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Von Ólafur Eliasson kann man lernen, dass man auch ohne Film und Video großes Kino machen kann – man muss das Medium nur daran erinnern, wie es früher einmal hieß: Lichtspiel.
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Von Ólafur Eliasson kann man lernen, dass man auch ohne Film und Video großes Kino machen kann – man muss das Medium nur daran erinnern, wie es früher einmal hieß: Lichtspiel.

Berlinale

Großes Kino mit Lichtspiel

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Der isländische Künstler Ólafur Eliasson bereichert die Berlinale-Jury. Bekannt wurde er mit atemberaubenden Installationen.

Wenn ein Künstler noch das Staunen lehrt, dann Ólafur Eliasson. In den letzten zwanzig Jahren faszinierte der in Berlin lebende Isländer ein Massenpublikum wie Spezialisten gleichermaßen mit technisch avancierten Installationen, die wie Naturereignisse wirken. Mit frei im Raum schwingenden Ventilatoren wurde er in den späten 90er Jahren bekannt, später färbte er Flüsse mit ungiftigen Farben, schuf künstliche Wasserfälle, baute Mobiles aus Prismen, die abstrakte Lichtspiele generieren.

Vor der Londoner Tate Modern ließ er eine blutrote Sonne leuchten, die ihre eigenen Sonnenanbeter anlockte. Und seine 2006 im Neuen Portikus auf der Frankfurter Maininsel eingerichtete Lichtinstallation poetisierte das Stadtbild augenblicklich. „Light Lab“ nannte er sein sich immer wieder erneuerndes Projekt für Frankfurt, sein eigentliches Labor steht in Berlin und beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Wie ein Renaissancekünstler betreibt er Kunst zugleich als Wissenschaft.

Seit 2006 lehrt der weltbekannte Künstler an der Berliner Universität der Künste, und es wundert nicht, ihm nun auch in der Berlinale-Jury zu begegnen. Auch wenn er in seiner eigenen Kunst keine Geschichten erzählt, knüpft sie doch da an, wo die Bilder einmal laufen lernten: Bei der Erforschung optischer Phänomene, der Freude an der Projektion und der Lust am poetischen Spektakel. Mit der französischen Filmkünstlerin Claire Denis arbeitet er zurzeit an den Spezialeffekten des Weltraumdramas „High Life“.

Es ist seit einiger Zeit durchaus üblich, in Filmfestivaljurys Vertreter anderer künstlerischer Disziplinen einzuladen. Meist ist die Bereicherung dabei beidseitig und ein willkommener Bruch mit der Routine. Das Kino kann Anregungen von außen derzeit besonders gut gebrauchen. Nach über hundert Jahren hat es sich weitgehend vom Zelluloidfilm verabschiedet, lediglich der Finne Aki Kaurismäki hält ihm im Berlinale-Wettbewerb dieses Jahr die Treue. Von Ólafur Eliasson kann man lernen, dass man auch ohne Film und Video großes Kino machen kann – man muss das Medium nur daran erinnern, wie es früher einmal hieß: Lichtspiel.

Bei aller technischen Avanciertheit, bei allem Pathos sind die Werke des 50-Jährigen nie angeberisch oder einschüchternd. In der nordischen Kunst zeigen sie sich eng verwandt den großen Landschaftsmalern an der Wende zum 20. Jahrhundert. Es ist nicht leicht, heute noch neue Bilder für Naturphänomene zu finden, Eliasson gelingt es, in dem er direkt zu den Elementen greift, zu Licht, Wasser oder Luft. Kein Wunder, dass er sich im Kino wohl fühlt, wo ein gebündelter Lichtstrahl eine ganze Welt erschafft.

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