinn und Empfindlichkeit braucht. Ein Toter, ein „Hingerichteter“ im Wald ist Karows aus dem Blick und Gedächtnis geratener Jugendfreund Maik, der zuletzt als verdeckter Ermittler im „Milieu“ gearbeitet hat. Dazu Rückblenden (mit Andreas Pietschmann), vor allem aber Szenen aus dem Leben des jungen Karow, Jona Levin Nicolai, der den jungen neuen Nachbarn Maik, Laurids Schürmann, gleich mag. Der ihn auch. Eine erste zarte Liebe wird jäh unterbunden, was man bereits ahnt, was Yesilkaya und Regisseur Stefan Schaller aber doch eigen genug erzählen, um Interesse zu wecken.

Zur Sendung

„Tatort: Das Opfer“, ARD, Sonntag, 18.12., 20.15 Uhr.

Auch das Interesse des nicht mehr jungen Karow ist geweckt, es gibt zahlreiche teils seltsame, teils markante Spuren, die die Erinnerungen ebenso befeuern wie den Ermittlerinstinkt des todtraurigen Polizisten. Er wirft sich voll rein in die Schitzeljagd, die sich vor ihm auftut, bloß halbherzig zurückgehalten durch die von einer besonders eisigen Jasmin Tabatabai gespielte Staatsanwältin. Sie selbst war es ja, die mit Maiks Hilfe einen Unterweltboss namens Mesut Günes, Sahin Eryilmaz, dingfest machen wollte. Wer sicher ist, dass hier trotzdem etwas grundsätzlich nicht stimmt, liegt richtig, es wird den Herren und Damen Schlaumeier aber kaum helfen. „Das Opfer“ heißt dieser Tatort übrigens.

Tatort in der ARD: Karows Top 10

Kommen wir nun aber zu dem besten Satz des ARD-Films. Natürlich stammt er vom Solisten Karow und ist überraschend für einen recht alleine vor sich hinlebenden Mann. „In der Top 10 der Menschen, die ich wirklich mag, bist du auf Platz 2.“ So, das bekommt man nicht oft zu hören, eher nie. Camilla aber hat es verdient. Hätte nicht jeder so rasch gemerkt, Karow aber schon (verblüffend ja, dass er überhaupt eine Top 10 von Menschen hat, die er wirklich mag).

Camilla arbeitet in einem der Schuppen des Unterweltbosses. Kim Riedle, die in blond Ursina Lardi unfassbar ähnlich sieht, holt für den Berlin-Tatort alles aus der Rolle heraus, das Unglück, die Angst, den Durchhaltewillen. Ein Mensch, der das Richtige tut aus schierem Überlebensdrang. Nichts Süßliches, nicht Liebes ist in ihrer Beziehung zu Karow. Nebenbei ist dieser Tatort durch Camilla eine kleine unrepräsentative Studie der Sexarbeit, nicht weil man viel über sie erfährt, sondern weil man eine Vorstellung davon bekommt, in was für einer Situation sie feststeckt. Unerwartet auch: In diesem Tatort mit einem todtraurigen Karow und bald auch noch einer völlig auf sich gestellten Prostituierten, stehen die Zeichen dennoch nicht auf großes Drama. Stattdessen geht es einer detaillierten Lösung entgegen, die eher an englische Krimis denken lässt: auch nicht oberste Klasse, aber da hat schon einer ordentlich ausgetüftelt.

Der Berlin-Tatort im Ersten - die Besetzung

RolleDarsteller
Kriminalhauptkommissar Robert KarowMark Waschke
Jugendfreund und verdeckter Ermittler MaikAndreas Pietschmann
Staatsanwältin TaghaviJasmin Tabatabai
Stripgirl CamillaKim Riedle
Dealer und Nachtclub-Besitzer Mesut GünesSahin Eryilmaz

Mit der Berlin-Tatort-Folge „Das Mädchen, das allein nach Haus´geht, verließ Meret Becker in der 15. Folge als Nina Rubin die Tatort-Serie. 2023 wird dann Corinna Harfouch zu Karow stoßen. Auch wenn es am Ende des Abends fast eigenartig erscheint, Camilla nie wiederzusehen, ist das eine ernstzunehmende Aussicht, und der rbb geht sie auch groß an, mit einer Doppelfolge.

Auch interessant

Kommentare