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Breite Zustimmung für Greta Thunberg bei Maischberger

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Von: Michael Meyns

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Klima-Aktivistin Greta Thunberg im Gespräch mit Sandra Maischberger
Klima-Aktivistin Greta Thunberg im Gespräch mit Sandra Maischberger. © Screenshot ARD

Greta Thunberg spricht sich bei Sandra Maischberger dafür aus, dass Deutschland seine Atomkraftwerke länger laufen lässt.

Berlin – Manche Grüne für Atomkraftwerke, manche Konservative plötzlich Greta Thunberg-Fan. Viel zitiert wurden Aussagen der jungen Klimaaktivistin, deren Interview mit Sandra Maischberger im Zentrum der Sendung stand, neben einem weniger weltbewegendem Thema: dem Zustand der FDP.

Seit Tagen wird im politischen Berlin und den sozialen Medien über eine Aussage der Klimaaktivistin Greta Thunberg gesprochen und gestritten: Atomkraftwerke dienen dem Umweltschutz. Diese Aussage hatte Thunberg in einem Interview mit Sandra Maischberger getätigt, das Anfang Oktober in Stockholm aufgezeichnet wurde und auch in der ARD-Sendung nicht sofort gezeigt wurde. Ein bisschen zusätzliche Spannung muss eben sein, wenn man aus einer Aussage schon tagelang Aufmerksamkeit generiert hat.

Zustimmung für Greta Thunberg bei Sandra Maischberger

Zunächst durften sich die bei Maischberger eingeladenen Journalisten äußern, die Thunberg einhellig zustimmten: Vom Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Theo Koll, der inzwischen seine lebenslange Anti-AKW-Haltung überdenkt, über die freie Journalistin Eva Schulz, die sagte: „Greta differenziert genau, anders als die Diskussion in den Sozialen Medien es suggeriert. Sie spricht explizit von schon laufenden Atomkraftwerken.“ Und – wenig überraschend – Alexander Kissler, Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, der zunächst einmal betonen musste, kein Mitglied im Greta-Fanclub zu sein, bevor er bei Maischberger in der ARD sagte: „Diese Aussage weckt die Hoffnung, dass Greta auch mal pragmatisch denken kann. In diesem Fall also: Danke Greta!“

Was hatte Greta Thunberg denn nun eigentlich wirklich gesagt? Ein Buch hat die immer noch erst 19 Jahre junge Klimaaktivistin geschrieben, das Ende des Monats erscheint und Anlass des Gesprächs war. Immer noch geht Thunberg jeden Freitag demonstrieren, sieht ihren Aktivismus inzwischen aber auch differenzierter. Manches hätte sie anders gemacht, sagte Thunberg bei Sandra Maischberger in der ARD, zum Beispiel früher die Frage der Klimagerechtigkeit angesprochen. Zweifel an ihrer Arbeit zeigte sie jedoch nicht, im Gegenteil.

Greta Thunberg bei Sandra Maischberger: „Das kommt drauf an“

Gerade auch angesichts des Ukraine-Krieges nicht, der das Thema Klimaschutz weniger wichtig erscheinen lässt. Die Frage, wie man Klimaschutz mit dem Verlangen nach immer mehr Energie in Einklang bringen kann, darauf sucht sie deutsche Regierung seit Monaten eine Antwort, die auch Thunberg nicht hatte: „Ich persönlich denke, dass es eine schlechte Idee ist, auf Kohle zu setzen, solange die AKWs noch laufen. Aber das ist natürlich eine sehr aufgeheizte Diskussion.“ sagte die Klimaaktivistin nicht zum Thema der Stunde und blieb auch auf Maischbergers Nachfrage, wie lange dies denn gelten sollte, nachdenklich: „Das kommt drauf an.“ Eine umsichtige Antwort, die man vor drei Jahren wohl noch nicht von Thunberg gehört hätte.

Manchmal immer noch wie das Kind, das sie trotz allem immer noch ist, agierte sie im Interview mit Maischberger vor allem aber nachdenklicher und weniger zu pauschalen Bemerkungen neigend als früher. In ihrem Buch, mit dem etwas banalen Titel „Das Klima-Buch“, schreibt Thunberg nicht nur von Problemen, sondern versucht auch, konkrete Lösungen anzubieten. Was denn am wichtigsten sei, wollte Sandra Maischberger von Greta Thunberg wissen: „Erkennen, dass wir uns in einer Notlage befinden, sonst bringt alles andere nichts!“ Eine klare, einfache Forderung und doch so schwer zu erreichen.

Sandra Maischberger fragt nach dem Zustand der FDP

Man könnte es bezeichnend finden, aber über weite Zeit drehte sich das Thema bei Maischberger in der ARD nicht um die Klimakrise – sondern um die FDP, eine Akzentsetzung, die Christian Lindner vermutlich begrüßen würde. Nun, da die Niedersachsenwahl Geschichte ist, könnten die Regierungsparteien auch unbequeme Entscheidungen treffen, doch ist gerade die FDP, als großer Verlierer der Wahl, die an der 5%-Hürde scheiterte, dazu in der Lage?

Maischberger in der ARDGäste der Sendung vom 12. Oktober
Greta ThunbergKlimaaktivistin
Wolfgang KubickiStellv. FDP-Vorsitzender
Theo KollLeiter ZDF-Hauptstadtstudio
Eva SchulzJournalistin
Alexander KisslerNZZ Berlin

„Schadet das Mitregieren im Bund den Liberalen?“, fragte Maischberger in ihrer ARD-Sendung. Zumindest die Umfragen und das Wahlergebnis scheinen zu bestätigen, dass die Bevölkerung vor allem die FDP als Problem der Ampel ausgemacht hat, aber ist die FDP wirklich der Bremser? Nicht unbedingt, meinte Theo Koll: „Alle drei Parteien verletzen ihre Kernkompetenz, nicht nur die FDP, sondern auch die Grünen und die SPD.“ Manche verkaufen dies aber besser als Christian Lindner, der sogar noch auf dem Bewahren der Schuldenbremse beharrt, aber auch bei der Frage der Verlängerung der AKW-Laufzeiten (noch) nicht auf Regierungslinie ist: Nicht nur die bayerischen AKWs sollen vorübergehend weiterlaufen, sondern alle drei und das nicht nur bis zum Frühjahr 2023, sondern bis 2024. „Diese Konflikte haben das Potenzial, die Ampel zu sprengen!“ meinte Eva Schulz bei Maischberger in der ARD, aber so weit sind wir noch nicht.

Wolfgang Kubicki, der stellvertretende Vorsitzende der FDP, wies jeden Ansatz, dass die FDP mit dem Gedanken spielt, die Koalition zu sprengen und aus der Ampel auszutreten, weit von sich. Den Ball flachhalten war Kubickis Devise bei Maischberger in der ARD und betonte, dass nächste Woche, nach dem Bundesparteitag der Grünen in Bonn, im Bundestag beschlossen werden wird, was nötig ist, um die Stromversorgung zu sichern.

Die Sendung

Maischberger, 12. Oktober 2022, 22.50 Uhr bis 00-05 Uhr. Die Sendung in der ARD-Mediathek.

Dass die Stimmung in der Koalition jedoch nicht die beste ist, das wollte auch Kubicki nicht bestreiten: „Anfangs hatten wir einen gemeinsamen Spirit, davon ist nicht mehr viel zu spüren“ sagte er. Auch zu Gerhard Schröder äußerte sich Kubicki und betonte, dass er nicht mit dem Ex-Kanzler einer Meinung ist: „Das habe ich ihm auch gesagt. Dennoch sollten wir mit Persönlichkeiten wie Gerhard Schröder anders umgehen. Er hat sich verirrt, in seiner Beziehung zu Wladimir Putin.“ Immerhin titulierte Kubicki Schröder nicht als Kanalratte, so wie den türkischen Präsidenten Erdogan, der prompt Anzeige erstattete.

Kubicki erklärte diese Aussage mit Erdogans Drohung, die Grenzen für weitere Flüchtlinge zu öffnen und das, nachdem er von der EU Millionensummen zur Flüchtlingsabwehr kassiert hatte. Der Anzeige sieht der Strafverteidiger Kubicki ebenso gelassen entgegen, wie der Buchveröffentlichung der ehemaligen FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, die das Klima in der Partei als sexistisch bezeichnet hat. Übergriffe hätte Kubicki unterbunden, wenn sie ihm aufgefallen wären, bloßes Flirten, auch missglücktes, wollte er allerdings nicht in einem Zuge mit sexueller Belästigung gesehen haben. Maischberger zeigte sich nicht überzeugt und versprach bald Koch-Mehrin zu diesem Thema zu befragen, vielleicht schon nächste Woche, in Maischbergers Woche. (Michael Meyns)

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