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Die drei Freundinnen Helga (Jutta Speidel), Kiki (Hannelore Elsner) und Marie (Uschi Glas) eröffnen gemeinsam ein Tanzcafé.

Komödie „Club der einsamen Herzen“

„Club der einsamen Herzen“: Nichts mehr zu verlieren

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Verbitterte Schnepfen statt lustiger Witwen: Die Tragikomödie ist einer der letzten Filme mit Hannelore Elsner, schöpft aber das boshafte Potenzial des Stoffs nicht aus.

Eigentlich seltsam, dass die ARD am ursprünglichen Ausstrahlungstermin dieses Films festgehalten hat; das „Erste“ hätte „Club der einsamen Herzen“ auch gut vorziehen und bereits anlässlich des Todes von Hannelore Elsner ausstrahlen können. Die im April verstorbene Schauspielerin spielt zwar nur eine der drei Hauptrollen, aber daran wird’s ebenso wenig gelegen haben wie an der Qualität des Films; in dieser Hinsicht haben Sender ohnehin andere Kriterien als Kritiker. Tatsächlich hätte die Komödie zum Beispiel weitaus bitterer und böser ausfallen können; die von der ARD-Tochter Degeto verantwortete Produktion wirkt wie ein Freitagsfilm, der versehentlich auf den Samstag gerutscht ist.

Regisseurin und Koproduzentin Christine Hartmann, die für das Drehbuch (Koautorin: Gerlinde Wolf) durch Erfahrungen aus ihrer eigenen Familie inspiriert worden ist, erzählt eine Geschichte mit ernstzunehmendem Hintergrund. Die Botschaft wird deutlich, als die drei Hauptfiguren, alle siebzig plus, ihren Angehörigen in einer allerdings recht inszeniert anmutenden Szene klar machen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. „In unseren Herzen ist alles noch wie früher“, versichert Kiki (Elsner); sie verspürten dieselben Wünsche, Träume und Sehnsüchte wie einst. Helga (Jutta Speidel) und Maria (Uschi Glas) ergänzen, sie hätten noch zehn, vielleicht fünfzehn gute Jahre, und die wollten sie nicht vor dem Fernseher verbringen. Das klingt nach einer guten Basis für eine interessante Handlung: Drei aufmüpfige Kleinstadtrentnerinnen wehren sich gegen das Abstellgleis und investieren ihre Altersvorsorge in die Neueröffnung eines Tanzcafés, mit dem sie die Erinnerungen an ihre Jugend verbinden; schließlich haben sie nichts mehr zu verlieren, wie Helga aus einem Ratgeber für „Best Ager“ lernt.

Eine Komödie, die nicht weh tut

Ein ausgezeichneter Stoff für eine knackige Komödie, aber draus geworden ist ein Film, der offenkundig niemandem weh tun will; da war Hartmanns Verfilmung von Gaby Kösters autobiografischem Schlaganfallbuch „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ (RTL 2017) von ganz anderem Kaliber. „Club der einsamen Herzen“ ist viel zu brav, um wirklich böse zu sein. Das gilt vor allem für die harmlosen Bosheiten, die sich die Grazien gegenseitig an den Kopf werfen; schlimmere Entgleisungen als „verbitterte Schnepfen“ hat der Film nicht zu bieten. Selbst Giftspritze Josefine (Gundi Ellert), die den ganzen spießigen niederbayerischen Provinzmief verkörpert, vor dem Kiki einst geflohen hat, ist eine Figur mit gebremstem Schaum. Für Hannelore Elsner hingegen ist der frühere Schlagerstar eine Paraderolle, die sie weidlich auskostet: Schamlos setzt Kiki auch heute noch ihren Charme ein, um ihre Ziele zu erreichen. Die einstige Karriere ist allerdings längst verblasst; beim letzten Auftritt, gesteht sie schließlich, sei sie ausgebuht worden. Das wiederum ist kaum zu glauben, als Hartmann für Elsner ein Finale inszeniert, das ihre ganze Größe feiert; die Schauspielerin hatte schon in dem Kinodrama „Auf das Leben!“ (2014) gezeigt, dass sie womöglich auch Karriere als Chanson-Sängerin hätte machen können.

Schade um das Potenzial der drei Hauptdarstellerinnen

Die Handlung beginnt mit Kikis Comeback: Zum ersten Mal seit ihrem Abschied vor 45 Jahren kehrt sie in die alte Heimat Landshut zurück. Sie lebt zwar mittlerweile in einem zum Wohnmobil umfunktionierten alten Feuerwehr- oder THW-Fahrzeug, gibt aber immer noch die Diva; die Autogrammkarten, die sie verteilt, zeigen sie als schöne junge Frau. Helga und Maria, schon namentlich längst nicht so glamourös wie Kiki (die mit Nachnamen allerdings ganz unspektakulär Kröschl heißt), führen dagegen ein typisches Witwendasein. Maria, deren Juweliergeschäft nun von ihrem Sohn Jakob und dessen Frau (Max Schmidt, Kathrin von Steinburg) betrieben wird, vertreibt sich die Zeit mit dem Besuch von Beerdigungen und hält dort Ausschau nach Kandidaten für einen gemeinsamen Lebensabend. Auf Kiki ist sie gar nicht gut zu sprechen, weil die ihr einst den Freund ausgespannt hat. Helga ist auch nicht gerade ausgelastet und vor allem damit beschäftigt, dem vor einigen Jahren verblichenen Gatten nachzutrauern. Außerdem muss sie sich ihrer respektlosen Töchter Sabine und Ricarda (Kathrin Anna Stahl, Ina Lehmann) erwehren, denn die beiden wollen sie aus nicht ganz uneigennützigen Gründen dazu bringen, ihr Eigenheim zu verkaufen. Sabine treibt es besonders weit und schmiedet zusammen mit Jakob ein Komplott, um Helga und Maria in eine Seniorenresidenz abzuschieben.

Hartmann („Hanni & Nanni“) hat schon oft beweisen, wie gut sie ihr Metier beherrscht; zuletzt mit einem guten „Tatort“ aus Köln („Familien“, 2018), davor unter anderem mit dem außerordentlich gut gespielten ADHS-Drama „Keine Zeit für Träume“ (2014). Aus „Club der einsamen Herzen“ hätte daher ein viel besserer Film werden müssen. Schade ist es vor allem um das Potenzial der drei Hauptdarstellerinnen. Uschi Glas stapft vorzugsweise grimmig oder verbittert durch die Handlung, Jutta Speidel muss meist verhärmt dreinschauen. Hannelore Elsner hat entsprechend wenig Mühe, um Kiki im Kontrast zu den beiden früheren Freundinnen wie einen Paradiesvogel wirken zu lassen; im Grunde erreicht sie den Effekt bereits, wenn sie sich eine Federboa um den Hals legt. Gelungen ist immerhin die Songauswahl: Passend zum Alter der Protagonistinnen erklingen statt des sonst in solchen Filmen unvermeidlichen Schmusepops vor allem Klassiker.

Zur Sendung

Komödie „Club der einsamen Herzen“
Sendetermin: Samstag, 8.6., ARD, 20.15 Uhr
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