Filmregisseur Tom Tykwer in Kenia.
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Filmregisseur Tom Tykwer in Kenia.

Kuratorium junger deutscher Film

Gütesiegel für Wenders, Herzog und Tykwer

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Seit 50 Jahren fördert das Kuratorium junger deutscher Film / Wenig Geld, aber große Wirkung.

Mit Alexander Kluge fing alles an. „Abschied von gestern“ war der erste Film, den das Kuratorium junger deutscher Film förderte. 1965 war das.

Seit mehr als 50 Jahren unterstützt die in Wiesbaden ansässige Institution die ersten Werke von vielversprechenden Nachwuchsfilmern. Filme von Wim Wenders waren darunter („Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, 1971), von Werner Herzog („Lebenszeichen“, 1967), Andreas Dresen („Stilles Land“, 1992) oder Tom Tykwer („Die tödliche Maria“, 1993). Zweiter Förderschwerpunkt sind Kinderfilme wie zuletzt die erfolgreichen Verfilmungen der Rico-und-Oskar-Bücher (2014 und 2015).

Seit einem halben Jahr ist das Kuratorium quer durch die Republik getourt und hat Filme aufgeführt, denen es einst in die Kinos verholfen hat. „Wir wollten mal sehen, was wir da eigentlich gefördert haben“, sagte Andreas Schardt, Vorstandsdirektor des Kuratoriums, am Donnerstagabend in der Caligari-Filmbühne in Wiesbaden.

Dort, in der Heimat des Kuratoriums, ging die Geburtstagstour mit einem Debütfilm zu Ende. Premiere hatte der Film „Uns geht es gut“ des jungen Regisseurs Henri Steinmetz, der den Alltag einer gelangweilten Gruppe von vier Jungs und einem Mädchen nachzeichnet.

Steinmetz und die Produzentin Andrea Schütte freuten sich über diese prominente Premierenfeier und priesen das Kuratorium, auch wenn es – wie üblich – finanziell nur einen kleinen Teil zu ihrem Film beisteuern konnte. Der kostete nach Schüttes Angaben 1,15 Millionen Euro, was als „low budget“ durchgeht. Den Löwenanteil habe die Mitteldeutsche Medienförderung bezahlt. Vom Kuratorium gab es nur 50 000 Euro. Doch die Wiesbadener seien die „Erstförderer“ gewesen, betont Steinmetz. „Dann kamen die anderen hinterher.“

Hessen zieht die Fäden

So sieht auch Direktor Schardt seine Aufgabe. Mit einem Budget von 800 000 Euro jährlich habe das Kuratorium weit weniger Geld zu bieten als die anderen Filmförderer von Bund und Ländern, die mehr als 330 Millionen Euro pro Jahr in die Branche stecken.

Doch die Anerkennung durch das Kuratorium werde als „eine Art Gütesiegel“ wahrgenommen, was es Filmemachern erleichtere, auch von anderen Institutionen Geld einzusammeln. Man habe sich „vorgenommen, Anschubfinanzierer zu sein“.

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) eröffnete den Abend, denn das Kuratorium wird von den Bundesländern getragen. Hessen trägt 61 000 Euro pro Jahr dazu bei. Die Länder-Finanzminister hatten sich vor 50 Jahren darauf verständigt, dass die hessischen Kollegen für das Kuratorium zuständig sind.

Schon mehrfach habe die Finanzierung des Kuratoriums in seiner Geschichte politisch auf der Kippe gestanden, berichtete Direktor Schardt. Man habe sich aber „immer durchgekämpft“.

Minister Schäfer freute sich, auf diese Weise einen Kinobesuch in seinen Terminplan einbauen zu können. Vor dem experimentellen Film von Steinmetz sei er zuletzt mit dem eigenen Nachwuchs im Kino gewesen – in „Der kleine Drache Kokosnuss“.

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