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Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Wolf
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Hannes Jaenicke im Wolfforschungszentrum WolfScienceCenter, Ernstbrunn, Österreich. Alle Wölfe der Einrichtung werden per Hand aufgezogen.

TV-Kritik

„Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Wolf“ (ZDF): Zeit der Wölfe

  • Tilmann P. Gangloff
    VonTilmann P. Gangloff
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In seinem facettenreichen elften ZDF-Einsatz widmet sich Hannes Jaenicke einer Tierart, die zwar nicht bedroht ist, aber stark polarisiert.

Der Wolf hat ein schlechtes Image. Vermutlich wäre es zu einfach, die Schuld dafür ausschließlich bei den Gebrüdern Grimm und Märchen wie „Rotkäppchen“ zu suchen, aber in unseren Kulturschätzen wird das Tier überwiegend als furchterregend dargestellt; das Spektrum reicht von Fabeln wie „Reineke Fuchs“ über Sergei Prokofjews Musikmärchen „Peter und der Wolf“ (1936) bis zu Neil Jordans Fantasy-Kinoklassiker „Zeit der Wölfe“ (1984). Hierzulande kamen die Tiere endgültig in Verruf, als sie nach 150 Jahren Abwesenheit zur Jahrtausendwende aus Polen in die Lausitz einwanderten.

In Hannes Jaenickes elftem Einsatz geht es daher ausnahmsweise nicht um eine bedrohte Tierart, im Gegenteil; dass es in Deutschland mittlerweile an die 130 Rudel gibt, betrachtet der Schauspieler, der sich seit vielen Jahren für den Artenschutz engagiert, als Erfolgsgeschichte. Bislang hat er sich für die ZDF-Dokumentationen meist in ferne Länder begeben, um über die Gefahren für Orang-Utans, Nashörner oder Gorillas zu berichten. Diesmal musste der am oberbayerischen Ammersee lebende Star quasi nur vor die eigene Haustür treten.

„Im Einsatz für den Wolf“ (ZDF): Sind die Zäune hoch genug, hat der Wolf keine Chance

In die Ferne ist Jaenicke trotzdem gereist: Während der Wolf in unseren Breiten für viel Unruhe sorgt, gibt es in den Karpaten, wo die Wolfspopulation auf deutlich engerem Raum ungleich größer ist, eine funktionierende Koexistenz. Auch hierzulande schließen sich keineswegs alle Besitzer von Schafherden der bei vielen Jägern verbreiteten Haltung an, die Tiere im Zweifelsfall zum Abschuss freizugeben: Sind die mobilen Zäune hoch genug und elektrifiziert, hat der Wolf keine Chance. Um zu demonstrieren, dass dies auch in unwegsamem Gebirgsgelände möglich ist, packt Jaenicke kurzerhand selbst mit an. Kein Wunder, dass ein Jäger, der das Wort „töten“ offenbar vermeiden will und im Rahmen des „aktiven Wolfsmanagements“ lieber von „Entnahme“ spricht, in der Dokumentation nicht besonders gut wegkommt, selbst wenn sich der Schauspieler ihm gegenüber neutral verhält. Vorbehalte werden erst deutlich, wenn Jaenicke verallgemeinert und Jäger als kleine Elite aus Politikern und Adeligen bezeichnet.

„Im Einsatz für den Wolf“ (ZDF): Auch diesmal spektakuläre Bilder

Aber die Gespräche mit Tierschützern und Tierforschern oder dem durch seine Wald-Bestseller bekannt gewordenen Förster Peter Wohlleben sind nur das eine, die Pflicht gewissermaßen. Dazu gehört auch die Bewunderung für den Wolf als Meister der Anpassung, der in der arktischen Tundra ebenso überlebt wie in der Wüste oder in Industriebrachen. Sehenswert wird „Im Einsatz für den Wolf“ vor allem durch die Kür. Die Zwischenspiele sind einfallsreich und mit viel Liebe zum Detail gestaltet, die Grafiken anschaulich und eindrucksvoll. Die Filme waren von Anfang an ein Garant für spektakuläre Bilder, und die gibt es auch diesmal. Die Naturaufnahmen sind teilweise ein Gedicht, und wenn die Wolfswelpen ausgelassen miteinander toben, geht das selbstredend ans Herz. Andere Momente gehen dagegen an die Nieren, denn Eva-Maria Gfirtner und Judith Adlhoch (Buch und Regie) ersparen ihrem Publikum auch die grausige Seite nicht; immer wieder werden Wölfe Opfer von Menschen, die ihren Hass ausleben, indem sie Tiere zu Tode quälen. Die allermeisten Wölfe sterben allerdings beim Versuch, eine Straße zu überqueren.

Zur Sendung

„Hannes Jaenicke: Im Einsatz für den Wolf“, 25.5.2021, ZDF, 22.15 Uhr.
Die Sendung in der Mediathek.

Weil die Reihe stets über den Tellerrand blickt, spricht Jaenicke in seinem Kommentar auch diesmal grundsätzliche Fragen an. Die Dokumentationen beleuchten ohnehin stets den Zwiespalt zwischen Zivilisation und Natur. Deshalb geht es in dem Wolfsfilm nicht nur um die zugespitzte Frage „Schießen oder schützen?“. Wir Menschen, sagt Jaenicke, seien weitaus gefräßigere Raubtiere als der Wolf, der wiederum als willkommener Sündenbock diene, um den völlig verfehlten Umgang mit der Natur zu kaschieren. Als Gegenentwurf dienen den Autorinnen ein Naturschutzgebiet in den Abruzzen, wo die Wölfe für ein natürliches Gleichgewicht sorgten und verhinderten, dass Wildschweine zur Plage werden, sowie der amerikanische Yellowstone-Nationalpark.

Hier hat die Rückkehr des Wolfs eine ökologische Kettenreaktion ausgelöst, an deren Ende ein Anstieg der Artenvielfalt steht; und das nicht nur, weil es nun weniger Kojoten und dadurch mehr Kleintiere gibt, weshalb auch der lange Zeit vom Aussterben bedrohte Weißkopfseeadler wieder in Wyoming heimisch geworden ist. Was würde wohl passieren, fragt Jaenicke, wenn wir unseren „tödlichen Flächenfraß“ einstellten und der Natur freien Lauf ließen? Eine Antwort gibt der Film nicht; vermutlich, weil alle drei, Gfirtner, Adlhoch und Jaenicke, wissen, dass dies vorerst ein schöner Traum bleiben wird. (Tilmann P. Gangloff)

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