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Oskar Roehler (li.) und Lars Eidinger (re.) im Studio Babelsberg.

"Durch die Nacht mit...", Arte

"Im Grunde bin ich Zyniker"

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Ein bisschen Reibung, ein bisschen Rollenspiel: Regisseur Oskar Roehler trifft sich in Berlin mit Schauspiel-Star Lars Eidinger.

Wenn zwei spätabends um die Häuser ziehen, dann belassen sie es meistens ja nicht beim Trinken (und Essen), sondern erzählen sich auch etwas. Und wenn sie von einiger Prominenz sind und etwas zu sagen haben, dann dürfen sie vielleicht einen Kameramann und einen Tontechniker mitnehmen und sich dabei filmen lassen, wie sie trinken, essen und palavern. „Durch die Nacht mit...“ heißt die Reihe, deren Folgen Arte in unregelmäßigen Abständen sendet. Jetzt gab es eine neue Ausgabe mit dem Schauspieler Lars Eidinger und dem Regisseur Oskar Roehler: zwei, die sich nicht kannten, aus dem gleichen Geschäft, aber aus anderem Holz geschnitzt, der eine behütet und in einem gutbürgerlichen Umfeld aufgewachsen, der andere von den Eltern nicht eben geliebt und schon als kleines Kind allerlei Zumutungen durch seine Erzeuger ausgesetzt.

Eidinger, Jahrgang 1976, ist der vielleicht spannendste deutsche Schauspieler derzeit, wenn man denn einen Superlativ bemühen will. Oskar Roehler hat einen Gutteil seines nun knapp 60-jährigen Lebens damit verbracht, sich künstlerisch mit seinen berühmten Eltern auseinanderzusetzen, der Schriftstellerin Gisela Elsner und dem Autor Klaus Roehler.

Die Redakteure der Reihe versuchen natürlich, Menschen zusammenzubringen, deren Begegnung eine gewisse Reibung verspricht. In diesem Fall wollte man aus der unterschiedlichen politischen Haltung der beiden Funken schlagen, aber der diesbezügliche Austausch erweist sich dann doch nicht als zündend.

Roehler lehnt Multi-Kulti ab, Eidinger ist schockiert

Roehler beschreibt sich als „eher rechts“, Eidinger, der sich „nahezu schockiert“ davon zeigt, beteuert, „nie rechts“ gewesen zu sein. Roehler macht einen Mangel an „Vernunft“ beim Staat aus und lehnt die „Multikulti-Politik“ der Grünen ab. Als aber Eidinger mit Brecht zu argumentieren beginnt, blockt sein Gesprächspartner: Er wolle sich „Flüchtlinge im Boot heute Abend nicht vorstellen“.

Beim Rostbratwürstchen und Sülze im Lokal Diener am Berliner Savignyplatz wird es dann persönlicher – und interessanter. Da offenbart Roehler den Abtreibungsversuch seiner Mutter, Eidinger verrät dem ihn darob bewundernden Regisseur, wie er sich als Hamlet durch den Text hangelt. Während der Regisseur in Aussprache, Haltung und Diktion mitunter eher defensiv wirkt, ist der Schauspieler von gesetzter Gelassenheit, auch wenn er gesteht: „Ich bin im Grunde Zyniker“.

Das ist ja vielleicht nicht unbedingt ganz ernst zu nehmen, denn natürlich sind die beiden jederzeit gewahr, dass die Kamera präsent ist. Auch wenn beide reflektiert und lebendig sind, geschieht es eher selten, dass sie ihre Routine in öffentlichem  Auftreten durchbrechen. Ausnahme: Beim Besuch des Ateliers von Maler John Bock geht es um frühe Film-Erlebnisse. Roehler, von seinem Vater offenbar schon früh Pasolinis Schreckensgemälde „Die 120 Tage von Sodom“ ausgesetzt, wird brüsk, als Eidinger Godards „Die Verachtung“ nennt. Das sei doch „total prätentiöser Scheiß“.  Für Roehler ist David Lynch „der einzige, der zählt“.

Und gegen Ende wird es dann doch noch mal etwas politisch. Als die beiden in einer Kneipe Oliver Masucci zum Billard treffen, Burgschauspieler und dem großen Publikum bekannt geworden durch seine Rolle als Hitler in „Er ist wieder da“.  Denn auch Masucci bekennt sich dazu, politisch eher rechts zu stehen, und Eidinger versucht den Kollegen zu provozieren mit der Behauptung, Hitler könne doch jeder – nachdem Masucci von seiner monatelangen Vorbereitung auf den Part erzählt hat...

Vielleicht wird aber auch das Kinopublikum die Früchte dieses Zusammentreffens genießen können. Denn Roehler will einen Film über Rainer Werner Fassbinder drehen – mit Lars Eidinger. Das „beste Drehbuch seit 100 Jahren“ habe er schon. Die Superlative, sie gehören eben einfach dazu in diesem Geschäft.

„Durch die Nacht  mit ... Oskar Roehler und Lars Eidinger“. Arte, von Montag, 29. Januar, 23.18 Uhr. Im Netz: https://www.arte.tv/de/videos/078729-000-A/durch-die-nacht-mit/

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