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In was für einem Städtchen ist Ethan Burke (Matt Dillon) da bloß gelandet? Schwester Pam (Melissa Leo) verrät nicht viel.
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In was für einem Städtchen ist Ethan Burke (Matt Dillon) da bloß gelandet? Schwester Pam (Melissa Leo) verrät nicht viel.

„Wayward Pines“

Die Grillen sind nicht, was sie scheinen

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Gerade gelang M. Night Shyamalan mit „Split“ ein US-Kinohit, da startet bei ZDFneo die von ihm koproduzierte Serie „Wayward Pines“. Auch dort muss man mit Verstörendem und Unerwartetem rechnen.

Der Regisseur und Produzent M. Night Shyamalan ist wieder in der Erfolgsspur. Sein aktueller Thriller „Split“ spielte allein in den USA am Startwochenende Mitte Januar das Vierfache der Produktionskosten ein. Im Vorjahr fungierte Shyamalan als Ausführender Produzent der Serie „Wayward Pines“ und inszenierte deren Pilotfilm. Auch „Wayward Pines“ fand Anklang, sogar mehr als erwartet: Ursprünglich sollte die Geschichte nach der zehnten Folge enden und damit inhaltlich der literarischen Vorlage des an der Fernsehproduktion beteiligten Schriftstellers Blake Crouch entsprechen, doch der auftraggebende Sender Fox orderte überraschend eine zweite Staffel.

Wer sich das volle Sehvergnügen bewahren will, sollte tunlichst vorab nichts über „Wayward Pines“ lesen. Die Serie enthält eine dieser von Shyamalan gewohnten abrupten Wendungen, die das bislang Gesehene in einen völlig neuen Zusammenhang rücken … Und nein – es stellt sich nicht am Ende heraus, dass alle Protagonisten aus dem Jenseits zu uns sprechen. Obwohl …

Idyll oder Luxusgefängnis?

Die Serie beginnt, so viel darf man verraten, in der Manier eines Verschwörungskrimis. Ethan Burke (Matt Dillon), Agent beim Secret Service in Seattle, erwacht mitten im Wald. Blutig, zerrupft, orientierungslos. Eine Rückblende zeigt ihn im Gespräch mit einem Therapeuten. Nach einem missglückten Einsatz leidet er an Albträumen. Sowie, so suggeriert eine Anmerkung des Arztes, an Halluzinationen.

Der verletzte Burke stolpert in eine Kleinstadt, wie es viele gibt im Nordwesten der USA. Beziehungsweise im kanadischen British Columbia, wo die Serie gedreht wurde. Die schnurgerade Hauptstraße bildet das Zentrum des Ortes. Hier reihen sich Geschäfte und Gastronomie, die Büros des Sheriffs und des lokalen Maklers, wohl weltweit der einzige seiner Zunft, der keine Courtage verlangt. An den Rändern adrette Einfamilienhäuser in ruhiger Lage. Ein Traum.

Burke war mit seinem Partner unterwegs, um nach zwei verschwundenen Kollegen zu suchen. Darunter Kate Hewson (Carla Gugino), mit der Burke nicht nur beruflich verbunden war. Das Verhältnis belastet seine Ehe und die Beziehung zu seinem Sohn. Burke erinnert sich an einen Autounfall, nicht aber daran, wie er in das von hohen Felswänden eingekesselte Wayward Pines gelangt ist. „Where Paradise is Home“, wie das Ortsschild verspricht.

Verschwörung oder Schimäre?

Dieses Paradies ist ein eigenartiger Ort. Mobiltelefone funktionieren nicht, das Krankenhaus ist bis auf die aufdringliche Schwester Pam (Melissa Leo) menschenleer. Beverly Brown (Juliette Lewis), die Bedienung im Schnellimbiss, steckt Burke eine rätselhafte Nachricht zu. „Es gibt keine Grillen in Wayward Pines“. Als er im Freien eine Grille zirpen hört, geht er dem Geräusch nach – und findet im Gesträuch einen Lautsprecher. Keine Grille.

Die gesamte Siedlung wird überwacht, irgend jemand scheint im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Ausführendes Organ ist der Sheriff Arnold Pope (Terrence Howard). Ein Gesetzeshüter der besonderen Art. Wer sich Popes Anweisungen widersetzt, muss mit blutigen Konsequenzen rechnen.

Parallele Handlungsstränge führen ins Quartier des Secret Service in Seattle, wo man den mysteriösen Unfall untersucht, und zu Burkes Familie. Da der Secret Service jede Auskunft verweigert, macht sich Theresa Burke (Shannyn Sossamon) selbst auf die Suche. Und wird unterwegs einem Sheriff namens Arnold Pope begegnen.

Spannung oder Logik?

Die ersten Folgen von „Wayward Pines“ erinnern unweigerlich an einen wahren Klassiker unter den Serien: an „Nummer sechs“, Originaltitel „The Prisoner“, aus dem Jahr 1967. Intensiv und intelligent wie selten wurden in siebzehn Episoden die Widersprüche zwischen Individuum und Gemeinschaft, zwischen Entscheidungsfreiheit und Gruppenzwang, zwischen Realität, manipulierter Wahrnehmung und Wahnvorstellung bis in feinste Details ausgelotet. Patrick McGoohan, Ideengeber, Autor, Regisseur der Serie, nahm früh vorweg, was Jahrzehnte später in Serien wie „Twin Peaks“ – dort nett versponnen, aber letztlich belanglos –, in „Akte X“ oder auch in Oliver Stones „Wild Palms“ aufgegriffen und weitergeführt werden sollte. Wie das damalige wird sich das heutige Publikum anfangs fragen: Wer ist Nummer eins, also der unsichtbare Drahtzieher hinter den Kulissen?

Für Kenner enthält zumindest die Originalfassung von „Wayward Pines“ einige Anspielungen auf „Nummer sechs“ und ebenso auf „Twin Peaks“, die aber für das Verständnis des Ganzen unerheblich sind. Die Autoren wissen ihre Zuschauer zu packen, die Besetzung mit etlichen preisgekrönten Schauspielern wie der Oscar-Gewinnerin Melissa Leo ist erstklassig, im Regieteam finden sich Namen wie James Foley und Tim Hunter. Und das in der Serienrezeption in letzter Zeit gern zitierte „epische Erzählen“ nimmt hier, bezieht man die zweite Staffel mit ein, rekordverdächtige Dimensionen an.

Allerdings: Wer auch nur den geringsten Wert auf Logik legt, wende sich ab. Die – nennen wir es mal: – Diskrepanzen sind so offensichtlich und treten in so großer Zahl auf, dass man wohl von schelmischer Absicht ausgehen muss. Eine Haltung, die einem Patrick McGoohan trotz der satirischen Einschübe in „Nummer sechs“ gänzlich fernlag. 

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