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Tomas (Fritz Karl) und Nike Frese (Christiane Paul) sind verzweifelt; Milan ist verschwunden.

"Nie mehr wie es war"

Die große Familienzertrümmerung

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Der ZDF-Film "Nie mehr wie es war" stellt eine Vaterschaft und einen Vater auf die Probe.

Zu den eher stillschweigend vollzogenen Revolutionen jüngster Zeit gehört der Vaterschaftstest. Er beendete eine letzte Ungewissheit, die so alt war wie die Menschheit selbst (auch wenn sich die meisten Leute vernünftigerweise nicht darum scherten) und brachte wie jede Problemlösung neue Probleme mit sich. Vor zehn Jahren befasste sich der Schweizer Dramatiker Lukas Bärfuss in seinem erfolgreichen Stück „Die Probe“ mit den Folgen. Auch der ZDF-Film „Nie mehr wie es war“ greift das nun auf. Lässt sich eine friedfertige Vater-Sohn-Beziehung so ohne weiteres beenden, weil ein verdammter Zufall zutage bringt, dass der biologische Vater ein anderer war? Ja, kann schon sein.

Britta Stöckles Buch achtet darauf, dass der dringende Verdacht und das unabweisbare Testergebnis den Vater hier zu einem Zeitpunkt erwischen, an dem er womöglich ohnehin eine leise, winzige Verunsicherung verspürt. Er führt eine gutgehende Musikkneipe in München – was den Soundtrack des Filmes auf ein erfreuliches Niveau bringt -, ist auch froh und zufrieden. Seine Frau, die sich weniger komplett von ihrer akademischen Laufbahn verabschiedet hat als er, ist ihm aber irgendwie über. Die Überraschung ist ungeheuerlich, trifft jedoch auf fruchtbaren Boden. Fabelhaft zeigt Fitz Karl einen Mann, der blitzschnell sein Leben und das seiner Familie demontiert.

Er bricht den Kontakt ab, zieht aus, räumt das Konto, leitet Scheidung und Kneipenverkauf ein, schon sieht man, wie Christiane Paul das schöne, nicht abbezahlte gemeinsame Heim verlassen muss und in ein Mietshaus zieht. Der Sohn, fast schon ein junger Mann, will lieber zu Freunden. Die Familie ist praktisch weg. Fritz Karl ist unbedingt der Schauspieler für rabiate Reaktionen, auch für die nicht nur selbstgerechte, sondern auch stumpfsinnige Seite eines solchen Vorgehens. Christiane Paul muss weitgehend verheult durch diese 90 Minuten gehen, sie ist wirklich sehr in der Defensive.

Stöckle und Regisseur Johannes Fabrick lassen das Publikum klugerweise aber weitgehend allein damit, was es davon halten soll. Dinge passieren. Sie sind lange her, selbst wenn sie fortwirken. Aber was ist eine Fortwirkung in einem solchen Fall? Der Sohn, Matti Schmidt-Schaller (Jahrgang 1996, Petra Schmidt-Schallers Halbbruder), teilt mit dem Vater, der nicht sein leiblicher ist, Hobbys und Gewohnheiten verschiedener Art.

Die Familienauflösung, bis dahin konsequent (auch mit der Bescheuertheit, die aller Konsequenz innewohnt), bekommt dann leider einen Schicksals-Schlenker. Offenbar dachten die Macher, die flotte Vorführung eines Dementen sei eine gute Folie für ein immer noch mögliches Glück für die geschredderte, aber gesunde Familie. Demente sind aber niemals nie dazu geeignet, flott vorgeführt zu werden.

, ZDF, 20.15 Uhr.

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