Habib Koité

Die Jugend, die Liebe, das Internet

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Habib Koité beim Konzert in der Brotfabrik.

Ein Keyboard als Ersatz für das afrikanische Xylofon Balafon? Das muss doch nun wirklich nicht sein, mag man denken. Klingen tut es allerdings schon astrein. Habib Koité hat einmal die Befürchtung geäußert, die Begeisterung der jungen Generation in Mali für den HipHop werde dazu führen, dass die traditionelle Musik ausstirbt. An Koité wird es jedenfalls nicht liegen. Seine Musik ist zwar ebenfalls nicht traditionell. Doch der 1958 im Senegal geborene, aus einer malischen Familie von Griots stammende Sänger, Songschreiber und Gitarrist bringt die Traditionen mehrerer Ethnien Malis so stimmig mit der Popmusik zusammen, dass man das als moderne Fortschreibung betrachten kann.

1988 gründete Koité seine Band Bamada, seit Mitte der neunziger Jahre ist er eine internationale Größe in der sogenannten Weltmusik. Es gelingt ihm das Kunststück, die Erwartungen des einheimischen Publikums mit denen des „westlichen“, besser gesagt: nördlichen Marktes in Übereinstimmung zu bringen, ohne dass seine Musik zu kommerziell wirken würde.

Beim gut besuchten Konzert in der Frankfurter Brotfabrik wird Habib Koité von fünf Musikern begleitet. Immer wieder erstaunlich ist seine wohltuend unzirzensisch virtuose Zupftechnik, mit der er den Klang der einheimischen Harfen- und Lauteninstrumente Kora und Kamalengoni auf die Gitarre überträgt. Wovon er an diesem Abend im Einzelnen singt – man erfährt es, der Sprache unkundig, auch über die Ansagen nicht. Bekannt ist aber, dass es in seinen Liedern um die Rolle der Frau und die Chancen der Jugend geht, um das Internet und, natürlich, um die Liebe. Die Rolle der singenden Chronisten der Griots überträgt er auf eine Songwritermanier.

Durch die raffiniert schlichten Arrangements hebt sich die Musik erfreulich von gängigen Afropopklischees ab, teils mit Neigung zum Balladesken. Einer der Musiker wechselt zwischen Gitarre und Banjo, ein anderer zwischen E-Bass und Kamalengoni, ein Perkussionist glänzt einen Gutteil des Abends an der Talking Drum. Das Schlagzeugset ist ein Hybrid mit afrikanischer Kalebasse und westlichem Becken, das Keyboard ist für manche Nummern auf „Akkordeon“ gepolt.

Zur Show gehört ein – einmaliges und dankenswerterweise nicht besonders ausgewalztes – Call-and-Response-Spiel mit dem Publikum; auch werden gelegentlich ausgewählte afrikanische Tänzerinnen und Tänzer aus dem Publikum auf die Bühne gebeten. Zu neunzig Prozent ein hinreißendes Konzert – vor der Pause und zum Schluss allerdings stimmte Habib Koité musikalisch wie – soweit zu erkennen – auch textlich banale Scheußlichkeiten an, irgendetwas von Tequila in San Francisco unter anderem. Offenbar ist auch dieser fabelhafte Musiker der Ansicht, er müsse sich hin und wieder an sein Publikum ranschmeißen. Nötig wär’s nicht.

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